Nachfolgend veröffentliche ich die mir vorliegende Kopie einer Ortschronik der Gemeinde Grünau, herausgegeben im Jahre 1965 vom Pfarrer Dr. Fröhlich. Die im Text vorkommenden Namen habe ich farblich abgesetzt. Das Original ist mit zahlreichen Fotos von Personen und Gebäuden illustriert, die ich leider in keiner ausreichenden Qualität in diese Abschrift hätte einfügen könne. Wer ähnliche Fotos in seiner privaten Sammlung besitzt, den bitte ich, mir diese leihweise mit den dazugehörenden Erläuterungen zuzuschicken.
Norbert Gschweng, Greifswald im Januar 2001
Vorwort
Der
alljährliche gedruckt erschienene Jahresbericht war ein äußeres Band, das die
Glieder der Gemeinde zusammenhielt und darüber hinaus Ausgewanderte über die
Belange der Heimatgemeinde informierte. Nun sind die Glieder der einstigen Kirchengemeinde
Grünau in alle Welt zerstreut. Die Alten sterben langsam aus, bei den Jüngeren
verblaßt das Bild der alten Heimat, und die, die schon in der Zerstreuung
geboren sind, wissen nichts mehr von dem Lande der Väter. Mit dieser kurzen
Geschichte Grünaus möchte ich die Grünauer an die alte Heimat — an die
Heimat der Väter — erinnern und sie gleichsam als Zusammengehörige
verbinden. Die in dieser Geschichte vorhandenen vielen Namen wollen sie direkt
ansprechen und einen Kontakt der Zusammengehörigkeit erwecken. Darüher hinaus
möge sie der Glaube der Väter, wo immer sie auch zerstreut sind, wach halten
in der Nachfolge Jesu Christi!
Mit
diesem Wunsche gebe ich diese bescheidene Geschichte Grünaus aus und grüße
alle lieben Grünauer in der Verbundenheit des Herrn als euer
Pfarrer
Dr. Fröhlich
Neuhütten/Württ., im Advent 1965
Allgemeines über Grünau
Nördlich
der Donau, am Südhang der Kleinen Karpaten, entstand in der Nähe von Preßburg
zwischen den beiden Städten St. Georgcn und Bösing auf "grünen Auen"
vor etwa sieben- bis achthundert Jahren die spätere Marktgcmeinde Grünau,
slowakisch Grinava, ungarisch Grinád, jetzt Myslenice
genannt, deren deutsche Ureinwohner sich mit Berg- und Weinbau beschäftigten. Später aber, als der Bergbau nicht mehr lohnend war, wandten sie sich
ausschließlich der Landwirtschaft und der Weinkultur zu. Die slowakischen
Einwohner von der Umgebung hatten sich erst in den späteren Jahren dort
angesiedelt. Dadurch ist die Einwohnerschaft Grünaus zweisprachig geworden,
doch lebten bis zur Aussiedlung die sechshundert evangelischen Deutschen mit
den siebenhundert katholischen Slowaken trotz konfessioneller und nationaler
Unterschiede stets in Frieden und Eintracht zusammen. Das Eigenartige war nur,
daß sowohl in Grünau, als auch in anderen Gemeinden der Slowakei die
Deutschen im allgemeinen auch die slowakische Sprache beherrschten, dagegen die
Slowaken die deutsche Sprache vielfach verstanden, aber sehr selten sprachen. In
Grünau hatten beide Teile ihre eigene Kirche und Schule: Die Evangelischen ihre
deutsche und die Katholiken ihre slowakische konfessionelle Schule. Galt es für
Kirche oder Schule einen Beitrag oder Unterstützung von Seiten der bürgerlichen
Gemcinde zu erlangen, so wurden beide Teile gleichmäßig bedacht. Das gute
Einvernehmen zwischen den Deutschen und Slowaken zeigt die alte Gepflogenheit,
daß das Richteramt, Bürgermeister, im Wechsel besetzt wurde. Auf einen
Slowaken folgte ein Deutscher; war der Richter ein Slowake, so war sein Stellvertreter ein Deutscher und umgekehrt. Diese Sitte wurde auch damals nicht
unterbrochen, als hei den späteren Parteiwahlen die Deutsche Partei in Grünau
die stärkste wurde und sie somit laut Gesetz Anspruch auf die Richterstelle
hatte. Das Amt wurde dennoch einem Slowaken übcrgeben, da vorher ein Deutscher
der Richter gewesen war. Als die Evangelischen im Jahre 1926 eine
neue Kirche bauten, haben auch Katholiken geholfen. Zur selbstverständlichen
Gegenleistung ist es nicht gekommen, aber beim Konvent wurde der Beschluß
gefaßt: Allen Andersgläubigen, die uns beim Kirchenhau geholfen, sollen
unsere Glocken mitläuten, wenn einer von ihnen beerdigt wird. Das wurde
gehalten, auch noch in dem einen Falle, als das Familienhaupt der einzigen jüdischen
Familie beerdigt wurde. Wenn auch die Slowaken zahlenmäßig stärker waren,
wirtschaftlich standen sich die Deutschen besser, dadurch war ein Ausgleich
vorhanden.
Die
Hauptbeschäftigung der Einwohner war der Weinbau. Grünau hatte einen Wein von
gutem Ruf. Die Weinstube der Buncsák-Mühle war in der ganzen Umgebung bekannt.
Unsere Weine waren reine Naturweine, aromatisch und bukettreich, darum beliebt
und gesucht. Allgemein wurden nur Weißweine verkauft, der Rotwein wurde zumeist
als Haustrunk verbraucht. Die ausschlaggebenden Sorten waren: Grünsilvaner,
Riesling, Muskateller
Ackerland
hatte Grünau wenig, darum gingen unsere Weingärtner zur Zeit der Ernte in die
naheliegende Fruchtkammer, in die sogenannte Kleine Ungarische Ebene, in die
Schütt, und haben dort für den Schnitt-Teil gearbeitet. Der 29.Juni,
der Peter-und-Paul-Tag, war in der Regel der Stichtag zum Abmarsch in die Ernte.
Da kamen die ‘Wagen aus der Schütt, um die Schnitter und Schnitterinnen zu holen,
die nun mit festem Mut und frohem Gesang hinauszogen
in die nicht leichte Arbeit, die von Morgengrauen bis spät in die Nacht
andauerte. In der zwei bis vier Wochen dauernden Erntezeit erzielten sie, je
nachdem wie die Ernte ausfiel, fünf bis zehn Doppel-Zentner Frucht pro
Person. Dies war ein reicher Lohn, denn er gab Brot genug fürs ganze Jahr.
Unsere
Leute liebten ihre Heimat, sie opferten gerne für ihre Kirche und Schule und
haben beide aus eigenen Kräften gebaut und erhalten. Die Kirchensteuer
entrichteten sie in Weinmost und brachten immer mehr, als vorgeschrieben war,
mit der einfachen und einfältigen Begründung: Es ist ja für unsere Kirche!
Ja, selbst die Besoldung des Pfarrers geschah in Naturalien. So bekam der
Pfarrer in Grünau an Gehalt von jedem Ehepaar 7 Liter Weinmost und 6 kg Frucht;
Witwer und Witwen zahlten die Hälfte. Es muß der Wahrheit zur Ehre gesagt
werden: Im Geben waren sie bei jeder Gelegenheit weder geizig noch engherzig;
sie gaben und brachten von dem, was sie hatten, stets das Beste!
Die
Reformation im Lande
Die
Reformation und die Gegenreformation waren für die Geschichte Grünaus
ausschlaggebend und gestaltend. Luthers Lehre hatte sich auch in Ungarn, dem
damaligen Vaterlande, wie ein Lauffeuer verbreitet. Der kath. Klerus und die Könige
hatten nichts eiligeres zu tun, als ungemein strenge Gesetze zu erlassen: „Die
Lutheraner sollen verbrannt, die Kalviner des Landes verwiesen werden“ so
lautete ein Gesetz, das der kath. Übereifer verfassen ließ. Es war jedoch zu
spät, denn die Mehrzahl der Bevölkerung und der Adeligen, der Grundherren, war
der evangelischen Lehre zugetan. Auf dem ungarischen Throne saß damals Rudolf
II. (1576—1608), der Jesuitenzögling, der mit seinem
Feldherrn Básta und Begiojoso alle Ketzerei in Ungarn vernichten
wollte. Da erhob sich der reformierte Fürst von Siebenbürgen, Stefan Bocskay.
Ihm schloß sich fast die ganze evangelisch gesinnte Bevölkerung Siebenbürgens
und Ungarns an, um mit Schwert und Waffen die evangelische Glaubens- und
Gcwissensfreiheit zu verteidigen. Bei Almosd
war die entscheidende
Schlacht. Bocskay und sein Heer siegten, den Grausamkeiten Belgiojosos wurde ein Ende
bereitet, und durch die Vermittlung des Erzherzogs
Matthias wurde der „Wiener Friede“ am 23. Juni 16o6
geschlossen, der den Protestanten freie Religionsausübung gewährte. Zwei Jahre später wurde der Wiener Friede durch den Landtag in
Preßburg zum Landesgesetz erhoben. Er bildete die Rechtsgrundlage bei allen späteren
Verhandlungen und Religions-Gesetzen.
Die
Reformation in Griinau
Nun
wollen wir uns der kirchengeschichtlichen Vergangenheit Grünaus zuwendcn. Der Protestantismus dürfte seinen Siegeszug in Grünau nach dem
Wiener Frieden 16o6 gehalten haben, als viele aus den österreichischen Erbländern
herzogen, wo sie wegen ihres Glaubens verfolgt waren, um in Ungarn mehr Schutz
und Sicherheit zu finden. Es kamen unter anderen Johann Schmidt
mit
seiner Gattin Elisabeth Dorn und die Familie
Steingruber. Durch Familienbesuche und Hausandachten entstand eine
ansehnliche Schar
von
gläubigen evang. Christen in Grünau. So ist es zu erklären, daß das
Kirchlein, das sich jetzt in den Händen der rom. kath. Bewohner befindet, im
Jahre 16o8 gemeinsam mit der Grundherrschaft, den Grafen Fugger, erbaut
bzw. erweitert wurde und die Evangelischen Johannes Wildericius zu ihrem
Seelsorger beriefen. Daß Grünau zu den ältesten evang. Kirchengemeinden
des Preßburger Contuberniums (Seniorates) gezählt werden kann, geht
aus dem Umstand hervor, daß die Gemeinde schon im Jahre 1613 durch den ersten
evang. Superintendcnten, dem Probst Isaak Ahrahamides Hrochotius aus
Bojnice - Bajmocz (1610 bis 1620) kanonisch visitiert wurde. Damals
wurde das Inventar über das Kirchenvermögen:
1613
Kirchenvisitation durch den Sup. u. bajmoczer Probst Isaak Abraham
Hrochotius
Eine
ansehnliche Monstranz silbern, über güldet,
Zwei
silberne Kelch und Patenen, übergüldet,
Es
ist bei fünfhundert Floren Khürchengeld vorhanden zwischen der Nachbarschaft auf Zinsen aus
geliehen.
260
Eimer Wein. (Die Verantwortung über dieses Kirchengut tragen
Es
sind 7 Stück Wein gärten vorhanden, und zwar:
a)
a) Der große Kirchenweingarten, neben dem Weingarten, so Herr Pfarrer genüßt, gelegen.
b)
b) Der Wesserer, unterhalb des gedachten Weingarten, so Herr Pfarrer genüsset.
c)
c) Der Heidler, neben Eichengerischen Erben Weingarten, gelegen.
d)
d) Hosennestl, neben dem
Balthasar Petenada von St. Georgen, gelegen.
e)
e) Das Neu Bergl im Georgengebirge gelegen, neben den Niklos
Deaki.
1)
f) Drächsler, im grunauergebürge, neben dem
Matthias Winzer von St.
Georgen, liegend.
g)
g) Der Bauer neben dem Girg Hilbertus von St. Georgen gelegen.
Auff
den Weingartenbau ein Jahr zu dem andern gerechnet, geht jährlich
auf
circiter fl. 350.
Proventus
pastoris.
Hat
Paar geld 65 fl.
Der
Neugewählte (1612) Herr Johannes Wildericius hat 70
fl.
Zwei
Weingärten, dieselben bebauen die Kirchenväter.
Eine
Wiese Zwei Gärten.
Drei
generalia offertoria, bringt circiter 6o denar.
Proventus
rectoris.
Hat
Paargeld f. 26.
Unicam
urnam vini et vindemiam.
Aber
nicht lange währte die Freude der Evangelischen über ihr geordnetes
kirchliches Leben und Kirchenvermögen. Schon im Jahre 1617 wurden
sie sehr erschreckt durch die gewaltsame Wegnahme der evang. Kirchen zu Bösing
und St. Georgen. Der Bösing - St. Georgner Pá1ffy-sche Schloßhauptmann
Leopold Beck und sein Mitgehülf Lukas Ecker
ließen die Kirchen mit Leitern
ersteigen, erstürmen und erbrechen. Dagegen führte die Bürgerschaft beim König
Matthias II. (1608—1618) Beschwerde, jedoch erfolglos. Die Grundherrschaft der
Grafen Fugger bot den Grünauern noch einige Jahre Schutz gegen die Gewalttaten.
Von der Regierung des Königs Ferdinand II. (1618—1637) erhofften
sich die Evangelischen Ungarns blutwenig,
Die
Türken bedrohten das Land, die allgemeine Unzufriedenheit nahm zu. da griff der
21jahrige Käsmarker Graf Emerich Thököly (1678) zu den Waffen.
Leopold I. sah sich genötigt, einen Landag nach Ödenburg (1681) einzuberufen,
den Wiener Frieden zu bestätigen, die Rückkeh der verbannten Prediger
zu gestatten und in jedem Komitat zwei sog. Artikularkirchen zu
belassen. Im Preßburger Komitat waren es die Friedhofskirche in Modern und die
Kirche in Pustý Fedýmes. Auf großen Umwegen besuchten unsere Grünauer
diese Kirchen. Die üblichen Abgaben mußten sie dem kath. Pfarrer leisten,
durften jedoch nicht ihre Kinder zur Taufe in die
Nach
der Türkenvertreibung 1683 bei Wien, war Leopold wieder der unumschränkte Herrscher im Lande. Wie es in dieser Zeit zuging, zeigt das
Blutgericht zu
Eperjes unter dem General Karaffa, wo vier unschuldige evangelische Bürger
der Stadt nach den Methoden der spanischen Inquisition gefoltert und am 5. März
1687 öffentlich hingerichtet wurden. Erst hieb man ihnen den rechten Arm, dann
den Kopf ab; die Leichname wurden gevierteilt und an den Stadttoren als
abschreckendes Beispiel angebracht und die Köpfe an den Galgen aufgehangen.
Noch einmal kam es zum Kampf gegen die Habsburger: Franz Rákoczy II. von
Siebenbürgen griff zu den Waffen.
Am
17. März 1706 wurden den Evangelischen Grünaus im Sinne des Szécsényer Landtages
die Kirche, Schule und die Weingärten durch die Kommissare des Fürsten Franz Rákoczy II. durch
Stefan Nowotha, Nikolaus
Gosztony und Stefan Losonczy
übergeben. Den Katholischen aber als Bauplatz für Kirche, Pfarrhaus,
Schule und Lehrerwohnung in der Nähe des Grünfelder-Maierhofes mehrere Joch
Hutweide angewiesen. (Das Original dieser Verordnung ist im kath. Pfarrarchiv
vorhanden.)
Die
Evangelischen erhielten am obigen Tage den Kirchenschlüssel, denselben übernahm der Kirchenvater
Johann Schmidt, ein Nachfolger des bereits erwähnten
Kurators, der schon im vorgeschrittenen Alter war. Gott verlieh ihm die Gnade,
daß er vor der letzten Wegnahme des evang. Gotteshauses entschlief.
Vom
Jahre 1706 bis1711 wirkte als Seelsorger in Grünau Joachim
Kneppel
mit viel Segen. Damals gehörte Limbach zu Grünau als Tochtergemeinde. Zu
jener Zeit hielt Daniel Krman die zweite kanonische Visitation in
Grünau.
Im Jahre 1711 wurde die Kirche samt Allem, was dazu gehörte, zum dritten- und letztenmale gewaltsam weggenommen.
Über
Kneppel finden wir in der Geschichte der Preßburger Kirchengemeinde
folgendes: Kneppel Joachim Mag. war bis 1674 und dann wieder
Vom
Jahre 1711 bis 1783, also durch 72 Jahre hatten die Evangelischen
Grünaus weder Kirche noch Schule, weder Pfarrer noch Lehrer, und die kleine,
vielgeprüfte Herde Jesu Christi war wieder nur auf die Wald- und Hausandachten
angewiesen.
Eine
entscheidende Wendung brachte das Toleranzedikt Josephs II. am 5. Oktober
1781, denn es machte der fast 200jährigcn Verfolgungszeit der
Protestanten ein Ende. Wo wenigstens 100 evang. Familien oder 500 Seelen in
einer Gemeinde wohnten und wirtschaftlich genügend stark waren, durften sie
Kirche und Schule bauen, Pfarrer und Lehrer berufen. Die Kirche mußte aber ohne
Turm und Glocken sein. Eine solche Kirche entstand in St. Georgen im Jahre 1783
- ein Vermächtnis der Familie v. Szegner. Die Grünauer hatten im Jahre
1783 am östlichen Dorfeingang das Eckhaus für eine Schule und Lehrerwohnung
gekauft und eingerichtet. An dieser Schule wirkten von 1783 bis 1874 folgende
Lehrer: Fábry, Förster, Batka, Szabo, Járosch, Lackner, Florian,
Járosch zum zweitenmale und Conrad Jurscó.
Während dieser Zeit gehörte Grünau durch 92 Jahre als Tochtergemeinde zu Bösing.
Am
9. Februar 1872 wurde das Presbyterium neugewählt: Die Kirchenväter: Georg
Prechtl und Johann Simonovits; Schulväter:
Samuel Ruttmar und Paul
Buncsák. Die
Presbyter: Michael Prechtl, Andreas Osswald jun.. Andreas
Hrcko, Karl PolIak,
Andreas Kreutz, Andreas Ruttmar, Michael
Johann
Wittich, Samuel Prechtl, Samuel
Sewela und Paul Steberl. Die alte Schule
wurde um 750 Fl. ö. W. verkauft. Nun kam ein Bitten und Handeln, denn
der kath. Graf Pálffy war den Evangelischen nicht sehr freundlich
gesinnt, doch gab er schließlich nach, indem er den Verkaufpreis von sechs auf
achttausend Gulden gesteigert hatte, und verkaufte sein sogenanntes „Schlössel“
den Evangelischen. Dieses Haus wurde etwa um 1845 erbaut und gehörte vorher dem
Freiherrn Huy.
Grünau
wird selbständige Muttergemeinde
Im
Januar 1874 wurde Gustav Adolf Csernák nach Grünau berufen, geboren am
16. 8. 1842 zu Lubina als Sohn des Lehrers Thomas Csernák. Nachdem die
Filialgemeinde Grünau bei dem am 2. September 1875 in Bösing abgehaltenen
Senioratskonvente dem deutschen Pfarrer Matthias Dorner
300 FI. und dem
slowakischen Pfarrer Johann Mockovcák 100 Fl. als Ablöse
zugesagt hatte,
stimmte dieser Sen.-Konvent der Selbständigkeit zu, und der in Tyrnau
abgehaltene Distriktual-Konvent sprach am 16. September 1875 die Selbständigkeit
Grünaus als Muttergemeinde aus. Am 17. Oktober wurde G. A.
Csernák
zum ersten Pfarrer eingeführt und den 24. Oktober 1875 am 22. Sonntag
n. Trinitatis hat Superintendent Dr. Ludwig Geduly im Beisein von sieben
Geistlichen das Gotteshaus eingeweiht. Es war bescheiden und klein, es war aus
drei Gassenzimmern durch die “Wegnahme der zwei Mittelwände errichtet
worden. Dennoch durfte die Gemeinde mit Jakob bekennen und jubeln: „Hier ist
nichts anderes denn Gottes Haus und hier ist die Pforte des Himmels!“
Am
9. Juli 1877 hat der Superintendent Dr. Ludwig Geduly die dritte
kanonische
Visitation in Grünau gehalten. In dem ausführlichen Protokoll wurde der Wunsch
ausgesprochen, die Namen derjenigen zum Andenken der Nachkommen einzuschalten,
die sich um die Gemeinde besonders verdient gemacht haben. Diese sind: Samuel
Ruttmar ‚Gottlieb Gschweng, Karl Pollak und
Johann Simonowits.
Zur
Ausstattung des Gotteshauses spendeten:
i‘. 1. Paul Buncsák zur Anfertigung des Altars 400 Fl.
2. Andreas Osswald sen. und jun. sowie Karl Pollak bezahlten den Taufstein.
3. Samuel Ruttmar den kleinen stark vergoldeten Kelch samt Patene.
4. Paul Steberl mit Matthias Prechtl den größeren silbernen Kelch samt Patene.
5. Georg Prechtl die großen silbernen Altarleuchten.
6. Andreas Ruttmar das Altarkreuz mit silbernen Christus.
7. Gottlieb Gschweng sen. und Gottlieb Schmidt die zwei Lustern aus Messing.
8. Marie Gruber geb. Slany die schwarze Altar- und Kanzeldecke.
9. Sophie Sewela geb. Osswald und Elisabeth Draxler geb. Reichbauer die rote Altar- und
Kanzeldecke.
10. Elisabeth Prechtl geb. Fürst zwei, Kath. Osswald geb. Prechtl das dritte Chorhemd (Alba).
11. Theresie Osswald geb. Slany mit Rosine Pollak geb. Steberl den Altarteppich.
12. Johann Simonovits das deutsche und slowakische Gesangbuch für den Geistlichen.
13. Johann Reichbauer die Altarbibel.
14. Samuel Brandtner das Doppelt-Kreuz am Gotteshause.
15. Paul Schay den Klingelbeutel und den Altarschemel.
16. Samuel Hedecker und Jobann Slany 2 Stück zinnerne Weinkannen.
17. Samuel Wittich zur Herstellung des Altars 50 Fl. Rosine Macher geb. Dax aus Preßburg 10 Fl.
18. NN. 2 Seidentücher zur Bedeckung der heiligen Gefäße.
19. NN. ein Opferbecken.
Bei
der Umgestaltung des Hauses wurden Gratisleistungen getan. Zur Tilgung der
Schulden wurde auf die Gemeindeglieder eine Pflichtabgabe von 7005 Fl.
ausgeworfen. 3270 Fl. sind eingeflossen. Trotzdem mußten noch
Eine
Orgel besitzt die Kirche seit 1884, die am Kirchweihfeste, dem
Pfarrer
Gustav Adolf Csernák wirkte in Grünau als Pfarrer und Lehrer zugleich mit
viel Eifer, Treue und Geduld 17 Jahre lang. Er verstarb plötzlich im
Alter von nur 49 Jahren am 29. April 1891 und wurde in Grünau beerdigt.
Am
6. September 1891 wurde Alfred Krahulecz zum Pfarrer gewählt,
geboren
in Modern am 10. November 1861; mit zehn Jahren verlor er den
Im
Jahre 1902, am 22.-24. Mai fand durch Bischof Dr. Friedrich
Baltik die vierte kanonische Visitation statt. Auf Grund des Visitations-Protokolls
konnten wir so manches aus der Vergangenheit Grünaus ermitteln. 1903 ist
die Schule abgebrannt. Der Schaden wurde durch die Versicherung nur zum Teil
gedeckt. Zufolge der Reblaus, der Phyloxera, die sich rasch ausbreitete,
1912 habcn 6 Jungfrauen, nämlich Rosa Kraitz, Justine Prechtl, Marie Follrich, Vali Reichbauer, Rosa Gruber und Marie Reichbauer eine creme-farbige, mit blauer Fütterung versehene Kanzel-, Taufstein- und Altarbekleidung gehäkelt.
Der Erste Weltkrieg
Nun
brach der Erste Weltkrieg aus. Gleich zu Beginn mußten der Kircheninspektor
Dr. O. Jamnicky, der Lehrer K. Lackner und mit ihnen
25 Mitglieder
unserer Gemeinde einrücken, unter ihnen der Kirchenvater Gottfried Ruttmar und
die Schulväter Eduard Ruckriegl und Samuel
Ruttmar. Bald mußten noch
andere fort, so daß ihre Zahl bis Ende 1915 auf 49 stieg. Es folgten
noch drei Jahrgänge. Mitten im Toben des Krieges starb der greise 86jährige
Monarch, Franz Josef I. Zum Nachfolger wurde am 30. Dezember 1916 Karl
IV. in Budapest gekrönt.
Dieser
Krieg hat von Grünau acht teure Menschenleben gefordert: die Brüder Gottlieb
und Gottfried Gschweng, Paul Schay, Ludwig Steberl, Gejsa Krahulecz, Gustav
Follrich, Ferdinand Schiessler und Gotthilf Simonovits. Das Ende des Ersten
Weltkrieges hat den Zerfall der Österreich-Ungarischen Monarchie mit sich
gebracht. Oberungarn wurde unter dem Namen Slowakei der Tschechoslowakischen
Republik einverleibt. Ihr erster Präsident war Dr. Thomas G.
Masaryk. Der
Umsturz hat auch die Kirche getroffen. Ihre Selbstverwaltung - Autonomie - wurde am
30. 1. 1919 aufgehoben, sie wurde fast vier Jahre lang durch
ernannte Administratoren verwaltet.
Nach 28jähriger, segensreicher Tätigkeit starb am 28. Mai 1919 im Alter von 58 Jahren Pfarrer A. Krahulecz. Ihm und seinem Vorgänger, G. A. Csernak hat die Liebe und Dankbarkeit der Gemeinde die Ruhestätte mit Grabsteinen gezeichnet.
Am 7. Dezember 1919, dem Zweiten Advent, wählte die Gemeinde einstimmig Kaplan
Johann Fröhlich zum Seelsorger. (Geboren am 24. Oktober 1892 in
Wallendorf. Eltern: Wilhelm Fröhlich, Landwirt, und
Amalie geb. Fürst.
Gymnasium mit Matura 1913 in Zipser Neudorf, Theologie mit Grund- und
Fachprüfung in Preßburg, daneben zwei Jahre Diakon in Militärspitälern,
Pfarrerprüfung und Ordination am 13. Juni 1917 in Eperjes durch Bischof
Heinrich Geduly; 1917-1919 Kaplan in Zipser Neudorf, inzwischen
Feldkurat an der Piave; seit 1921 verheiratet mit Gisela Thern aus Zipser
Neudorf; am 23. 1. 1937 an der Commenius-Universität zu Preßburg zum
Dr. med. promoviert.)
Nachdem
die Verfassung der Evang. Kirche A. B. in der Slowakei am 15. Mai 1922 durch den bevollmächtigten Minister
für die Verwaltung der Slowakei,
Dr. Martin Micura, bestätigt wurde, konnten die Wahlen in der Kirche durchgeführt
werden. Inspektor der Generalkirche wurde Dr. Johann Vanovic; für den östlichen
Kirchendistrikt wurden Dr. Georg Janoska zum Bischof, Dr.
Johann Ruman zum
Inspektor gewählt. In unseem westlichen Kirchendistrikt wurde Samuel Zoch
Bischof und Dr. Ludwig Simko Inspektor. Das angestrebte Deutsche Seniorat im
Preßburger
Komitat haben
Das zerrüttete geistige Leben der Nachkriegszeit bedrückte uns. Gottes Wort beim Propheten Haggai im 1. Kapitel wies uns den Weg, den die Gemeinde betreten mußte. „Aufbau“, so hieß das Losungswort nach der Völkerzerstörung; sollte uns geholfen werden, so mußte zu allererst der verwüstete Altar des HERRN aufgerichtet werden. Gott zu ehren und unserer Jugend zu dienen war die Absicht der vielseitigen Arbeit im Jugendbund, der in Verbindung mit der E.-C.-Bewegung stand. In Abendkursen, Schulungen und Darbietungen wurde manch köstlicher Same willig aufgenommen und die Jugendschriften gerne gelesen. Der Männerchor unter der Leitung des Lehrers Lackner stand im Dienste der Kirchengemeinde.
Der Kirchenbau
Kirchengeschichtlich
näherte sich Grünau seit 1875 dem 50jährigcn Jubiläum des Bestehens als
Muttergemeinde. Die Sehnsucht nach Turm und Glocken wurde immer stärker. Der
Lokalinspektor Samuel Buncsák ließ viele Fuhren an Sand und Schotter
zuführen. Der Kirchenkassier Samuel Simonovits spendete zum Fond
2000 Kc. Die Opferfreudigkeit in der Gemeinde wuchs. Am Sonntag Rogate 1924 entschloß
sich der Kirchenkonvent zur Erweiterung der Kirche und zum Turmbau, was zur
Folge hatte, daß die einzelnen Gemeindeglieder zu diesem Zwede aus eigenen
Mitteln 63 000 Kc. zeichneten. Im Durchschnitt entfielen auf die Familie
500 Kc. pro Seele 120 Kc. Diese Zeichnung haben die Kirchenväter binnen
Am
eigentlichen Erinnerungstage der Einweihung des Gotteshauses, am 24. Okt. 1925, abends wurde die Geschichte der Gemeinde
- die Taten und Leiden
der Väter - den Kindern und Kindeskindern vorgetragen. - Nicht leicht waren
die letzten 50 Jahre: Am Anfang die Schuldenlast, dann die Phyloxera-Zeiten, der Erste Weltbrand, der Umsturz und die
Nachkriegszeit, Lebensabschnitte voll Not und Leid! Dennoch durften wir an diesem Abend lobend
und dankend die gnädige Durchhilfe und die Wunder unseres Gottes rühmen und
preisen. Die Herzen schlugen hoch, der Glaube der Väter hatte sie erfaßt!
Laut
Kirchenverfassung wurde am 7. Februar 1926 das Presbyterium zur Hälfte
ausgelost und neugewählt. Dieses Presbyterium hat die schwere und
verantwortungsvolle Aufgabe des Kirchenbaues auf sich genommen, es bildete
zugleich den Schulstuhl und die Finanzkommission der Gemeinde und bestand aus
folgenden Herren: Kirchenväter: Gottfried Ruttmar und
Samuel Simonovits; Schulväter:
Rudolf Osswald und Samuel Wittich, ferner Johann
Fock, Wilhelm Osswald,
Ludwig Follrich, Samuel Fakundiny 65/a, Samuel Drgala, Samuel
Prechtl 122, Andreas Prechtl, Paul Holleitner, Michael Simonovits, Franz
Buncsák, Samuel Osswald 130, Gottfried Reichbauer und
Gottlieb Gruber.
Baumeister Stefan Elefanti aus Preßburg hat am 12. April 1926 mit dem Bau begonnen. Das Ausgraben und Betonieren der Turm- und Gassenmauer-Fundamente erlaubten es, daß wir die Gottesdienste, wenn auch ohne Orgelbegleitung, doch noch über die Pfingstfeiertage im alten Bethaus abhalten konnten. Mit einem Abschiedsgottesdienst, verbunden mit Beichte und Heiligem Abendmahl, trennten wir uns von der alten heiligen Stätte der Andacht. In den nun verflossenen 50 Jahren waren in diesem Raume
doch
955 Kinder getauft, 537 konfirmiert, 202 Paare getraut worden und 13599 Personen
empfingen das Abendmahl des HERRN.
Tags
darauf hat uns der Herr des Lebens und Todes einen zweiten Abschied bereitet:
der Nestor der Kirchengemeinde, der treue und wohlverdiente Lokalinspektor, Samuel
Buncsák, wurde plötzlich und unerwartet heimgerufen. Am 27. Mai haben
wir ihn zur Grabesruhe geleitet.
Die
feierliche Grundsteinlegung vollzog am Trinitatis Sonntag. 30. Mai, Senior Dr. Carl
E. Schmidt. „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt
ist, welcher ist Jesus Christus.‘ / i. Kor. 3,11. / Die Festansprache hielt
Konsenior Johannes Scherer.
Am
16. Juni wurde die Gleiche erreicht; der Turm bis zur Kirchenmauerhöhe
aufgebaut und damit unser Bauprojekt überschritten. Eine zweite Zeichnung bei
den Gemeindegliedern und die damit verbundene Anfrage über den Weiterbau ergab
den Betrag von weiteren 30 000 Kc. und den allgemeinen Wunsch zum Weiterbau des
Turmes, bis zur Fertigstellung der ganzen Kirche samt Turm und Glocken. So
durfte am 19. August in einer Feierstunde das Turmkreuz verankert und am
12.Oktober die drei Glocken von der Bösinger Station im festlichen Zuge
abgeholt werden. Das Probegeläute brachte jung und alt auf die Gasse. Die Leute
konnten sich nicht satt hören an dem schönen Klang der Glocken. Ich denke
dabei an den alten 85-jährigen Bahnwächter Johann
Fakundiny, wie er beim offenen Fenster stand, auf den Turm schaute, während
ihm dabei die Tränen über die Wangen herab rollten.
Nach
einer Bauzeit von sieben Monaten konnte die Kirche, wie vorgesehen, am 22. So.
n. Trinitatis, 7. November, durch Senior Dr. C. E. Schmidt
eingeweiht werden. Text: Hebr. 9, 11-14. „Seht euch die Kirche an! 1/ Was sie
euch bietet, 2/ Was sie euch verheißt.“ Prediger war der slovakische Senior Vladimir
Jurkovic. Ansprachcn hielten Wilhelm Ratz, Otto
Schultze und Konsenior J. Scherer. Es
wurde auch im Pfarrhof gepredigt, weil die Kirche alle, die aus nah und fern zur
Weihe gekommen waren, nicht fassen konnte. Im Rahmen der Kirchweihe wurden zwei
Kinder getauft, und das Presbyterium empfing das Heilige Abendmahl. Die
Kirchenlieder wurden in zwei Sprachen gemeinsam gesungen, deutsch und slowakisch
zugleich.
Der
Herr hat über der ganzen Bauarbeit gewacht: Kein Unfall, kein Unglück hat uns
betroffen. Ungestört konnte der Bau durchgeführt werden. Die Sehnsucht der Väter:
Kirche mit Turm und Glocken, ist wahr geworden! Wofür Opfer und Gaben seit 25
Jahren in Leid und Freud dargebracht wurden, wofür Bekannte und Unbekannte nah
und fern ihren Beitrag zugelegt haben, das ist nun in Erfüllung gegangen. Nach
215 Jahren stiller, demütiger Gedrücktheit rufen Glockentöne über den Dächern,
Fluren und Weingärten Grünaus laut festgelegter Läuteordnung in die Herzen
der Gläubigen: „Gebt unserm Gott die Ehre!“
Die
Baupläne haben die Wiener Architekten Prof. Baurat Siegfried
Theiß und Hans Jaksch entworfen; den Bau
selbst hat der Preßburger Baumeister, Stefan Elefanti,
durchgeführt. Das Frescobild ist ein Werk des Wiener akad. Malers Vinzenz
Gorgon; den Corpus Christi am Altar, hat der Bildhauer Alois
Riegele aus Preßburg geschaffen. Die Malerarbeitcn, besonders an der
Decke, machte Samuel Morawek aus Preßburg. Um die
Entstehung des Baues haben sich ein bleibendes Andenken erworben in erster Reihe
die bereits heimgegangenen Pfarrer Alfred Krahulecz
mit der Gründung des Baufondes im Jahre 1901, der Mesner Stefan
Simonovits, der zu diesem Zwecke der Gemeinde ein ansehnliches Kapital
hinterließ und der Lokalinspektor Samuel Buncsák
mit seinen Leistungen. Ihnen gilt der Dank übers Grab hinaus. Sodann
Senioratsinspektor Wilhelm Grüneberg, dessen
umsichtige Fürsorge und Unterstützung den Bau in Gang setzte. Die beiden Namen
Grüneberg und Grünau sind durch die Baugeschichte
aufs innigste verbunden.
Altar und Frescobild sind eine Spende der Witwe Susanna Buncsák geb. Nagy samt Familie.
Den
großen 24armigen Luster spendete zur Erinnerung an Peter
Jamnicky, gewesenen Inspektor, sein Sohn und Nachfolger Dr. Ottokar
Jamnicky.
Die
Liebe zur alten Heimat der Ehegatten Georg Steberl
und Rosine geb. Osswald, Dayton-Ohio, verkünden
das vergoldete Turmkreuz samt Blitzableiter.
Bei dem Bau selbst haben sich verdient gemacht besonders die beiden Kirchenväter; Gottfried Ruttmar und Samuel Simonovits, so auch die Mitglieder der Baukommission: Rudolf Osswald, Samuel Wittich, Eduard Ruckriegl, Samuel Drgala, Michael Simonovits, Johann Fock, Ludwig Follrich und Samuel Schewela. Ja, die ganze Gemeinde, ohne Unterschied ob reich oder arm, alt oder jung, Mann und Weib, alle haben das rechte Verständnis für die Sache bewiesen und ihre Pflicht an Arbeit, Zeit und Geld getan. Selbst die Grünauer Arbeiter, die beim Bau beschäftigt waren, haben den Zehnten ihres Lohnes gespendet. Die Stimme vom Kreuz: „Das tat ich für dich, was tust du für mich?“ hat Widerhall in den Herzen gefunden, und es war Gnadenzeit, da man etwas tun durfte zu seines Gottes Ehre. „Du brauchst dich nicht zu schämen, deine Gabe wär zu klein, reichts nicht zu einem Turme, reichts doch zu einem Stein!“ Etwas zu tun und wärs auch noch so klein, ist immer mehr, als garnichts zu tun. / Begutachtet wurde der Bau in der deutschen Bauzeitung, Berlin, Nr. 47, vom Jahr 1927. Forum Preßburg, 1931/IV. und Slovenský stavitel, Preßburg, 1936, Nr. 2.
Die Glocken
Den
sog. Große-Glocke-Fond haben am 6. Juni 1916 die Hochzeitsgäste des Michael
Draxler und Irene Fock mit 55.80 K. angelegt. Im Laufe der Jahre wurden einige
Spenden hinzu getan, so daß der Fond bis zum Jahre 1916, das ist bis zum
Kirchbau, mit Zinzeszinsen auf 662.95 Kc wuchs. Da hat der „Jugendbund“ den
Entschluß gefaßt, sich hinter den Fond zu stellen und ihn mit Gaben und
Spenden bei Vorstellungen, Hochzeiten und Begräbnissen soweit zu stärken, daß
es möglich sein würde, das Ziel zu erreichen. In sieben Jahren, zu der 450.
Wiederkehr des Geburtstages Luthers, ist dies geschehen.
Am
5. Okt. 1933 wurde die Glocke im festlichen Zuge von Bösing geholt und am 9.
Okt. in den Turm aufgezogen. Am Kirchweih- und Luther Jubelfeste, 12. Nov.,
wurde sie durch Senior Johannes Scherer als „LuthersJugendglocke“ geweiht.
Auf der einen Seite trägt sie als Inschrift: „Ein feste Burg ist unser
Gott“, darüber das Kreuz und darunter die Jahreszahlen 1483—1933. Auf der
anderen Seite: Die Grünauer evangesche Jugend 1926—1933. Ihr Gewicht
ist netto 1055, armiert 1350 kg. Sie kostete 24242,85 Kc. Sie ist entstanden
— geboren aus Freud und Leid und soll verkündigen in des Lebens Leid und
Freud: Ein feste Burg ist unser Gott!
Die
Inschrift an den drei Glocken, die bereits beim Kirchbau 1926 gespendet wurden,
ist der Lobgesang der Engel von Bethlehem: I. Ehre sei Gott in der Höhe, II.
Friede auf Erden, III. Den Menschen ein Wohlgefallen. Sie tragen auch einzeln
die Namen ihrer Spender: I. Samuel Simonovits, Kirchenkassier s.
Gattin Theresie
geb. Fakundiny, II. Wilhelm Osswald, Presbyter s.
Gattin Anna geb. Fakundiny und
III. Gottfried Ruttmar, Kirchenvater s. Gattin Elisabeth geb.
Wittich. Letzterer
hatte kein Bargeld, sondern verkaufte seine Ochsen und gab den Erlös für die
Glocke. Sie kosteten einzeln I. 16200, II. 10 000 und III. 6ooo Kc. Der erste
Glöckner Gottfried Ruttmar jun. verpflichtete sich ein Jahr lang gratis zu läuten.
Vom Turme der Grünauer Kirche läuten somit vier Bronzeglocken mit dem Choralmotiv „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ oder „Wie schön leuchtet der Morgenstern“:
e‘
mit 1350kg Durchmesser 125 cm
1933
gis‘ca.
630kg
99cm
1926
h‘ca.
320kg
83cm
1926
cis‘ca. 26okg 72cm 1926
Gießer
der vier Glocken war Richard Herold in Komotau.
„Glocken sind das in Erz gegossene Glaubenszeugnis der Väter und sprechen eine deutliche Sprache für den, der sie hören will. Sie rufen nicht nur von oben herab, sondern auch nach oben hinauf. Sie rufen zum Gehorsam gegen Gottes Gebot, ‚daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilig halten, gerne hören und lernen‘. Sie rufen morgens, damit keiner ohne Morgensegen zur Arbeit gehe und abends: ‚Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist. Dein göttlich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht‘. Sie rufen zum Dienst des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, daß wir uns zum Gottesdienst der Gemeinde locken lassen und den Nächsten nicht vergessen sollen in seiner Krankheit, in seiner Not. ‚Denn es zeigt sich, wenn die Glocke schlägt, ob wir noch dienen können oder ob wir bloß verdienen wollen. Sie rufen auch noch aus der Ferne: Glaube der Väter! Heilger Gott, gib auch uns Treue bis zum Tod!“
Finanzierung
des Kirchenbaus
Der
Kirchenbau war trotz der großen Opferwilligkeit der Gemeindeglieder und der so
vielseitigen, reichen Unterstützungen von außen doch nicht
leicht.
Um den Baumeister auszahlen zu können, mußten wir eine Amortisations-Anleihe
von 60000 Kc auf 15 Jahre und eine Privatschuld von 20000 Kc aufnehmen. Wir
durften aber mit Gottes Beistand die ganze Schuldenlast bereits in zehn Jahren
tilgen. Dazu verhalfen uns besonders die vielen in- und ausländischen Unterstützungen. Hier sei die Übersicht der
Hauptrechnung in Einnahme und
Ausgabe, ohne die behobene Schuld von 80000 Kc niedergelegt, denn diese wurde
bis auf einen geringen Rest dem jährlichen Voranschlag gemäß getilgt resp.
abgetragen.
Die Einnahmen waren:
|
Spenden vom Jahre 1901-1936 |
137638,61 Kc |
| Zeichnungen | 79912,50 Kc |
| Haussammlungen in der Gesamtkirche | 37283,35 Kc |
| Vermächtnisse, Wertpapiere | 19537,10 Kc |
| Aus Amerika | 17278,30 Kc |
| Von den Hilfsanstalten | 16762,26 Kc |
| Vom Steuerfonds | 35500,00 Kc |
| Gustav-Adolf-Vereine | 28208,85 Kc |
| Sächs. Gotteskasten | 2411,00 Kc |
| Präsidentskanzlei | 1000,00 Kc |
| Vom Orgelfond behoben | 1200,00 Kc |
| Für 3 Glocken | 32200,00 Kc |
| Für Altar und Frescobild | 12746,00 Kc |
| Für Luster | 7200,00 Kc |
| Für elektr. Licht im Jahre 1930 | 7589,40 Kc |
| Für Altarteppich | 3500,00 Kc |
| Für Luthers Jugendglocke 1933 | 24242,85 Kc |
|
zusammen |
464210,22 Kc |
Die Ausgaben waren:
| Architekten-Honorar | 8320,00 Kc |
| Sammlungsspesen | 361,72 Kc |
| Baumeister Stefan Elefánti | 320820,00 Kc |
| Zufuhr, Sand, Diverse | 6684,60 Kc |
| Glocken und Glockenstuhl 1926 | 40715,95 |
| Turmkreuz und Blitzableiter | 2938,00 Kc |
| Orgel-Reparatur und -Umbau | 1200,00 Kc |
| Amort. Schuldzinsen | 21840,00 Kc |
| Bankabzüge und Zinsen | 4626,00 Kc |
| Altar und Frescobild | 12746,00 Kc |
| Luster | 7200,00 Kc |
| Elektrisches Licht | 7589,40 Kc |
| Altarteppich | 3500,00 Kc |
| Luthers Jugendglocke | 24242,85 Kc |
|
zusammen |
462784,52 Kc |
Bilanz:
Einnahme: 464210,22 Kc
Ausgabe: 462784,52 Kc
Der Rest von: 4125,70 Kc
fiel laut Konventsbeschluß dem Gesangbuch-Fonds zu.
Die
Schule
Wie
das Protokoll der ersten kanonischen Visitation vom Jahre 1613 bezeugt, gab es
in Grünau eine evang. Schule, die in der Gegenreformation, zuletzt 1711,
verloren ging. Erst das Toleranzedikt Josephs II. vom Jahre 1783 gab sie der
Gemeinde wieder. Diese Schule samt Lehrerwohnung war bis 1874 das Eckhaus am östlichen
Ortseingang, rechts. An dieser Schule wirkten die Lehrer: Fábrv, Förster,
Batka, Szabo, Jarosch. Lackner, Florian und Conrad
Jurcsó. Nach dem Kaufe des "Schlössels"
vom Grafen Pálffy, Wurde die Schule in den Pfarrhof verlegt. Pfarrer G. A.
Csernák war zugleich Lehrer an dieser Schule, und Pfarrer A.
Krahulecz
erteilte auch noch ein Jahr lang Unterricht an dieser Schule. Dann wurden selbständige
Lehrer angestellt. Es fehlte an einer Lehrerwohnung, darum wechselten die Lehrer
fast jährlich. Diese wurde 1897 gebaut; der Lehrerwechsel hörte auf. Mit der
Einführung des achten Schuljahres wuchs die Zahl der Schulpflichtigen im Jahre
1929 auf 86. im nächsten Jahr auf 99 Kinder. Nach Zusicherung der Staatsunterstützung
für eine zweite Lehrkraft wurde am 14. September 1930 Frl. Gertrud Frank aus Brünn
zur Lehrerin gewählt. Vier Jahre hindurch fand an der nun zweiklassigen
Volksschule in einem Schulraum nur
halbtägiger Unterricht statt. Die staatliche Behörde drohte mit der Verstaatlichung
der Schule, wenn der zweite Schulraum nicht errichtet würde. ‘Wie sollten wir
das vollführen bei der vorhandenen noch beträchtlichen Kirchenbauschuld von 53519
Kc? Da half Gott, der Herr, wie immer in der Not! Altsenior Dr. Carl E.
Schmidt überreichte uns ein auf unsere Schule lautendes Sparbuch mit einer
Einlage von 20063 Kc als Gabe eines ungenanntsein-wollenden Spenders. Da faßten
wir Mut und griffen zu. „Gott hat Wege allerwegen, an Mitteln fehlt‘s ihm
nicht!“ Den 27. Mai 1934 wurde der Bau nach dem Plane des Baumeisters Samuel
Draxler beschlossen, und er selber wurde mit dem Bau der Schule betraut. Wie
beim Kirchenbau, so haben auch diesmal die Gemeindeglieder treu und fleißig
mitgeholfen; die Schulväter Ludwig Fakundiny 146 und
Gottfried Wittich mit
gutem Beispiel voran. Müllermeister Samuel Buncsák spendete den Sand zum Bau.
Die Haussammlung ergab 2085 Kc.
Am
1. September 1935 durften wir das Schulgebäude weihen und der Bestimmung übergeben
mit der Bitte: „Ach, zeuch mit ein, Herr Jesu Christ, du holder Freund der
Kleinen und laß, weil du ein Helfer bist, die Gnadensonne scheinen auf das
dir werte Arbeitsfeld und segne die du hast bestellt zu Hirten deiner Herde.“
Die “Weihe vollzog Konsenior Richard HollerungModern, die
Festpredigt hielt
Pfarrer Dr. Stöckl, Wien.
Diese
Schule war nach den letzten Erkenntnissen des Schulbaues erbaut und mustergültig
eingerichtet worden. Sein Gepräge erhielt der Unterrichtsraum durch das große
Wandbild „Jesus segnet die Kinder“. Es war eine Spende der Eltern der
Lehrerin Gertrud Frank.
Eine
Schuldenlast blieb zurück, aber wir erhielten laufend Unterstützung, so daß
der ganze Schulbau im Gesamtbetrag von 106493,70 Kc bis 1943 restlos getilgt
werden konnte. Wir durften uns aber nicht lange unserer evangelischen Schule
erfreuen, denn im Sinne der Durchführungsverordnung Zl. 4276/41 D. A. des
Gesetzes 308/40 wurde unser Schuleigentum am 10. April 1942 in die Verwaltung
der bürgerlichen Gemeinde übernommen. Danach übernahm der Staat die ganze
Besoldung der Lehrer, den Sachaufwand trug die bürgerliche Gemeinde. Aber nur
den Deutschen wurde die konfessionelle Schule genommen, während die Slowaken
unter denselben Bedingungen ihre kirchlichen Schulen behalten durften. Nur der
konnte unseren Schmerz nachfühlen, der seine Schule als ein treues Erbe der Väter
geachtet, mit so viel Liebe und Opfer gebaut und erhalten hat wie wir. Das
Luthertum und das Deutschtum in Grünau sind auch durch die stille und
segensreiche Arbeit der Schule erhalten geblieben und gefördert worden. Trost
fanden wir allein in der damaligen Jahreslosung aus Jesaja 33. 22:
„Der
HERR ist unser Richter, der HERR ist unser Meister, der HERR ist unser König:
der hilft uns!“
Lehrer
waren in Grünau seit 1892: Michael Kellenberger (1892-93),
Ludwig Ravasz
(1893-94), Michael Kellenberger zum zweitenmale (1894-96),
Samuel Rigan
(1896-97), Karl Posch (1897-1909), Karl Halwax (1909-11),
Karl Lackner
(1911-45). Als zweite Lehrkraft: Gertrud Frank
(1930-42),
Helene
Antos (1942—45). „Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmels Glanz
und die, so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und
ewiglich.“ (Daniel 12, 3)
Der Kirchenkonvent
Die
Grundlage, auf welcher die Autonomie d. h. die Selbstverwaltung der
Kirche aufgebaut war, ruhte auf dem Kirchenkonvent. Mitglied des
Kirchenkonventes
war jedes kirchensteuerzahlende Glied der Gemeinde. Der Konvent wählte den
Pfarrer, den Kircheninspektor, den Lehrer, ferner aus seiner Mitte das
Presbyterium und die übrigen Angestellten der Kirchengemeinde. Der ehrenamtliche Kircheninspektor stand dem Pfarrer mit
gleicher Gewalt zur Seite
und vertrat die Kirchengemeinde in weltlichen und wirtschaftlichen Belangen nach
innen und nach außen. Das Presbyterium, zugleich Schulstuhl und Finanzkommission, war der Kirchengemeinderat, der
die Angelegenheiten der Gemeinde im Sinne der Konventbeschlüsse durchführte.
Eine besondere Stellung und Aufgabe hatten die Kirchenväter; besonders in den
Verfolgungszeiten waren sie es, die die verwaiste Herde zusammenhielten. Sonst
verwalteten die beiden Kirchenväter — Kurator und Kassier — ehrenamtlich
das Vermögen der Gemeinde und die Kasse und waren besorgt um die Instandhaltung
der Kirche und des Pfarrhauses. Für die Bedürfnisse der Schule und der
Lehrerwohnung sorgten die beiden Schulväter. Mehrere Kirchengemeinden bildeten
ein Seniorat, mehrere Seniorate den Kirchendistrikt und die Distrikte die
Landeskirche. Auf jeder Stufe bestand die Parität, das Gleichgewicht der
geistlichen und weltlichen Elemente: somit der Senior und der
Senioratsinspektor, der Bischof und der Distriktual-Inspektor und der
Landesbischof mit dem Landesinspektor. Sie alle wurden durch den Konvent der
einzelnen Gemeinden gewählt.
Kircheninspektoren
waren in Grünau: Peter Jamnický (1880—95), Dr.
Jaroslav Minnich (1896—97), Oskar Ulreich (1897—1911), Dr.
Ottokar Jamnický
(1911—1939), von da ab als Ehreninspektor, Johann Buncsák
(1942 bis 45).
Inspektor-Stellvertreter war in den Jahren 1914 bis 1926 Samuel Buncsák.
Streiflichter aus dem Gemeindeleben und Zeitgeschehen
| 1922 |
Der unter der Leitung des H. Lehrers
K. Lackner stehende Männerchor
hat mit 300 Kc den Orgelfonds gegründet. Die
Eheleute Michael Drgala und Marie geb. Reichbauer stifteten das Begräbniskreuz. |
| 1924 | Am 15.
Novernber besuchte die Gemeinde Missionsinspektor Dr. Ihmels aus
Leipzig. Zwölf Frauen der Gemeinde spendeten die grüne Plüsch-Kirchenbekleidung im Werte von 2500 Kc |
| 1927 |
Zwei Opferkästchen aus Zinkblech vom Spengler Rudolf Steinhauser aus Bösing und zwei kunstvolle hölzerne Opferstöcke vom Gottfried Gschweng erhielt die Gemeinde. Die Frauen Elisabeth Prechtl geb. Ruttmar und Anna Fakundiny geb. Hedecker sammelten zur Ausstattung der Kirche 1040 Kc. |
| 1928 | Am 4. Januar verstarb Bischof Dr.
Samuel Zoch. Sein Nachfolger Dusan
Fajnor wurde durch den Erzbischof von Upsala Dr. Nathan
Söderblom in Modern ordiniert. |
| 1930 | Besucht hat die Gemeinde der Generalsekretär des Gustav-AdolfVereins Dr. Bruno Geissler aus Deutschland. Das elektrische Licht wurde in der Kirche eingeführt. Ermöglicht haben es die Kinder: Rosine Rudolf, Christine und Paul als Erben des verstorbenen Ehepaares Paul Osswald und Susanne geb. Ruckriegl. Kinder spielten auf der Wiese, dabei fiel der sechsjährige Ludwig Ruttmar vom Steg in den angeschwollenen, reißenden Bach und ertrank. Die Leiche wurde nicht gefunden. |
| 1931 | Zur Konfirmation am Palmsonntag schenkten die Konfirmandinnen Irene Draxler, Rosine Osswald, Wilma Osswald, Anna Schober und Wilma Hrcsko der Kirche eine kostbare Hardanger Kirchenbekleidung, die sie in monatelanger Arbeit unter der Leitung der Frau Lehrer Lackner angefertigt haben. Am 20. Mai, an einem Mittwoch nachmittags, hat ein furchtbarer Hagelschlag, wie seinesgleichen die Ältesten der Gemeinde nicht erlebt haben, die Ernte in Feld und Weingarten vernichtet. Nach 33 Jahren tagte der Sen.-Konvent in Grünau; dabei hat der Seniorats-Inspektor Wilhelm Grüneberg
der hartgeprüften Gemeinde 2000 Kc gespendet. |
| 1932 | Einen Perserteppich für den Altar nach Maß ließ Frau Pfarrer
Fröhlich
anfertigen. |
| 1934 |
Beim Senioratsmissionsfest in Grünau sprach Probst Th. Meyner von der Leipziger Mission über Christus auf der indischen Landstraße. |
| 1935 | Am 27. Februar feierte der Kirchenkassier Samuel Simonovits mit seiner Gattin Theresie geb. Fakundiny die goldene Hochzeit. Am 2. März ist sein Bruder Michael, spurlos verrschwunden; seine Leiche konnte erst nach zwei Wochen aus dem durch Tauwetter angeschwollenen Bache geborgen werden. Am 19. Mai legte der Kirchenkassier S. Simonovits mit Rücksicht auf sein Alter sein Amt nieder - nach 14 Tagen ist er heimgegangen. Der erste Präsident der Tschechoslowakei Dr. Th. G. Masaryk hat nach 17jähriger Regierung im Alter von 86 Jahren abgedankt. Sein Nachfolger wurde Dr.
Eduard Benes. |
| 1936 |
Unsere Asphaltarbeiter haben den Zugang zur alten Schule und Pfarrhaus gratis asphaltiert, dabei
auch das hierzu nötige Material geschenkt. |
| 1937 | Aus Anlaß der Promotion des Pfarrers zum Dr. med. hat dessen Schwiegermutter Frau Irma Thern aus Zips-Neudorf eine mit Gold gestickte Kirchenhekleidung aus rotem Plüsch mit einer selbst genetzten und ausgenähten Altardecke gespendet. Den hierzu passenden Altarschemel hat Johann Weiszmann und den Trauschemel Frau
Irene Lackner gestiftet. |
| 1939 |
Die Eheleute Rudolf Osswald s. Gattin Marie geb. Gruber-Follrich und Die erste Synode der Deutschen Evangelischen Landeskirche in der Slowakei tagte am 26. und 27. Juni in Käsmark. Am 14. März entstand die Slowakische Republik. Zu ihrem Präsidenten wurde am 26. Oktober der katholische Pfarrer Dr. Josef Tiso. Am Ersten Advent wurde das neue Gesangbuch eingeführt. Mit dem Gesangbuchfonds konnten den Schulkindern Gesangbücher geschenkt werden.
Die Schüler erlernten
unter der Woche neue Choräle, die am Sonntag im Gottesdienst gesungen
wurden. Durch den Gesang der Kinder gewann die Gemeinde schnell den neuen
Liederschatz. |
| 1940 | Witwe Katharine Fakundiny geb. Prechtl hat am Sterbebett mit 500 Kc den Friedhofsfonds angelegt. |
| 1942 |
Nachdem die Regierung die Verfassung der Deutschen Evangelischen
Landeskirche in der Slowakei genehmigt hat, konnte die am 28. und 29. Juni in
Preßburg abgehaltene
Kirchenversammlung Johannes Scherer zum Bischof und
Wilhelm
Grüneberg zum Inspektor wählen und ins Amt einführen. Die
Lehrerin Gertrud Frank verehelichte Ertl hat nach
12-jähriger treuer
Pflichterfüllung von ihrer Stelle abgedankt. Die jüngere Generation, die zu
ihr in die Schule ging, denkt an sie und dankt ihr für die Unterweisung.
(Daniel 12, 3) |
Das Gemeindeleben
Die
Kirche war das Herz der Gemeinde, die Liebe zu ihr der Pulsschlag, der
Gottesdienst das Band der Gemeinschaft. Sonntäglich versammelten sich die Gemeindeglieder
zweimal um das Wort Gottes. Vom Ersten Advent bis Palmsonntag fanden Dienstag
und Freitag liturgische Abendandachten statt. In den Sommermonaten war der
Nachmittagsgottesdienst mit der Christenlehre verbunden, bei welcher die
Schulkinder Kirchenlieder und Abschnitte aus dem Neuen Testament lernten. Der
Konfirmandenunterricht dauerte zwei Jahre. Bibel und Gesangbuch, Wort und
Sakrament waren die Quellen, aus denen man Kraft und Trost schöpfte. Der
Jahresbericht hat die Glieder nah und fern über die Belange der Gemeinde auf
dem laufenden gehalten. Die Glieder, die so mit der Kirche verbunden waren,
haben neben der Abgabe der Kirchensteuer bei Trauungen, Beerdigungen und an
Gedenktagen stets an die kirchlichen Bedürfnisse gedacht. Der Sarg ihrer
Verstorbenen war mit einem Bahrtuch bedeckt, und die Familienangehörigen haben
statt der verwelkenden Blumen und Kränze für die Kirche gespendet. An
Altarkerzen und Altarblumen mangelte es nie.
Wir
gedachten noch, die alten Kirchenbänke durch neue zu ersetzen, eine neue Orgel
zu bestellen und den Gottesacker mit einer Mauer zu umfrieden. Ende 1944 stand
uns hiezu ein Barvermögen von 144454,25 Ks. zur Verfügung. Allein der
Krieg und seine Folgen hat unser Vorhaben durch die Aussiedlung zunichte
gemacht.
Die
Nähe Preßburgs ermöglichte den Besuch an höheren Schulen und Lehrstätten.
Fünf Theologen, ein Lehrer, ein Arzt und Jurist, einige Absolventen der
Handelsschule und tüchtige Handwerker kamen in den letzten 25 Jahren aus der
kleinen, kaum 6oo Seelen zählenden Weingärtnergemeinde.
Der Zweite Weltkrieg
Unsere
Söhne, die bei der slowakischen Wehrmacht dienten, kamen mit der „Schnellen
Division“ an die Ostfront; die Reservisten wurden in der Slowakei
eingesetzt. Bald wurden die Volksdeutschen aus der Division herausgenommen und
mit ihnen viele Jugendliche und Männer zur Wehrmacht und zur Waffen-SS genötigt
und gezwungen. Beim Luftangriff auf Preßburg am 16. 6. 1944 wurden als Arbeiter
Ludwig Wenzl (1909) und Johann Fakundiny (1917) getötet.
Mit
dem Zusammenbruch der Ostfront näherte sich die Kampflinie den Karpaten und
somit Grünau. Viele Gemeindeglieder evakuierten mit ihren Kindern nach Böhmen
und nach Österreich. Zu Ostern, am 1. und 2. April 1945, wurde Grünau
beschossen und eingenommen. Durch Beschuß wurden der Turm, das Pfarrhaus, die
Schule und einige Häuser in der Gemeinde mehr oder weniger beschädigt. Andreas
Strohkörndl (1899), Samuel Böhm (1891) und
Gustav Schmidt (1892) sind ums Leben gekommen.
Die Gottesdienste und die anfallenden Amtshandlungen durften nur slowakisch gehalten werden. Nach fast 34jähriger Tätigkeit als Lehrer und Organist verstarb Karl Lackner am 25. 5. 1945 und wenige Wochen darauf unser Kircheninspektor Johann Buncsák. Als die Front wich, wurde auch er zu den deutschen Männern in das Bösinger Gerichtsgefängnis abgeführt, die tagsüber Aufräumungsarbeiten verrichten mußten. Er erlag den erduldeten Strapazen und Entbehrungen. Der Abschied von den beiden Kirchenmännern war in dieser leidgefüllten Zeit schwer: Wir beklagten und beneideten sie zugleich!
Die
Evakuierten kehrten fast alle heim, doch viele von ihnen fanden ihre Häuser
bereits von Fremden besetzt. Zwar wurden manche zu Zwangsarbeiten
verpflichtet, aber im großen ganzen ließ man die Deutschen ihre Äcker und
Weingärten bis zur Ernte bearbeiten, dann wurden die Felder samt der Ernte den
Slowaken zugeteilt. Auf Grund der Potsdamer Beschlüsse hat man die Deutschen
aus Bösing, Modern, Limbach und Grünau in dem sogenannten Grünauer Lager
interniert und von dort aus schubweise in das Sammellager nach Preßburg
abgeliefert. Nur 15 gemischte Ehen durften daheim bleiben. Das Grünauer
Barackenlager wurde seinerzeit als Gefangenenlager für englische Flieger
errichtet, und nachdem es einigemale die Bewohner gewechselt hatte, kamen die
Deutschen dahin. Es lag in der Nähe der Strapakschen Mühle und erinnerte an
den 137. Psalm: „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an
Zion gedachten.“ Von dort aus konnte man das Dorf, die Kirche und die
Weingärten
noch sehen. Als die ersten Grünauer Familien interniert wurden, erbat ich mir,
sie im Lager seelsorgerlich betreuen zu dürfen und konnte an den
Sonntagnachmittagen dort deutsch predigen. Wie begierig und hungrig sind sie
gekommen, auch noch „die Freien“ aus der Umgebung unter das Wort! Nachdem
der internierte deutsche Arzt das Lager bald verlassen hatte, übernahm ich
auch den ärztlichen Dienst an den Internierten. Zu Ostern 1946 wurde mir als
Arzt auch noch das Arbeitslager von St. Georgen übertragen.
Während
der Internierung kamen drei Jugendliche auf tragische Weise ums Leben: Gottfried
Schober (1928) durch elektrischen Strom im Maierhof bei Senec-Wartberg,
Franz
Fakundiny (1935) und Otto Ruttmar (1936) im Preßburger Lager durch eine
Handgranate.
Im
Sommer 1946 fuhren die Transporte von Preßburg aus abwechselnd in die Ost- und
Westzonen Deutschlands. Die schon durch die Transporte von einander getrennten Gemeindeglieder wurden bei der
Auswaggonierung in Deutschland noch mehr
auseinandergerissen, so daß kaum zwei oder drei Familien in einem
Dorf beieinander blieben. Nachdem das Sammellager in Preßburg aufgelöst wurde,
kam ich Ende Oktober 1946 aus Nowáky mit den zwei letzten Grünauer Familien
mit dem letzten Transport in die Westzonen Deutschlands.
Was
das aber bedeutet, Haus und Hof - die Heimat - verlassen zu müssen, kann
nur der ermessen, den ähnliches betroffen hat. Hab und Gut zu lassen und
mittellos mit einem Bündel armer Habseligkeit in die Fremde, in ein verwüstetes
Land zu ziehen! Es kostete viel, viel Tränen und Herzeleid! Besonders die
lieben Alten trugen schwer und viele starben vor der Zeit am Heimweh. Das
niederzuschreiben, was in diesen schweren Zeiten einzelne Glieder und Familien
erlebt haben, würde den Rahmen dieses Büchleins sprengen. Es haben alle so viel
Schweres mitgemacht, daß ein jeder ein Buch darüber schreiben könnte. Ein
alter Flüchtling klagt: „Aus der Heimat in die Heimat, in der Heimat keine Heimat!“ Als
Heimatlose sind wir auf die Barmherzigkeit Gottes geworfen und
auf die Liebe der Nächsten angewiesen. Aber nur der Herr hat die Fremdlinge
lieb; er gibt ihnen Speise und Kleider (5. Mose 10, 18). Er spricht: „Suchet
der Stadt Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen, und betet für sie zum
Herrn; denn wenns ihr wohl geht, so geht‘s euch auch wohl“ (Jeremia 29, 7).
Das war der Weg und das Ende einer 338jährigen Geschichte. In den letzten 71 Jahren, das heißt seit 1875, der letzten Zeit als Muttergemeinde, sind in Grünau geboren und getauft 1275 Kinder, konfirmiert 766 Jugendliche, 292 Paare wurden getraut, bei dem heiligen Abendmahle waren an die 18205 Personen und zur Grabesruhe wurden 832 Seelen beigesetzt.
Kirchensteuer zahlende Mitglieder 1944
| Haus-Nr. |
Name |
Haus-Nr. |
Name |
| 104 | Böhm, Samuel | 92 | Buncsák, Oskar |
| 104 | Böhm, Stefan | 92 | Buncsák, Franz sen. |
| 258 | Böhm, Gustav | 263 | Buncsák, Franz jun. |
| 185 | Buncsáik, Geschwister | 173 | Holleitner, Paul |
| 120 | Cechovits, Hermine | 114 | Holleitner, Gottfried |
| 51 | Draxler, Johann | 241 |
Holleitner,
Friedrich |
| 43 | Draxler, Johanns Witwe | 70 | Holleitner, Wilhelm |
| 133 | Draxler, Michael | 118 |
Holleitner, Kath. Witwe |
| 228 | Draxler, Samucl | 210 | Holleitner, Michael |
| 103 | Draxler, Geschwister | 211 | Holleitner, Johann |
| 181 | Drgala, Michaels Witwe | 110 | Hrcsko, Andreas Erben |
| 79 | Drgala, Samuels Witwe | 132 | Hrcsko, Gustav |
| 79 | Drgala, Wilhelm | 111 | Hoffmann, Marie |
| 55 | Drgala, Samuel jun. | 81 | Juran, Samuels Witwe |
| 44 | Fakundiny, Julie | 136 | Kadlecsik, Daniel |
| 44 | Fakundiny, Ernst | 200 | Köplinger, Johann |
| 14 | Fakundiny, Stefan | 229 | Köplinger, Gustav |
| 94 | Fakundiny, Samuel | 190 | Köplinger, Stefan |
| 65 | Fakundiny, Samuels Witwe | 235 |
Karlo, Viktor sen. |
| 95 | Fakundiny, Samuels Witwe | 162 | Karlo, Viktor jun. |
| 95 | Fakundiny, Samuel | 212 | Kovacs, Andreas |
| 93 | Fakundiny, Matthias Witwe | 257 | Michalicsek, Franz |
| 107 | Fakundiny, Ludwig | 49 | Mokry, Paul |
| 146 | Fakundiny, Ludwig | 135 | Neradt, Andreas |
| 110 | Fakundiny, Rudolf | 176 | Osswald, Paul |
| 235 | Fakundiny, Franz | 130 | Osswald, Samuels Witwe |
| 235 | Fock, Gustav | 55 | Osswald, Otto |
| 188 | Follrich, Ludwigs Witwe | 130 | Osswald, Andreas |
| 188 | Follrich, Johann | 140 | Osswald, Samuel |
| 119 | Follrich, Samucl | 148 | Osswald, Johann |
| 123 | Follrich, Oskar | 45 | Osswald, Rudolf |
| 231 | Fleischhacker, Koloman | 47 | Osswald, Wilhelm |
| 63 | Dr. Fröhlich | 54 | Osswald, Susanna |
| 84 | Greger, Lorenz | 210 | Okaty, Johann |
| 210 | Greiner, Johanns Witwe | 89 |
Pollak, Karl |
| 87 | Gruber, Andreas Witwe | 31 | Prechtl, Andreas |
| 111 | Gruber, Gottlieb | 14 | Prechtl, Stefans Witwe |
| 116 | Gruber, Ludwig | 182 | Prechtl, Samuels Witwe |
| 116 | Gruber, Andreas | 182 | Prechtl, Gustav |
| 87 | Gruber, Michael | 154 | Prechtl, Theresie |
| 170 | Gruber, Stefan | 171 | Prechtl, Alfred |
| 132 | Gschweng, Hedwig | 49 | Prechtl, Oskars Witwe |
| 153 | Gschweng, Paul Witwer | 115 | Prchtl, Johann |
| 123 | Gschweng, Ludwig sen. | 153 | Prechtl, Ludwig |
| 198 | Gschweng, Ludwig jun. | 95 | Prechtl, Henriette |
| 121 | Prechtl, Gottfried | 122 |
Schmidt, Iohann |
| 264 | Prechtl, Wilhelm | 99 | Schober, Johann Witwer |
| 25 | Prechtl, Wilhelm | 104 | Schober, Johann jun. |
| 208 | Prechtl, Samuel | 99 | Schober, Gottfried |
| 31 | Prechtl, Gustav, Tischler | 99 | Schober, Samuel |
| 146 | Reichbauer, Andreas | 127 | Schober, Ludwigs Witwe |
| 90 | Reichbauer, Ludwig | 123 | Schober, Ludwig jun. |
| 252 | Reichbauer, Gustav | 232 | Schober, Wilhelm |
| 129 | Ruttmar, Friedrich Witwer | 77 | Steberl Andreas |
| 129 | Ruttmar, Gottlieb | 193 | Steberl, Friedrich |
| 114 | Ruttmar, Gottliebs Witwe | 24 | Steberl, Johanns Witwe |
| 117 | Ruttmar, Samuels Witwe | 24 | Steberl, Alfred |
| 56 | Ruttmar, Gottfried sen. | 98 |
Simonovits,
Johann sen. |
| 56 | Ruttmar, Johann | 107 | Simonovits, Johann jun. |
| 154 | Ruttmar, Gottfried jun. | 48 | Simonovits, Samuels Witwe |
| 65 | Ruttmar, Stefan | 74 | Simovetz, Stefans Erben |
| 93 | Ruttmar, Andreas | 74 | Simovetz, Karl |
| 113 | Ruttmar, Samuel | 224 | Simovetz, Stefan |
| 49 | Ruzsicska, Karl | 114 | Strohkörndl, Ludwigs Witwe |
| 67 | Schaubmar, Karl | 118 | Strohkörndl, Andreas |
| 109 | Schewela, Samuel sen. | 227 | Strohkörndl, Gustav |
| 256 | Schewela, Albin | 219 | Wadinger, Stefan |
| 46 | Schewela, Samuel jun. | 209 | Weiszmann, Johann |
| 18 | Schewela, Wilhelm | 198 | Wenzl, Erhard |
| 73 | Schewela, Gustav | 88 | Wenzl, Andreas |
| 260 | Schewela, Eduard | 40 | Wittich, Michaels Witwe |
| 105 | Schay, Gustav | 67 | Wittich, Samuels Witwe |
| 39 | Schmidt, Andreas sen. | 246 | Wittich, Gottfried |
| 39 | Schmidt, Andreas jun. | 145 | Wittich, Wilhelm |
| 39 | Schmidt, Gottlieb | 40 | Wittich, Karl |
| 124 | Schmidt, Gustav | 67 | Wittich, Samuel |
Nun
sind die Glieder dieser einstigen geschlossenen Kirchengemeinde Grünaus
zerstreut in Ost- und Westdeutschland, in Österreich, in Amerika und in
Australien. Diese Geschichte möge sie erinnern an die gemeinsame Heimat der Väter
und zur Treue im Glauben ermahnen: Glaube der Väter! Leucht uns klar und hell
ins tiefste Herz hinein, daß wir, wie sie, unwandelbar uns Gott in Liebestreue
weihn! Glaube der Väter! Heiliger Gott, gib auch uns Treue bis zum Tod! (J. B.
E.-C.-Bewegung). Denn unser Weg geht weiter an der Hand dessen, der gesagt hat:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Zu ihm weisen uns
auch diejenigen, die als Soldaten gefallen, gestorben oder vermißt sind:
| Draxler, Johann | (1924) | Reichbauer, Johann | (1924) |
| Gschweng, Gottlieb | (1917) | Ruttmar, Gottfried | (1921) |
| Holleitner, Gottfried | (1908) | Ruttmar, Andreas | (1923) |
| Köplinger, Gottlieb | (1920) | Schay, Johann | (1922) |
| Markl, Franz | (1915) | Schewela, Eduard | (1913) |
| Osswald, Eduard | (1927) | Schmidt, Gustav | (1925) |
| Osswald, Gottfried | (1925) | Schmidt, Johann | (1922) |
| Osswald, Johann | (1922) | Schober, Gottfried | (1902) |
| Osswald, Rudolf | (1914) | Schober, Johann | (1926) |
| Prechtl, Eduard | (1924) | Steberl, Andreas | (1921) |
| Prechtl, Gottfried | (1925) | Strohkörndl, Andreas | (1925) |
| Reichbauer, Eduard | (1925) | Wittich, Gottfried | (1922) |
Den Leidtragenden diene zum Trost, was auf einer Gedenktafel geschrieben steht: Alle die gefallen im weiten Land, sind gefallen in Gottes Hand. — ‘Wir aber wollen bitten: Gib uns das Leben durch deinen Sohn, uns und den Toten vor deinem Thron (S. Goes).
Bemerkung zur Austreibung
In
Grünau gab es keinen völkischen Haß. Die Übergriffe, die dennoch, zumeist
von seiten der Auswärtigen, vorkamen, waren Erscheinungen der aufgewühlten
Zeit. Sie wurden vielfach genährt durch die Gier nach fremdem Hab und Gut.
Brutale, unmenschliche Mißhandlungen, wie sie anderorts den Deutschen angetan
wurden, sind in Grünau nicht geschehen. Im Gegenteil! Die einheimische,
slowakische Bevölkerung hatte Mitleid mit den Deutschen, mit denen sie durch
Jahrzehnte in Freud und Leid lebte und im guten Einvernehmen und edlem
Wetteifer verbunden war. So mancher von ihnen sah mit wehmütigem Herzen und tränenden
Augen dem Geschehen zu. Viele von ihnen besuchten die Deutschen in den Lagern
und brachten ihnen Lebensmittel und sonstige brauchbare Sachen zum Abschied.
Auch noch heute sind viele von ihnen im brieflichen Verkehr mit uns, den Grünauern,
und geben immer wieder dem Wunsche Ausdruck: Do videnia! das heißt, Auf Wiedersehn! Und wer die Möglichkeit hatte, die alte Heimat zu
besuchen, der
kann von viel Freundlichkeit erzählen, mit welcher er dort aufgenommen wurde.
Quellen:
Abschriften
vom Theologen Gustav Csernák.
A. Krahulecz: Vergangenheit Grünaus.
Dr.
C. E. Schmidt: Lebensläufe der Pfarrer in Preßburg.
Dr.
A. Hudak: Die Kirche unserer Väter.
Jahresberichte
der Gemeinde Grünau von 1897—1944.
Nachwort
„Gedenke der vorigen Zeit bis daher und betrachte, was Er getan hat den alten Vätern. Frage deinen Vater, der wird dir´s verkündigen, deine Ältesten, die werden dir´s sagen.“ (5. Mose 32, 7.) Dies sei die Antwort auf die Frage, warum diese Geschichte Grünaus geschrieben wurde, die uns vom Leben und Kämpfen, Siegen und Erliegen unserer Väter berichtet. Nicht aus Neugier um zu zeigen, wie in früheren Zeiten die Väter gelebt und gestrebt haben. Was uns über die Väter berichtet wird, sind nicht nur ihre Taten und ihr Glaube, sondern das alles redet auch von Gottes Tun von einer Generation zur anderen. Das macht die Beschäftigung mit der Vergangenheit lohnend! Wir entdecken in den alten Berichten, wie Gott sein Volk geführt hat, oft auf Umwegen, aber doch zielbewußt. Dabei merken wir, daß wir angesprochen sind, denn es sind ja unsere Väter und Ältesten von denen geredet wird, und erkennen uns selbst darin wieder, wenn wir von Streit und Unzufriedenheit in der Welt lesen. Wir erfahren, wie Gott Versöhnung und Frieden gewirkt hat. Wir hören von Gefahren und Glaubensproben und wir dürfen zuversichtlich wissen: Der Herr, der damals durchgeholfen hat, will auch uns in der Stunde der Erprobung seine Kraft schenken. Frage deinen Vater, der wird dir´s sagen: "In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet." Deine Ältesten, die werden dir‘s verkündigen: „Alles vergehet. Gott aber stehet ohn alles Wanken, seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund.“ — und bekennen: „Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut, das machet, daß ich finde das ewge, wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.“
Den Zweck, wozu diese Geschichte geschrieben wurde, beschreibt schon der
Apostel
Johannes, der sich selbst den Altesten und die zerstreuten Glieder
der Gemeinde seine
Kinder nennt: „Ich habe keine größere Freude als die,
daß ich höre, wie meine Kinder in der Wahrheit wandeln“ (3. Joh. 4.). So
verfolge
ich auch Euren weiteren Weg in der Zerstreuung und freue mich über jede
gute Nachricht von Eurem Wandeln in der ‘Wahrheit. In der
Wahrheit
wandeln heißt nicht soviel, wie man sich als einzelner in der
Fremde
recht und schlecht durchschlägt, bedeutet auch nicht, daß man in der
Welt Karriere macht, sondern daß man den Weg an der Hand dessen weiter
geht, der gesagt hat: „Solches habe ich mit euch geredet, daß ihr in mir
Frieden
habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die
Welt überwunden.“
Glaube der Väter! Ein leuchtendes Vorbild. „In der Welt ist dunkel,
leuchten
müssen wir, - du in deiner Ecke, ich in meiner hier“ - wohin uns
auch Gott, der Herr, gestellt haben mag. Wandeln, nicht stehen bleiben;
der Weg führt weiter - bis ans Ziel! Wandeln, aber in
der Wahrheit!
„Ich bin der Weg, die
Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch
mich.“ Über solchen Wandel freuten sich die Väter schon von altersher, darüber wird Freude selbst im Himmel sein
Darum
ihr, in der Welt zerstreuten Söhne und Töchter der einstigen Kirchengemeinde
Grünaus, wandelt in der Wahrheit und lehrt auch eure Nachkommen beten:
Erhalt uns in der Wahrheit, gib ewigliche Freiheit zu preisen deinen Namen
durch Jesum Christum. Amen.
Verfaßt von Pfarrer Dr. Fröhlich im Advent 1965
Ich danke Herrn Otto Ruckriegl, der mir freundlicher Weise sein Exemplar zur Abschrift zur Verfügung stellte.
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