Nachfolgend ein Auszug aus der gedruckten Veröffentlichung von Herta Brydon:

 

Limbach

Geschichte und Brauchtum 

eines deutschsprachigen Dorfes 

in der Slowakei bis 1945

 

 

Ich beschränke mich auf die Abschrift des Abschnittes über die Ortsgeschichte.

Die im Text vorkommenden Namen habe ich farblich hervorgehoben.

!Neu!

eine zweite Auflage des Buches ist erhältlich:

Preis für 1 Buch Limbach: € 35,- 

zzgl. Porto und Verpackung je nach Versandart (auf Anfrage)

Bestellung an:

Herta Brydon

Thomas-Wimmer-Str. 40

D-85435 Erding

Tel. 08122-54871

Fax: 08122-54904

 

 

 

 

        Geschichte des Dorfes

  

1.    1. Vorgeschichte

 

Die heutige Slowakei, zu deren Gebiet das Dorf Limbach gehört, war seit der jüngeren Altsteinzeit besiedelt. Die Wälder und Flüsse der Karpatenhänge zogen immer wieder Siedler an, Fundorte an verschiedenen Stellen der nahen Umgebung bezeugen dies. Die ältesten Zeugen stammen aus dem Zeitraum ungefähr vor 60.000 Jahren; sie wurden in der Grotte “Djerava Skala“ (Lochfelsen) auf der anderen Seite der Karpaten, in einer nicht großen Grotte auf dem linken Abhang Zarorinka gefunden. Sogar unweit von Limbach fand Franz Slavik, Oberförster, eine kleine Steinhacke aus grünlichem Jaspis. Bei Ausgrabungen in der Grotte entdeckten Forscher vier kulturelle Schichten, Andenken aus Keramik, Ahle aus Bein, Schüsseln, Bütten, Messer aus Wildschweinzähnen und Obsidian, auch ein Kindergrab. Das Skelett war mit einem Stück Kupferblech zugedeckt. Die reichen Erzvorkommen des Landes ermöglichten einen raschen Wechsel zur Bronzezeit (ca. 2000 - 1000 v. Chr.).

 

Um 500 v. Chr. wurde dieses Gebiet ebenfalls von Kelten besiedelt. Mit dem 2. Jahrhundert v. Chr. setzte die germanische Völkerwanderung ein und um Christi Geburt wurde auch das Gebiet der heutigen Slowakei von ihnen eingenommen. In Westeuropa wurde das fränkisch-merovingische Reich im 6. Jahrhundert n. Chr. errichtet, während die Slawen von Osten weiter nach Westen vordrangen. Die Tschechen und Slowaken, die sich auf ihren Zügen mit älteren Völkerschaften vermischten, ließen sich in der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts im Herzen Böhmens nieder. (Higournet 5. 30) Sie waren damals noch den Angriffen der plündernden Awaren ausgesetzt. Diese kamen aus der Steppe Zentralasiens; den Chinesen waren sie in der Mitte des 4. Jahrhunderts unter dem Namen Yuan-Yuan bekannt. Unter dem Druck der Awaren geschah es, daß die tschechischen Stämme sich unter Samo verbündeten und die Slawen bis an die Donau und in die Alpen vordrangen. Der südliche Zweig dieser Slawen reichte sogar bis nach Westkärnten und in die Steiermark. In relativ kurzer Zeit hatten die Slawen einen Raum besetzt, der wesentlich größer war als ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet. Trotz alledem muß man sich im klaren sein, daß auch danach die mitteleuropäischen Länder östlich der Elbe, Saale und Donau nur spärlich besiedelt waren, jedoch nicht ‘leer‘, wie der Historiker Charles Higournet schreibt. Der langsame Zerfall des Awarenreiches ermöglichte den Slawenstämmen unter dem König Samo das Großmährische Reich aufzubauen. Als die rebellischen Bayern bei den letzten Awaren um Hilfe suchten, führte Karl der Große und sein Sohn Pippin Feldzüge gegen sie und zerschlug ihre Festungen (791-797).

Die restlichen Awaren gingen in der ansässigen Bevölkerung auf. Karl dem Großen gelang es vorübergehend auch, daß die slawischen Völker die Grenzen seines Reiches achteten. Die Siege über die Awaren erlaubten es ihm und seinem Nachfolger, Ludwig dem Frommen, weiter nach Südosten vorzustoßen, bis in die Pannonische Ebene (heutiges Ungarn). Das Weltreich des Karolingers Karl der Große war ohne Zweifel ein durch Kriege erkämpftes Reich, die Habsburger später schafften es, ihr Reich hauptsächlich durch das friedlichere Mittel der Heiratspolitik auszudehnen. Aber die Zeit vor 1000 n. Chr. war vor allem eine Zeit der Wanderungen, der Eroberungen und Festigung der Reiche.

 

Um 896 drangen die Ungarn in die Donau/Theiß-Ebene ein. Sie nannten sich selbst ‘Magyar‘ (Plural Magyarok), waren finnisch-ugrischer Herkunft - aus dem Raum zwischen Don und Donau - und verbreiteten überall Schrecken durch ihre Kampfesweise. Bereits 10 Jahre später schlugen sie die Mährer und die Bayern am 4. Juli 907 bei Preßburg, dessen Name hier zum ersten Mal als “Prezalausburg‘ erscheint, vernichtend und führten den Untergang des Großmährischen Reiches herbei. (Rhode 5. 38) Ein halbes Jahrhundert lang war das Reitervolk der Schrecken der westlichen Nachbarn und wurde erst 955 in der berühmten Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg entscheidend geschlagen. Für die Ungarn selbst bedeutete dies das Ende der Raubzüge und den Beginn der Seßhaftigkeit in dem Raum des heutigen Ungarns sowie die Christianisierung. (Rhode, Die Ungarn, ihr Königreich und das Dt. Reich) Im Jahre 1001 wurde Ungarn unter Stephan I. (997-1038) vereint und zum Königreich gemacht. Von Bedeutung für unsere Geschichte ist auch die Tatsache, daß Stephan kurz vor seinem Regierungsantritt die Schwester des Bayernherzogs und späteren König und Kaisers Heinrich II. heiratete, denn mit ihr kamen zum ersten Mal deutsche Ritter ins Land. Aus der Zeit Stephan I. stammte nicht nur die Kirchenorganisation, sondern auch die Verwaltungsorganisation, d.h. die Einteilung des Landes in Komitate mit den Gespanen als Oberhäupter. Nach Stephans Tod durchlebte Ungarn eine Reihe von Bürgerkriegen, die oft zu ausländischen Interventionen führten. Unter Ladislaus I. (1077-1095) wurde das Reich nach Südwesten ausgedehnt und Slawonien und Kroatien angeschlossen. Aus den vielen Arpadenkönigen ist erst wieder König Andreas II. (1204-1235) zu erwähnen, der den ungarischen Adligen große Freiheiten zugestand und den Siebenbürger Sachsen 1224 einen Freibrief gewährte, der ihre Rechten und Freiheiten aufzählte; sie wurden also eindeutig bevorzugt. Sein Nachfolger Bela IV. (1235- 1270) mußte sich mit den Mongolen auseinandersetzen, die große Landstriche ausplünderten, unter denen auch die Siedler sehr leiden mußten.

 

2.     2. Erste deutsche Siedlerströme im 12. und 13. Jahrhundert 

 

Das 12. und 13. Jahrhundert war eine Zeit der Wanderbewegung und die Gründe, warum sich Deutsche, Flamen, und auch Holländer in diesem Jahrhundert aufmachten und nach Südosten zogen, sind vielfältig. Zum einen kamen sie durch die Eroberungen der deutschen Könige und Feudalherren in diese Länder, auch begünstigt durch die Ausbreitung des Christentums, andererseits lagen die Gründe in einer Bevölkerungsexplosion Westeuropas. (Higournet, S. 85) Unter dem Druck der plötzlich schnell anwachsenden Bevölkerung wurde der Boden immer mehr aufgeteilt und die Größe der Höfe schrumpfte. Auch waren die Belastungen der Bauern durch Abgaben so groß, daß sie oft ihr Erbe verkaufen mußten und in fremde Länder ziehen, wo Boden noch in Hülle und Fülle vorhanden war. Es ist sicher sehr schwer festzustellen, warum gerade zu dieser Zeit die Bevölkerung so stark zunahm. Andererseits darf man nicht vergessen, daß die Methoden des landwirtschaftlichen Anbaus sehr einfach waren; die Erträge waren so gering, daß man z.B. von einer Ähre höchstens 2-4 Körner ernten konnte. Also war sehr viel bebaubares Land notwendig, um keine Hungersnöte aufkommen zu lassen. Bauern aus dem Deutschen Reich suchten im Osten neuen Boden. Die Slawen hatten bis zu einem gewissen Grad die deutschen Siedler auf ihren wenig besetzten und bewirtschafteten Territorien willkommen geheißen. (Higournet S. 86) Meistens verlief es so, daß zuerst die kriegerische Bewegung von den Fürsten ausging, danach kam der friedliche Zug der Bauern und Handwerker, so wie es sich in der Geschichte noch oft wiederholt hat. Große Wälder und riesige unbebaute Landstriche fanden sie vor. Die allgemeine Besiedelungsdichte war so gering, daß sich die ansässige Bevölkerung und die einströmenden Siedler nicht behinderten. Der Einfall der Mongolen 1234 war so verheerend gewesen, daß einige Landstriche buchstäblich entvölkert wurden, so daß die östlichen Feudalherren, die Markgrafen, kirchlichen Würdenträger, Abteien, also deutsche wie slawische Adlige, die Neubesiedelung vorantrieben. (Higournet S. 88) Zum einen sicherten die Grundherren so ihre Stellungen in den eroberten Gebieten und die Grenzen und gleichzeitig wurde Boden in gewinnbringendes Kapital verwandelt. Nur bebaut brachte er dem Besitzer Geld - im Gegensatz zu heute. Gerade die Bischöfe riefen nach Siedlern und die Abteien besaßen genügend Land und hatten zuwenig Leute, dieses Land urbar zu machen. Auch den slawischen Fürsten war es nicht entgangen, daß es sich lohnte, deutsche Siedler ins Land zu holen. In Ungarn zogen die Arpadier (Könige von Stephan I. bis zu Andreas III.) deutsche Bauern und Bergleute ins Land und noch in der Mitte des 12. Jahrhunderts schickte der ungarische König Bela IV. Werber nach Deutschland. Die Siedler aus der Mitte Deutschlands, die Franken und Thüringer, wanderten nach Südosten, Böhmen, und die Bayern in das Becken der oberen Donau und in die Alpenländer. Die Siedler erreichten ihr Ziel jedoch nicht in einer großen, ununterbrochenen Wanderung, wie wir uns das gerne vorstellen, sondern die Wanderbewegung zog sich bis ins 14. Jahrhundert hin, die allerdings dann zum Stillstand kam. Man hat errechnet, daß ungefähr 200.000 deutsche Bauern im 12. Jahrhundert nach Osten gezogen waren, das sind ca. 7% der Bevölkerung. (Higournet S. 94) Ich schildere diese Gründe deshalb so ausführlich, weil Limbach bereits in dieser Zeit gegründet wurde und, obwohl nicht bekannt ist, wer diese Leute waren, ob Deutsche oder Slawen, so könnte gut sein, daß bereits zu diesem Zeitpunkt Deutsche zugezogen sind. Außerdem war dies der Beginn einer sich über 800 Jahre hinziehenden Wanderbewegung, die mal stärker, mal schwacher vonstatten ging. Auch blieben die Gründe für die Siedlungsbewegung im 16. und 17. Jahrhundert oft die gleichen, nur kam dann die religiöse Verfolgung dazu.

 

3.   3. Vom 13.- 16. Jahrhundert

 

Das ungarische Königreich, zu dem das Dorf Limbach gehörte, umfaßte zeitweise nicht nur die Pannonische Tiefebene, sondern den ganzen inneren Karpatenbogen mit der heutigen Slowakei bis zum Plateau von Siebenbürgen, Slawonien und Kroatien. Die deutschen Einwanderer unterstützten die Ungarn bei der Verteidigung ihrer Grenzen und trieben die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voran. Im 13. Jahrhundert, nach dem Abzug der Mongolen, setzte sich der Landesausbau fort.

 

Ich möchte hier - mit kleinen Änderungen - die Berichte über die Geschichte Limbachs selbst sprechen lassen. Soweit es mir möglich war, habe ich versucht, die Angaben zu überprüfen, aber im Großen und Ganzen muß ich den Berichten von Herrn Vladimir Ferko und Pfarrer Frecska Glauben schenken.

 

Lassen wir zuerst Herrn Ferko sprechen:

 

»In dieser Zeit, im Jahre 1208, wurde auch das Bösinger Gemeindegebiet vermessen und abgesteckt, die Eintragung wurde aufrechterhalten. Für die Limbacher ist es deshalb wichtig, da in dieser Zeit die erste Erwähnung einer Siedlung und einem Bach ist. Im Jahre 1216 erwähnte man es wie Hylyunie, 40 Jahre später als Hylinik und im Jahre 1343 bekam es die Benennung Hilini. Es wuchs, wie die Bewohnerzunahme, bis es ein Reihendorf bildete. Wie das 13. Jahrhundert für Limbach endete, weiß man nicht. Es war das Jahrhundert des tatarisch-mongolischen Einbruchs. Da es bekannt ist, daß bei der Schlacht mit den Asiaten am Fluß Slama (11.4.1241) die Horden in 3 Richtungen nach Ungarn durchdrangen, daß in der Westslowakei das Gefolge der Häuptlinge Ord und Pejdar plünderten und wüsteten, und daß diesem grausamen Schicksal das Dorf nicht entkam, können wir nur vermuten. Im Sommer 1242 starb der große Chan der Tataren Ogotaj, und weil dem tatarischen Invasionskommandanten Bata mehr der tatarische Thron interessierte als Ungarn, so zog er unerwartet ab. Zurück blieben nur Brandstätten, Gräber und Tränen über die Ermordeten und die in die Gefangenschaft verschleppten.«

 

Daß das Dorf Limbach schon so früh gegründet worden sein kann, habe ich in mehreren Darstellungen bestätigt gefunden. Dr. Hans Kaser beschreibt in seinem Buch “Der Volks- und Kulturboden des Slowakeideutschtums“ ebenfalls, daß die erste Einwanderungswelle bereits vor 1000 n. Chr. stattgefunden hatte, denn die älteste, nachweisbare deutsche Sprachlandschaft war Preßburg, das 907 als “Brezalauspurc“ erwähnt wird. Auch Hr. Neunteufl gibt eine deutsche Besiedlung der Weindörfer der Kleinen Karpaten für den Zeitraum 1150-1300/1350 an. Die Einwanderer seien über die Preßburger Pforte vorgedrungen. Die Herkunft der Siedler ist nicht mehr feststellbar. Laut Herrn Neunteufl seien sie hauptsächlich aus dem Mittelbayerischen gekommen. Ins Waldgebiet der Kleinen Karpaten seien auch Holzfäller aus dem südlichen Niederösterreich und aus der Obersteiermark eingewandert. Von Bösing und St. Georgen (Preßburger Weinbauernland) sei urkundlich bezeugt, daß sie bereits 1208 im Besitz eines deutschen Grafengeschlechts waren, das allmählich die ganze Gegend erwarb. Damit soll bereits vor der Tatarenzeit in fast allen späteren deutschen Sprachgebieten der Slowakei sich das Deutschtum festgesetzt haben. Das Buch “Preßburger Land und Leute“ gibt auch vielfältige Herkunftsorte der deutschen Siedler an, die von Ober- und Niederösterreich, Salzburg, Böhmen, Mähren, Schlesien, Steiermark, Bayern, Württemberg, Sachsen, Preußen, Schleswig bis zur Schweiz reichen. Auch dort wird bestätigt, daß deutsche Bauern sich Ende des 12. Jahrhunderts in der Gegend von Modern ansiedelten; die deutsche Besiedlung soll aber erst nach dem Tatarensturm stark angestiegen sein. Die ältesten Städteniederlassungen außer Preßburg waren St. Georgen, Bösing, Modern, Thyrnau. Oberhalb von Bösing soll sogar nach Aussagen des Buches “Preßburger Land und Leute“ vorübergehend Goldbergbau betrieben worden sein.

 

In dem erwähnten Jahrhundert hatten die Siedler aus dem Westen auch neue Techniken wie die Dreifelderwirtschaft eingeführt. Wälder wurden gerodet und ausgebrannt und so urbar gemacht. Man vermutet, daß durch das Vorrücken der Kolonisation ungefähr 7,5% der Gesamtfläche neu erschlossen wurden. Nach den tatarischen Verwüstungen sank die Zahl der Einwohner der Dörfer, auch Limbachs, wieder. Bela IV. und seine Nachfolger riefen nach der Zerstörung wieder deutsche Siedler ins Land. Ihnen wurde das Recht zugestanden, nach den Gesetzen ihrer Heimat in der Fremde zu leben. In dem Jahrhundert nach dem Mongoleneinfall entstanden in der Slowakei eine ganze Reihe von deutschen Siedlungen.

 

Ich möchte an dieser Stelle einmal die Situation der Siedler beschreiben. Sie erhielten ein Stück Land zur Erschließung und dafür mußten sie dem Grundherrn jährlich oder halbjährlich Pachtzins zahlen (census, pensis, tributum), der festgelegt, aber noch niedrig war. (Higournet S. 253) In den ersten Jahren jedoch nach der Urbarmachung waren die Siedler von Abgaben befreit und zwar je länger, je dichter der Wald und je unfruchtbarer die Erde war. Die Siedler mußten jedoch den Kirchenzehnt bezahlen. Der größte Vorteil für die Siedler war es aber, daß sie ‘frei‘ waren, d.h. sie hatten ein Höchstmaß an Freiheiten und Rechten für die damalige Zeit und verglichen mit ihrer alten Heimat. Dies führte zu einer besonderen Stellung der deutschen Zuwanderer gegenüber der eingeborenen, slawischen Bevö1kerung, die von diesem ‘jus teutonicum‘ nicht profitierte.

 

 

Im 14. und 15. Jahrhundert, kaum waren die letzten deutschen Siedler zugewandert, zeichnete sich ein wirtschaftlicher Niedergang im Osten ab. Die Pest im 14. Jahrhundert mit ihrem Massensterben führte dazu, daß sich ganze Dörfer leerten, sie wurden als ‘Wüstungen‘ bezeichnet. Im Wiener Becken stellte man für das 14. bis 16. Jahrhundert einen Schwund der bewohnten Orte um 40% fest. (Higournet S. 271) Die Folge dieser Katastrophe war, daß diese leeren Fluren wieder an den Grundherrn zurückfielen. Auch im Deutschen Reich machte sich der Bevölkerungsschwund nach der Pest bemerkbar und konnte keine Siedler mehr für die Abwanderung in den Osten entbehren. Während die deutschen Siedlungen im Südosten allmählich verschwanden, erlebte die slawische Bevölkerung einen Aufschwung. Auch hatte der deutsche Zustrom in dieser Zeit ein Ende, denn durch das Erstarken der slawischen Fürstenhäuser unterbanden sie den Zustrom der deutschen Siedler.

 

Die Geschichte des Donau-Karpatenraums ist bis nach dem 1. Weltkrieg die Geschichte des Königreichs Ungarn. In den 80 Jahren der Herrschaft der Anjou-Dynastie festigte sich das Königtum Ungarn und wurde zu einer Wahlmonarchie. Der Luxemburger König Sigismund (1387-1437) erreichte in seiner Amtszeit, Ungarn, Böhmen und das Deutsche Reich unter seiner Herrschaft zu vereinen. Diese riesige Aufgabe ließ ihn Ungarn vernachlässigen und er verlor endgültig Dalmatien an Venedig.

 

Im 14. Jahrhundert wuchs die Türkengefahr für Europa immer mehr an und bedrohte auch Ungarn. Ein kühner Vorstoß brachte den Sultan Bayezid I. 1395 bis an die ungarische Grenze. Nach der Atempause durch den Sieg über Sultan Bayezid I. (1402) hatte Sultan Murad II. 1421 die Expansion wieder aufgenommen. Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 zog Mehmed II. gegen Ungarn, das jedoch unter dem Heerführer Johann Hunyadi noch einmal verteidigt werden konnte. 1457 zerbrach die böhmisch­ungarische Union und der ungarische Reichstag trat zusammen, um über den Nachfolger zu entscheiden. Die Wahl fiel auf den Sohn des legendären Türkenbekämpfers, auf Mathias Hunyadi (1458-1490). 1483 schloß Hunyadi mit dem Sultan Bayezid II. einen Waffenstillstand und erreichte so eine längere Ruhepause für sein Land. Hunyadis Errungenschaften lagen jedoch weniger im politischen Bereich als in der Kultur. Er gründete unter anderem auch die Universität in Preßburg. Unter Wladislaw II. von Böhmen (1490-1516) war die böhmisch-ungarische Union wieder hergestellt. Durch die Heirat des Thronfolgers und seiner Schwester mit den Enkelkindern des Habsburger Kaisers Maximilian I. (1493-1519) und den Vereinbarungen auf dem Preßburger oder Wiener Kongress 1515 war Ungarn von 1505 an mit dem Habsburger Imperium für lange Zeit verbunden. Die türkische Gefahr war jedoch größer denn je. In der berühmten Schlacht bei Mohacs wurde Ungarn am 29.8.1526 vollständig und vernichtend geschlagen. Fast alle hohen geistlichen und weltlichen Würdenträger, sowie der noch blutjunge König Ludwig II. (15 16-1526) wurden getötet. Diese Schlacht bildete das Ende des selbständigen und einheitlichen ungarischen Reiches für 200 Jahre.

Wir wissen von Limbach aus dieser Zeit nur, daß es eine Kirche gab, die im oberen Teil des Dorfes stand (beim heutigen Friedhof) und das erste Dorf sich um diese Kirche gruppierte. Dr. Kaser schreibt, daß Limbach im Mittelalter deutschsprachig und in deutschem Besitz geblieben sein soll. Bestimmt wurde das Dorf in diesen Jahrhunderten wiederholt von den Seuchen und Türken heimgesucht und von ihnen verwüstet. Da die Kirchenbücher erst ab 1811 geführt wurden, ist uns über diese Zeit nichts sicheres bekannt.

 

4.   4. Zweite Hälfte des 16. Jahrhundert bis 1699

 

Es ist mir nicht gelungen, absolut sichere Angaben über die Gründung des Dorfes Limbach zu bekommen. Der Bericht von Herrn Ferko gibt die Gründung für das Jahr 1208 an, wie ich bereits schilderte. In den Kirchenbüchern von Limbach fand sich jedoch ein altes Dokument, das ich im Anhang abgedruckt habe und das die Gründung auf die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts festsetzt. Vielleicht bezeichnet dieses spätere Datum den Wiederaufbau oder die Wiederbesiedelung. Im Bericht des Pfarrers Frecska heißt es aber auch nachschriftlich:

 

»Limbach existierte schon 1507. Herr Hergotics in St. Georgen besitzt eine Urkunde vom ‘Capitulum kollegiale poloniense‘, datum seria sexta, proxima postfestum beate Maria Magdalene, anno domini milesimo quigendesimo septimo (1507), laut welcher Valentin Edler von Hideghedgy, seinen Grünauer Weingarten Neuperig/Neuberg um 48 Florint dem Wolfgang Fassang in Lymba verkauft.«

 

Pfarrer Frecska schildert eindrucksvoll Limbach in dieser Zeit:

 

»Die Urbevölkerung der Gemeinde Limbach bestand meistens aus armen Emigranten, die ihres Glaubens wegen aus Bayern und den österreichischen Erblanden vertrieben worden sind. Im Laufe der Zeit schlossen sich ihnen noch etliche Familien aus Württemberg an. Die Grafen Illeshazy, welchen die Bösinger Herrschaft gehörte, erlaubte ihnen, sich in den am tiefsten, ins Gebirge einschneidenden Talkessel, zwischen Bösing und Grünau anzusiedeln, welcher damals noch eine vollständige Wildnis war. Da hieß es nun die Bäume auf den Hügeln zu roden, Weinreben zu pflanzen und in den Tälern den Boden urbar zu machen. Wann dies geschah und wie lange die Emigration dauerte und welche Zeit zur Gründung und Regelung des Dörfchens erforderlich war, kann man nicht bestimmen. Dies geschah wohl in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Soviel ist gewiß, die Gemeinde wurde von dem Grafen Illeshazy beschützt, welcher sich der armen Holzhauer annahm. Mutmaßlich halfen sie ihnen im Jahre

1583 die Kirche zu bauen, wie sie ihnen auch erlaubten, auf der Stelle zweier ausgerodeter Waldstücke, zwei Kirchenweingärten auszusetzen. Jedoch stand das Dorf nicht auf dem Orte, wo es jetzt steht, sondern weiter oben, um die jetzige katholische Kirche und den Friedhof herum. So waren die Weingärten Machergüter genannt, gewiß Hofgründe und wo jetzt die dazugehörigen Wiesen liegen, stand damals die eine Häuserreihe und wo jetzt die Wiese liegt, die zu jenem freien Machergut gehörte, welches noch heute der Kirchenweingarten genannt wird, stand wahrscheinlich das Pfarrhaus. Wann Limbach eine selbständige Gemeinde wurde und einen eigenen Prediger erhielt, wissen wir nicht. Auch der Name des ersten oder der ersten Geistlichen ist uns unbekannt. Soviel ist gewiß, daß sich Limbach schon im 16. Jahrhundert zu einer selbständigen Gemeinde konstituierte. Jedoch unter der Regierung Ferdinands II. verlor sie ihre Kirche und wahrscheinlich auch ihren Prediger.«

 

Sie sehen also, liebe Leser, wie widersprüchlich doch die Angaben über die Gründung des Dorfes Limbach sind. Woher Pfarrer Frecska oder Herr Ferko ihre Angaben bezogen, ist mir auch nicht bekannt. Pfarrer Frecska faßte seinen Bericht im Jahre 1867, den 20.-30. Januar, als Pfarrer in Limbach ab. Er starb am 2. Dezember 1876.

 

Wie sah nun die politische und wirtschaftliche Situation im 16. Jahrhundert in Europa und speziell im österreich-ungarischen Kaiserreich aus? Der Beginn des 16. Jahrhunderts war von der Reformation Luthers und den darauffolgenden religiösen Auseinandersetzungen in Europa gekennzeichnet. Auch Ungarn wurde von der Reformation entscheidend beeinflußt. Bis 1564 gab es bereits starke Gemeinden des Luthertums in dem Gebiet der heutigen Slowakei, unterstützt vom Adel. In allen deutschen Städten, außer in Preßburg, bekannte sich der Magistrat mit seinen freien Bürgern zur Reformation. Das Land war also schon den Lutheranern freundlich gesinnt, die später noch ins Land kommen sollten. Auch Wiedertäufer sollen sich laut Dr. Kaser zwischen 1540-1640 im Marchland und in einigen Gemeinden des Weinbauernlandes angesiedelt haben.

 

Der Augsburger Religionsfriede 1555 führte schließlich zu einer vorübergehenden Ruhe zwischen beiden Parteien. Die Religionsfreiheit des Einzelnen war nicht garantiert, sondern der Landesfürst bestimmte die Religion seiner Untertanen, was dazu führte, daß viele Protestanten in katholischen Ländern eine neue Heimat im Osten suchen mußten. Sicher waren auch Deutsche dabei, die so nach Limbach kamen, besonders aus dem katholischen Bayern und Osterreich. Das Königreich Ungarn, zu dem Limbach gehörte, war durch die geschickte Heiratspolitik fest mit dem Habsburger Kaiserreich verbunden, das auch seine Geschicke bestimmte. Die Habsburger Kaiser waren gleichzeitig auch Könige von Ungarn und wurden in Preßburg gekrönt, da der frühere Krönungssitz in dem Teil Ungarns lag, den die Türken über 200 Jahre lang besetzt hielten.

 

Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts fand eine Wiederbelebung des Katholizismus statt, die besonders Bayern betraf. Die Protestanten, die sich nicht bekehren wollten, mußten wiederum ihre Heimat verlassen. Laut dem “Verzeichnis der historischen Denkmäler und Archiven“ und dem Bericht von Pfarrer Frecska ging auch das Dorf Limbach in dieser Zeit der Gegenreformation unter. Ferdinand II. (1619-1637) war deutscher Kaiser und gleichzeitig Kaiser von Österreich und König von Ungarn und Böhmen geworden. Er war eigentlich ein sehr großzügiger und gutmütiger Mensch, aber ein überzeugter und stahlharter Katholik, von Jesuiten erzogen. Zusammen mit dem Herzog von Bayern besiegte er in der Schlacht am Weißen Berg die böhmischen Protestanten und ließ die böhmischen Rebellen hinrichten. In Ober- und Niederösterreich, in der Steiermark und in Kärnten hatten die Protestanten unter seiner Herrschaft zwischen 1622-1628 alle ihre Rechte verloren. 1629 erließ Ferdinand das Restitutionsedikt, das zu einer vollständigen Annulierung des Augsburger Religionsfriedens führte. In Augsburg z.B. wurde die protestantische Religion verboten und 8000 Bürger mußten in die Verbannung gehen.

 

Zwischen 1618 und 1648 wütete der Dreißigjährige Krieg in ganz Europa. Söldnerheere der katholischen Liga und der protestantischen Union mit den Schweden durchzogen die Länder und hinterließen verwüstete und menschenleere Landstriche. Der Westfälische Frieden 1648 setzte dem Morden ein Ende und dem Recht des Fürsten, die Religion seiner Untertanen zu bestimmen. Sie durften nur noch die Religionsausübung in ihren Ländern regeln. Die individuelle Freiheit der Religionsausübung war zum ersten Mal festgeschrieben.

 

1617 soll Limbach laut Herrn Ferko aus 40 Häusern bestanden haben, aus 10 bäuerlichen und 28 eisenhüttlerischen Ansiedlungen. St. Georgen und Bösing kauften sich im Jahre 1613 vom Grafen Pallfy um 81.000 Florint (1 Fl. = 1 Gulden) los, zu königlichen Freistädten wurden sie 1648 erhoben.

 

Wir nehmen den Bericht von Pfarrer Frecska wieder auf:

 

»Im Jahre 1648 war in Limbach Johann Christian Müller Pfarrer. Eine Zeitlang fungierte er ohne Kirche in einem Privathause oder in der Schule. Erst Anfang März wurde das Gotteshaus in Limbach infolge des Linzer Friedens vom Jahre 1645 und des darauffolgenden Reichstages zu Preßburg den Protestanten restituiert. Das erste Kind, das in der restituierten Kirche getauft wurde, war der Sohn Georg des Ehepaares Johann Thumer und Maria Söhnlein. Seine Taufpaten waren Ruprecht Gschwandner und seine Frau Susanna von Grünau. Die evangelische Gemeinde zu Limbach bestand aus Limbach, Grünau und Neudörfel bei der Glashütte. Vor der Zerstörung durch die Tataren 1648 - 1663 betrug die höchste Zahl der Getauften 38 und die geringste Zahl 15. Die höchste Zahl der Verstorbenen war in normalen Verhältnissen 32 (im Cholerajahr 1656 betrug die Zahl der Toten 44, da allein 21 an der Cholera starben) und die geringste Zahl 7. Da unter den getauften Kindern durchschnittlich 2 katholische Kinder waren, drei nach Grünau und 1 nach Neudörfel gehörte, kann die Zahl der Einwohner Limbachs ungefähr so ausgesehen haben:

Limbach    400 Evangelische    50 Katholische

Grünau        50 Evangelische    30 Katholische

Neudörfel    30 Evangelische      0 Katholische

 

In der Gemeinde gab es somit 480 evangelische und 80 katholische Einwohner, zusammen also 560.

 

So mag Grünau ein recht kleines Dörfchen gewesen sein, hatte aber doch einen Bäcker, einen Fleischhacker und einen Bierbrauer, wahrscheinlich weil es an der Straße lag. So mag Grünau auch eine Kapelle gehabt haben, nämlich das kleine Schiff der jetzigen Katholischen Kirche, welches aus dem 15. Jahrhundert stammen kann, die anderen Teile der Kirche sind spätere Pfuschereien. Von Neudörfel blieben Spuren wie Hügel, die grasbewachsene Hausruinen sind, und eine Heide, die nichts anderes sein kann, als grasbewachsene Äcker. Dies alles kann man auf der Hälfte des Weges zwischen Limbach und Apfelsbach, welcher Ort noch immer Glashütte heißt, sehen. Die einstige Glashütte nennt Müller fürstlich. In Limbach gab es viele Familiennamen, die dort heute gar nicht mehr oder nur noch in Bösing, Modern und Preßburg vorkommen. Es wohnten damals wohl auch mehr Slowaken im Dorf. Auch der Name eines evangelischen Schullehrers namens Johann Szeaplicius dieser Zeit ist erhalten. Gemischte Ehen, also zwischen Katholischen und Evangelischen, gab es aber nur 2 - 4. Der Weinbau soll nur in geringem Maße betrieben worden sein. Die Gemeinde hatte jedoch immer einen Bergmeister, 1649 war es Mathias Berger. Als Handwerker waren in Limbach verzeichnet: Müller, Schlosser, Bierbrauer, Fleischhacker, Drexler, Maurer, Bäcker, Faßbinder, Zimmermann, Kalkbrenner, Leinweber, Tuchmacher, Binder, Glasmacher, Schuhmacher und Schneider, auch Waldförster. Mühlen wurden folgende erwähnt: Neumühl, Reisemühl, Illeshaszysche Mühle (wahrscheinlich Hedeckerische), Zellchitzsche (Steppermühle), Veherpatakaysche, Petröszische Mühle.«

 

Auch über das ‘moralische Leben‘ Limbachs berichtet uns Pfarrer Frecska:

 

»Was das moralische Leben in der Gemeinde anlangt, sind in 22 Jahren 5 uneheliche Kinder getauft worden. Das erste Kind gehörte einer Grünauerin, die von Räubern bezwungen wurde. Das zweite stammte von einem Ratzersdorfer Witwer, namens Hiasberger. Das dritte gehörte der Ehefrau des Herrn Zellschik, einer geborenen Tutzenthaler und war von einem St. Georgener Herrn. Das vierte gebar eine Magd aus Modern gebürtig, von einem Modreiner jungem Manne. Das fünfte gebar ebenfalls ein Frauenzimmer von Modern von einem jungen Tuchmachergesellen, der aus der Steiermark gebürtig war. Die Mutter eines unehelichen Kindes wurde enthauptet. Und weil ein gewisser Michael Jordan (der spätere Kleinrichter) mit seinem Weibe Barbara das erste Kind vor der Ehe gezeugt hatte, mußten die beiden öffentlich Kirchenbuße tun. Im Jahre 1670 hat ein ‘päpstlicher‘ Weber namens Janl Matis den Kepenetuchmacher Werwowscky mit der Hacke erschlagen.«

 

Bezeugt ist auch laut ‘Preßburger Land und Leute‘ der Bericht des Herrn Ferko über die Türken. Limbach soll 1666 durch die Türken zerstört und dann durch neue Siedler wieder aufgebaut worden sein.

 

Lassen wir dazu Herrn Ferko berichten:

 

»In dieser Zeit endete der abgeschlossene Frieden vom Jahre 1606. Die türkischen Eroberer hatten ihn ständig verletzt, suchten und organisierten verschiedene Vorwände und Provokationen im fremden Land mit anderen Sitten und anderem Glauben, nur daß sie im Plündern und Unterdrückungen nach eigenen asiatischen Vorstellungen fortsetzen konnten. Das Jahr 1656 ist ein schwarzes Jahr der Cholera. Im Jahre 1663 ist ein neuer Krieg ausgebrochen, Habsburg erklärte ihn dem Großwesir Mehmed Köprüli. Unter den Fahnen des Halbmondes drangen die Türken in der Zeit der Richterei Michael Conrads nach Limbach ein. Wütend, daß ihnen nicht gelungen ist, die Bösinger Mauern zu durchdringen und die Verteidiger zu überwältigen, rächten sie sich an den anliegenden Ansiedlungen, auch an Limbach. Fünf Kinder und Greise wurden getötet, unmittelbar im Dorf. Die Bewohner sind zum Teil auseinandergerannt, zum Teil versteckten sie sich in den Karpathen. Wieviel Tragödien sich in diesen Tagen abspielten, weiß man nicht. Die Annalen verschweigen die Ururenkel der Dorfväter; die sich an die traurigen Ereignisse erinnern hätten können, sind ausgestorben. Man weiß nur, daß seit dem Eindringen der Nomadenungarn und Tataren kein schrecklicheres Unheil die slowakischen Gegenden mehr traf. Dort wo Limbach stand, blieb nur eine Brandstätte.«

 

Die Einwohnerzahl hatte durch die Tatarenüberfälle oder Türkenüberfälle stark gelitten. Die höchste Zahl der Getauften betrug nur noch 14 und die geringste Zahl 3, die der Verstorbenen 18 und die geringste 4. Die Zahl der Einwohner von Limbach, Grünau und Neudörfel dürfte nur noch 300 betragen haben.

 

Herr Ferko berichtet weiter:

 

»Das Dorf, welches früher um die Kirche herum gebaut war, wurde nun weiter unten im Tal aufgebaut, so daß oben nur die Kirche blieb und das Pfarrhaus mit der Schule den unteren Ort bildete. Am 11. Juli 1666 suchte die Gemeinde ein Großbrand heim. Es verbrannten 21 Häuser, Pfarre und Schule. In dieser Zeit war Besitzer der Bösinger Burg und Siedlung von St. Georgen bis Roten Stein der Stamm Pallfy. Ihm gehörte auch das Dorf Limbach. Durch Sammlungen kam genug Geld zusammen, um die Kirche wieder aufzubauen und eine kleine Orgel zu kaufen. Im Jahre 1669 brach wieder ein Feuer aus ‚ das 5 Häuser zerstörte. Wir erwähnten, daß im Jahre 1617 Limbach 40 Häuser hatte. Von jeder Siedlung zahlte man, immer zum Tag des heiligen Georg und heiligen Andreas 5 Denar. Zu Pflichten der Gemeinde gehörte am Geburtstag des heiligen Johann eine Abgabe eines Kalbes oder einen Gulden und sechzig Denar zu leisten. Zu Ostern aus jedem Haus vier Eier oder einen Gulden und 56 Denar. Zu den Arbeitspflichten gehörten Weingartenbearbeitung und Holzfällen. Jede Viertelsiedlung zwei Klafter Holz, oder für jeden Klafter 16 Denar. Von den Weinstöcken ging der Herrschaft ein Zehntel, bei den Holzfällern jeder neunte Klafter zu. Jeder Müller war verpflichtet, für die Kurie ein Schwein zu füttern und nach Bedarf und Vorschrift Zimmermannsarbeiten zu machen. Kohlenbrenner, die in den Tälern Holzkohle brannten, zahlten jährlich neun Gulden. Im Wald waren zwei Kalköfen, von jedem Brennen einen Wagen Kalk, nicht einmal die Wagner waren besser dran, jedes zehnte Rad mußte in das Bösinger Schloß rollen. 1671 hatte unglücklicherweise auch der Blitz in den Kirchturm eingeschlagen und zum 3. Mal mußte gesammelt werden.«

 

 

Pfarrer Frecska gibt uns auch die Namen der Lehrer, Richter und Kirchenväter für diese Zeit an:

 

»Lehrer: 1648 Christian Conrad, prov. übrigens seines Handwerkes ein Schneider, er war zugleich Mitnachbar, später Kirchenvater und Geschworener. 1649-1651 Lorenz Heindl, verheiratet. 1651-1658 Veith Martini, verheiratet. 1658-1670 Michael Conrad, verheiratet. 1670-1674 Mathias Wolffius. Sonst wissen wir von diesen Lehrern nichts mehr.

Richter waren: 1648 Johann Barisch, 1649 Mathias Mitterholzer, ein Müllermeister, 1651-1654 Joachim Koller, 1656 Georg Mayr und Johann Hochleitner. 1657-1658 Paul Barisch, 1659 Johann Hedecker, 1660 Blasius Kraitz, 1662 Paul Auer, 1663 Johann Haarleitner, 1664 Mathias Wendel, 1666 Mathias Steberl, 1668 Blasius Kraitz, 1669 Mathias Stöberl, 1670 Paul Barisch.

Kirchenväter waren: 1648-1650 Paul Lange, 1651 Johann Wendel, 1652 Johann Hedecker, 1653 Georg Ptaschnik, 1654 Christian Conrad, 1655-1656 Michael Kochwasser, 1657 Paul Lange, 1658 Johann Hedecker, 1659 Simon Klauser, 1660-1661 Paul Barisch, 1662 Mathias Wendel,1663-1664 Oswald Reutter, 1665 Johann Hedecker, 1666 Paul Barisch, 1670 Mathias Wendel.

Deutsche Pfarrer in Bösing: Bartholomäus Riser, Clemens Amomäus und Michael Höher (dieser später in Modern).

Slawische Pfarrer in Bösing: M. Jak. Faschko mit dem Kantor Math. Leninger.

Deutsche Pfarrer in St. Georgen: M. Christophorus Stephani 1666, M. Melchior Hüber und böhmischer Pfarrer: Andreas Galli, Pfarrer in Kittsee: Joh. Plankenauer, in Ragendorf: M. Andreas Richter

 

Wie hart und entbehrungsreich das Leben damals war, schildert Herr Ferko:  

»Untertanen hatten bewilligt bekommen, Schweineweiden in Eichenwälder zu halten; selbstverständlich, wenn sie es bezahlten. Für ein Schwein bezahlten sie zehn Denar jährlich, für ein kleineres fünf. Aber auch dieser Vorteil ging zu Ende, als Maria Theresia das Schweineweiden im Eichwald verbot. In den Wäldern war in dieser Zeit mehr Wild wie heute. Viel wurde auf Wildschweine und Rehwild gejagt. Untertanen beteiligten sich bei der Jagd nur als Treiber. Und Fische bzw. Fischlein in den beiden Bächen waren auch nicht für die Bauern und Tagelöhner. Wenn sie im Limbacher Kroispoch oder im Dirr Leitnerpoch mit Angel, Schädeln oder mit der Flasche ungelöschten Kalk erwischt wurden, kostete es zwei Guilden, wenn auch in den alten Zeiten die Bäche mit Fischen der Gemeinde gehörten. Das 17. Jahrhundert war voller Unruhen. Arbeitspflicht wurde wegen der ständigen türkischen Gefahr auf zwölf Tage jährlich festgelegt. Untertanen belästigte das unregelmäßige Ausbeuten der Steuereinnehmer, Militärexekutionen, räuberische Aktionen der kaiserlichen Söldner, Räuberei, welche sich vermehrten und der sogenannte Zensus, Pflicht dem Herrn und seinem Gefolge beim Besuch der Gemeinde die vollständige Versorgung anzubieten. Landesherrn mißbrauchten sehr oft den Zensus und diesen Brauch. Der St. Georgener Müller Oswald Schreiner baute in Lindenbach eine Mühle, dies kostete ihm jährlich vierundzwanzig Türmauermaße Mehl, abgegeben hat er es der Bösinger Kirche. Ins Spital war er verpflichtet, drei Maß zu bringen. Die Bösinger Burg sah lieber Gulden als Mehl. Die Summe wurde auf fünf Gulden für jedes Maß jährlich bestimmt, ohne Rücksicht, ob es ein fruchtbares Jahr war oder nicht, ob genug Wasser im Bach war oder nicht, ob die Mühlsteine sich drehten oder nicht. Schlachtbrücken, welche in dieser Zeit auch schon im Dorf waren, hatten auch Kontingente (25 Pfund Fleisch) zu zahlen. Auch Weingärtner-Pflichten gab es genügend. Die Stöcke haben wir schon erwähnt. Man muß von jeder Ernte die Trauben dazurechnen, außerdem noch 24 Urnen Wein, aber für jeden Halben Wein einen Denar bezahlen. Nur in einer bestimmten Zeit konnten die Weingärtner ihren Wein in der Schenke in der Dorfmitte ausschänken. Im Gemeindegebiet hatten Weingärtner auch Leute aus anderen Gemeinden (29 Bauern aus Bösing), die mußten von jedem Viertel eine Henne abgeben. Abgabepflichten entgingen auch die Vogelfänger nicht. Die Aufsicht hatte der Waldheger. Drei Vogelfänger gaben ein Zehntel ab, der Vierte hatte es je nach dem, besser oder schlechter. Er konnte fangen, wieviel er wollte und welche er wollte, mußte jedoch jährlich 25 Paar Dohlen bringen, denn diese waren spähenswürdig. Lebens- und Kulturstandard war nicht hoch. Häuser aus gestampftem Lehm oder ungebrannten Ziegeln gemischt mit Strohspreu. Die Dächer waren aus Stroh. Kartoffeln waren in dieser Zeit noch nicht verbreitet. Hauptlebensmittel war Schwarzbrot aus Mischroggen (Weizen und Roggen wurden meistens miteinander angebaut), Erbsen, Bohnen, Linsen, Zwiebeln, Milch und ein wenig Obst. Im Sommer gab es frisches und im Winter getrocknetes Obst. Und in härtesten Zeiten auch geröstete Eicheln, Wurzeln und einige Kräuter.«

 

Gemäß dem Bericht des Herrn Ferko soll 30 Jahre vor dem türkischen Einbruch Stefan Pallfy das Dorf als Anleihe an die Barbara Ballaj, der Gattin Peter Koharys, gegeben haben. Im Jahre 1638 soll Pallfy wiederum aus ‘chronischem Geldmangel‘ das Dorf als Anleihe an Kaspar Lippary gegeben haben. 17 Jahre nach dem türkischen Einbruch wurde das Dorf wieder ganz erneuert, größtenteils mit deutschen Einwohnern besetzt. Graf Illeshazy, Besitzer des Dorfes, erlaubte Deutschen aus Nordösterreich und Bayern, sich anzusiedeln. Neue Einwohner, zum größten Teil evangelische, bauten eine Kirche und entlang des Baches wuchsen Linden und sie benannten das Dorf danach Lindenbach. Einer anderen Version zufolge sollen die deutschen Kolonisten den Namen Hylyunit mit Lehmbach übersetzt haben. Im Jahre 1518 soll es jedoch schon als ‘Lehmpach‘ erwähnt worden sein. 1683 soll das Dorf wiederum einen neuen Herrn bekommen haben, als die Witwe Nikolaus Pallfy‘s es gegen 14.000 Gulden an den Edelmann David Zauner verkaufte.

 

Nach 1648 hatten die Menschen unter den Zerstörungen durch den Dreißigjährigen Krieg zu leiden. Die Bevölkerungszahl war überall in Europa drastisch gesunken. Die Höfe waren zerstört, die Felder von Unkraut überwuchert und in jedem Bereich taten sich umwälzende Veränderungen. Der Westfälische Friede von 1648 hatte die Verbindung zwischen den beiden Habsburgermächten Spanien und Osterreich zerbrochen. In Osterreich gelang es dem Kaiser, die politische Macht der Stände vollständig abzuschaffen und als absolutistischer Herrscher zu regieren. Die größte zentralisierende Einrichtung im Habsburger Reich war das stehende Heer, das seinen Ursprung im Heer Wallensteins hatte. Frankreich baute seine Vormachtstellung mit Hilfe eines riesigen Heeres aus und versuchte, sich die spanischen Niederlande einzuverleiben, was schließlich zum Holländischen Krieg 1672-78 führte, in dem das österreichische Reich verwickelt wurde. In Ungarn kam es zu Aufständen und vom Balkan drohte erneut die Türkengefahr. Seit 1645 waren sie wieder auf dem Vormarsch. Der Kaiser hatte sich 1664 für 200.000 Taler einen Waffenstillstand von 20 Jahren erkauft und hoffte, ihn wieder erneuern zu können. Aber 1683 rückten 250.000 Türken unter dem Großwesir Kara Mustafa gegen Wien vor und belagerten die Stadt. Die kaiserliche Armee war zu klein, um die gewaltige türkische Armee aufzuhalten und sie bewegte sich unaufhaltsam durch Ungarn vor. Daß Limbach durch die Nähe Wiens davon betroffen war, können wir sicher annehmen, denn die ganze Gegend wurde von einzelnen Reitertrupps der Türken fortwährend unsicher gemacht. Diese Reitertrupps drangen weit in den Westen vor und einmal sollen sie sogar auf ihren Streifzügen bis nach Regensburg vorgedrungen sein. Daß Limbach schließlich von den Türken 1666 zerstört wurde, habe ich bereits beschrieben. Wien wurde schließlich mit Hilfe der Nachbararmeen, der sächsischen, bayerischen und deutschen Armee, befreit und die Türken endgültig vertrieben. Österreich drang daraufhin in türkisches Gebiet vor und eroberte ganz Ungarn zurück, sowie Siebenbürgen, den größten Teil Slawoniens und Kroatien. Im Frieden von Karlowitz sicherte sich Osterreich die Angliederung der eroberten Gebiete. Dies war der eigentliche Beginn der Großmacht Österreich-Ungarn, die 2 Jahrhunderte überdauern sollte. Ungarn hatte eine absolutistische Verfassung bekommen und die magyarischen Stände verzichteten auf ihr Wahlrecht. einen ungarischen König zu wählen, solange ein männlicher Erbe des österreichischen Hauses auf dem Thron saß. 2 Jahre später begann Österreich, ein stehendes Heer aufzubauen. In Frankreich wurde das Edikt von Nantes, das die Glaubensfreiheit garantiert hatte, aufgehoben und ca. 2 Millionen Hugenotten mußten das Land verlassen. Auf die Gegenreformation bezieht sich auch Pfarrer Frecska in seinem folgenden Bericht:

 

»Bemerkenswert ist, daß als 1657 den 10. März die Frau Eusebia Sabinia Podazkin, geborene Gräfin Kaunitz, dem hiesigen Gottesdienste beiwohnte, sie des hiesigen Schuhmachermeisters Knotzers Töchterlein Eva aus der Taufe hob. Die 60iger Jahre des XVII. Jahrhunderts haben die Gemeinde materiell sehr geschwächt. Die 70iger Jahre sollten noch unglücklicher werden. Es erfolgte 1673 die berüchtigte Preßburger Citation, der an unverschämter Bosheit nichts gleichkommt. Auch unser Müller wurde vorgeladen. Man legte ihm vor, entweder im Lande zu bleiben, sich jedoch jeglicher geistlicher Funktion zu enthalten, oder auszuwandern. Müller als Ausländer erwählte für sich die Auswanderung. So blieb die Gemeinde 1674 ohne Seelenhirten. Wie viel unsere Evangelischen bei der ersten Wegnahme ihres Gotteshauses leiden mußten, ist entweder nicht angemerkt worden oder auf unsere Zeiten nicht gekommen. Die Papisten waren ja sehr eifrig in Verbrennen von Papieren, auf denen die Schandtaten geschrieben standen. Auch die Matrikel Müllers, welcher die meisten Daten entlehnt sind, war in katholischen Händen, die sie mit rohen, gemeinen, frechen und unverschämten Randglossen besudelten. Sie war eine Perle, vor die Säue geworfen. Im Jahre 1674 raubte man der Gemeinde zum zweiten Male die Kirche samt Pfarrhaus, Schule und allem was dazu gehörte. Das röm. kath. Pfarramt wurde in Grünau errichtet, Limbach gehörte als Filiale dazu. Aus dem Raube lassen sich leicht Pfarrämter errichten, die aber dem Herrn gewiß nicht gefallen. Die hiesige Kirche erhielten die Papisten nur notdürftig. Später verhunzten sie das schöne Gotische desselben, mit geschmacklosen Rokoko-Änderungen. Das Pfarrhaus und die Schule rissen sie nieder. Das Pfarramt war ja in Grünau und eine Schule brauchten sie nicht! Die Weingärten wurden verkauft und das Geld kam ihnen wohl zu statten. Da kamen die Jesuiten in die Gemeinde. Sie wollten die Einzelnen durch disputieren in den Schafstall des Papstes treiben. Jedoch erhielten sie von etlichen Nachbarn, die im Evangelium bewandert waren, treffende und schlagende Antworten. Mit Spott und Schande mußten sie weichen. Daß sich die Jesuitentücke dafür rächte, ist selbstverständlich. Doch Limbach blieb dem Evangelium treu. Die Gespräche zwischen den Jesuiten und unseren Limbachern hat der Verfasser dieser Zeilen 1859 in der Lyzealbibliothek zu Preßburg gelesen, wie sie ein Preßburger Bürger (sein Name ist mir längst entfallen) in seinem Tagebuche (Manuskript) aufbewahrt hatte. So entbehrten nun die Evangelischen Limbachs vollständig des evangelischen Gottesdienstes und ihre Kinder des Schulunterrichtes. Aber die Hausväter wurden selbst zu Lehrern und Priestern. Keine einzige Seele ist röm. kath. geworden, kein einziges Kind war zu finden, daß von seinen Eltern nicht lesen, singen und beten gelernt hätte. Da ergriff Fürst Franz Rakocsy II. die Waffen zur Wahrung der Rechte des Landes und der Kirche. Infolge der Beschlüsse des Szecsenyer Landtages ist auch unserer Gemeinde die Kirche 1706 restituiert worden. Die Kirche und das Pfarrhaus wurden zurückgegeben, die Schule nicht. Jedoch war die Gemeinde, die die Grafen Pallfy von den Grafen Illeshazy geerbt hatten, sehr arm.«

 

Mit der Preßburger Citation sind bestimmt die Preßburger Prozesse 1672 gemeint. In der Zeit der Gegenreformation in Ungarn wurden evangelische Kirchen und Schulen geschlossen, evangelische Pfarrer und Schulmeister vertrieben. Bei den Preßburger Prozessen wurden an die 300 Pfarrer abgeurteilt, schließlich wurden sie unter der Bedingung begnadigt, daß sie dem geistlichen Amt entsagten. Wer sich weigerte, wurde des Landes verwiesen, 41 Geistliche sogar auf die Galeeren geschickt. 1691 erhielten dann die Evangelischen in Ungarn endgültig die religiöse Freiheit.

 

5.    5. 1700 - 1918

 

Auch wenn die Bewohner des kleinen Dörfchens am Rande der Weltgeschichte wenig oder nichts von der großen Politik spürten, so waren sie doch wie alle Bewohner Europas von allen Entscheidungen ihrer Fürsten betroffen. In Europa kämpften nämlich wieder einmal die Armeen im Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714. Die Gründe lagen daran, daß infolge der Kinderlosigkeit des letzten spanischen Habsburgers Karl II. der Kampf zwischen französischen und österreichischen Erbansprüchen entbrannte. Frankreich fürchtete, von Habsburg umklammert zu werden, wenn diese den spanischen Thron innehielten der österreichische Kaiser fürchtete, alten habsburgischen Besitz zu verlieren. Armeen rückten aus und schließlich wurde wieder Frieden geschlossen. 1713 im Frieden von Utrecht erhielt Philipp V. (Enkel des französischen Königs Ludwig XIV.) den spanischen Thron, verzichtete aber gleichzeitig auf alle Ansprüche auf den französischen Thron. Der österreichische Karl VI. erhielt die spanischen Niederlande, Mailand, Neapel und der Herzog von Savoyen erhielt Sizilien. England erhielt von Frankreich die kanadischen Kolonien und von Spanien Gibraltar und Menorca. Im Sathmarner Frieden von 1711 wurde Ungarn endgültig in die Habsburger Monarchie eingegliedert. Das Habsburger Reich bestand nun aus drei Teilen: den deutschen und österreichischen Erbländern, den Ländern der böhmischen Krone und Ungarn mit seinen Annexen, den italienischen Besitzungen und den Niederlanden. Innerhalb des habsburgischen Reiches nahm Ungarn eine Sonderstellung ein, denn hier gab es eine Mitregierung der Stände und religiöse Duldung.

 

Als Maria Theresia (1740-1780) die Regierung übernahm, mußte sie sich sofort wieder mit Kriegen befassen. 1740-48 fand der österreichische Erbfolgekrieg statt, der durch den Einmarsch des Preußenkönigs Friedrich des Großen in Schlesien ausgelöst wurde. Ohne die Hilfe des ungarischen Adels, der ihr hilfeflehend auf dem Preßburger Reichstag von 1741 60.000 Mann versprach, hätte sie diesen Krieg nicht durchstehen können. Maria Theresia führte in ihrem Reich Reformen durch, die sich auf die Verwaltung, das Heer und die Finanzen bezogen. Sie war auch für den Aufbau des Volksschulwesens verantwortlich. Der Staat übernahm die Aufsicht über das von den Kirchen unterhaltene Schulwesen, entwarf  Lehrpläne und förderte den Gebrauch der Muttersprache. Die 1634 gegründete Universität in Tyrnau wurde 1777 nach Ofen verlegt. Auf den evangelischen Lyzeen wurde neben dem Lateinischen auch die deutsche Sprache gelehrt, da viele Schüler später auf deutsche Universitäten gingen. Deutsch war auch die Sprache in den Städten, da die Bevölkerung der meisten Städte mehrheitlich deutsch war. Durch die deutsche Sprache kamen auch die Ideen des Westens nach Ungarn. So war die erste regelmäßige Zeitung in Ungarn die ‘Preßburger Zeitung‘, die von 1764-1928 erschien. Maria Theresia sorgte auch für die innere Kolonisation, als sie den Banat mit südwest- deutschen Siedlern bevölkerte. Ihre Schwierigkeiten blieben jedoch die hohen Defizite im Finanzwesen und die Nationalitätenfrage, denn die Mehrheit ihrer Staatsbürger waren Nichtdeutsche. Maria Theresia konnte in Ungarn keine Besteuerung des Adels durchsetzen, aber sie erreichte 1767 eine Besserung der Lage der Leibeigenen. Alle Grundstücke und ihre Besitzer wurden registriert, auch die leibeigenen Bauern und deren Abgaben und Leistungen an Grundherren und Kirche wurden festgelegt. Die Abgaben waren in der Regel auf 1/9 der Erträge festgesetzt; eine Vollbauernstelle mußte im Jahr 52 Spanndienste oder 104 Tage Handdienste leisten. (Rhode S. 54) Auch Häusler und sogenannte Hofleute waren zu Handdiensten von 12-18 Tagen verpflichtet. Abgaben konnten durch Hand- und Spanndienste abgegolten, diese wiederum durch Abgaben bzw. Geldzahlungen abgelöst werden. Mit diesem theresianischen Urbar konnten die Bauern nicht mehr so willkürlich ausgebeutet werden und gleichzeitig konnte man die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes feststellen. Die Folge war ein Aufblühen der Landwirtschaft. Der Getreideexport stieg von 1748-82 auf das fünffache an. Diese Einrichtung des theresianischen Urbarialkatasters bestand bis 1918.

 

Ihr Sohn Joseph II. (1765-1790) schuf zum ersten Mal einen Einheitsstaat unter Einbeziehung von Ungarn und Belgien. Eine Zählung 1785 ergab für Ungarn, daß nur 29% ihrer Bewohner Magyaren waren. (Rhode S. 55) Die Sonderstellung Ungarns versuchte Joseph II. abzuschaffen; er ließ sich nicht zum ungarischen König krönen und brachte 1785 die ungarischen Throninsignien nach Wien. Er hob die Komitatseinteilung auf und teilte Ungarn neu in 10 Distrikte ein. 1784 wurde Deutsch als alleinige Amtssprache im Reich eingeführt und alle Schulen in Böhmen und Ungarn mit deutschen Lehrern besetzt, was zum Widerstand in Ungarn führte. Unter Joseph II. wurde auch die Kolonisierung fortgesetzt, mit dem Ziel, Kräfte zu erhalten, auf die sich der Kaiser in Ungarn verlassen konnte. Wichtig ist auch zu erwähnen, daß unter seiner Regierung die Säkularisationsmaßnahmen durchgeführt wurden. 1781 erließ er das Toleranzpatent, das auch für Limbach eine Bedeutung haben sollte. Es beinhaltete, daß alle Nichtkatholiken volle Staatsbürgerrechte erhielten, sowie das Recht auf private Religionsausübung. Ihre

Versammlungshäuser durften jedoch keine Türme und Glocken haben, wohl der Grund, warum die Limbacher Kirche erst 1901 zum ersten Mal einen Glockenturm bekam.

 

Volle religiöse Gleichberechtigung erhielten die Protestanten erst 1861. Er versuchte ebenfalls die Situation der Bauern zu verbessern. Letzte Verpflichtungen der Bauern, z.B. daß der Bauer das Land nicht nach Belieben verlassen oder heiraten konnte, wurden abgeschafft. Der Bauer war nicht mehr Untertan des Gutsherrn, sondern nur noch des Staates. Trotzdem war er noch nicht von Abgaben befreit oder Eigentümer seines Landes. Er wurde zum Zinspächter und der Staat setzte seine Pacht und Abgaben auf etwa 30% seines Einkommens fest. Auf den öffentlichen Domänen wurde der Landerwerb der Bauern beträchtlich erleichtert. Die adligen Grundbesitzer betrachteten diese Reformen mit Widerstand, letztendlich waren sie es, die davon am meisten profitierten. Ein Teil der Reformen wurden nach dem Tod Joseph II. wieder abgeschafft, was blieb, war die Abschaffung des letzten Restes der Leibeigenschaft.

 

In Limbach soll es laut Dr. Kaser 1790/92 zu einer erneuten und letzten Einwandererwelle gekommen sein, von angeblich steirisch-alpenländischen Siedlern (Kohlebrenner). Diese hätten jedoch bereits eine ältere, deutsche Bauernschicht dort vorgefunden.

 

Lassen wir doch wieder zu dieser Zeit Herrn Ferko selbst sprechen:

 

»Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts ist eigentlich die Epoche der Rekonstruktion nach dem stürmischen 17. Jahrhundert, wenn Untertanen am meisten Hafer anbauen mußten. Kriege, Krankheiten, Hunger vernichtete eine Anzahl von Bewohnern, nur an Cholera im Jahre 1710-1712 starb jeder 10. Einwohner der Slowakei. Volkszähler in der Slowakei stellten so fest, daß in ungefähr 3800 Gemeinden und Siedlungen in der ganzen Slowakei nicht mehr als 700.000 Bewohner hatten. Preßburg, die größte Stadt Ungarns, hatte in dieser Zeit 10.000 Einwohner, Limbach, welches vor 100 Jahren 40 Anwesen hatte, hatte im Jahre 1728 nur noch 23. Es gehörte damals dem Baron Ruttkay; der Wert des ganzen Dorfes wurde auf 2353 Gulden festgesetzt. Das urbarische Verzeichnis vom Jahre 1752 erwähnt die Namen Krajeoric, Malacek, Napravcik, Beno, Spacek, Klaus, Long, Drachsler, Hanusek, Blazko, Jelenek, Lamazansky. Die Erneuerung der durch den türkischen Einbruch zerstörten Landschaft wurde erfolgreich fortgesetzt. Auch in Limbach. Am Ortsende stand eine kuriale Mühle mit zwei Rädern und vier Steinen und hinter ihr, das werden die heutigen Einwohner nur schwer glauben, Bierbräu und Brennerei. Ob ein schwarzes, helles oder Hefebier erzeugt wurde, ob aus Roggen oder aus Gerste, wissen wir nicht. Wir kennen nur die Höhe der Jahresmiete, nämlich 150 Gulden.

 

Zur Limbacher Kurie gehörten:

1  1. Wiese in Richtung zum Mühltor beim Bach

2. Unter der neuen Bösunger Mühle die Wiese von zehn Wagen Heu

    3. Obstgarten beim Fischteich

 

Im 18. Jahrhundert waren im Dorf  bis zu vier Mühlen. Die Limbacher dachten auch an das Heil ihrer Seelen und bauten nicht nur Mühlen und Häuser, sondern fanden Zeit und Mittel auch für Kirchen. Die ursprünglich gotische katholische Kirche des Heiligen Theobald, erbaut im 15. Jahrhundert, am Anfang des 17. Jahrhunderts umgebaut und im Jahre 1802 erweitert. Die letzten Umbauten erfolgten im Jahre 1901. Wir erwähnten, daß nach dem türkischen Einbruch nach Limbach deutsche Kolonisten kamen (evangelisch). Die ursprünglich katholische Kirche, welche erneuert wurde, war gegen ihre Reformation, aber es wurde ihnen erlaubt, ein Bethaus außer der Gemeinde zu bauen. Sie bauten es im klassischen Stil im Jahre 1802. Im Jahre 1830 war sie wieder hergerichtet und hatte eine neue Fassade. Der Turm wurde als letztes dazugebaut. Dies im Jahre 1901. Aus dem 19. Jahrhundert sind die alten gemauerten dreiräumigen Weingärtner Häuser mit erhöhten Hinterzimmern über dem Keller. Sie machten Walmdächer und Satteldächer mit Gipfeln und bedeckten sie mit harter Deckung. Offene Herde waren unter dem Kamin im Vorhaus. Landwirtschaftsbauten wurden am Hofende hinter dem Wohnteil dazugebaut. Die Scheune bauten sie im Hinterhof.«

 

 

Leopold II. (1790-92) führte die Provinzialstände, die jedoch schon lange keine wirkliche Macht mehr besessen hatten, wieder ein, sowie die Verfassungen von Ungarn und den Niederlanden.

 

Was sagt Pfarrer Frecska zu diesen Jahren?

 

»Wieviele Jahre unsere Evangelischen nach der ersten Wegnahme der Kirche ohne Gottesdienst sein mußten, ist uns unbekannt. Nach der zweiten Wegnahme seit der Preßburger Citation entbehrten sie 32 Jahre des öffentlichen Gottesdienstes. Und vollends nach der dritten Wegnahme, seit 1716, erfolgte das traurigste Zeitalter für unsere Gemeinde. Bis zum Jahre 1786, also volle 70 Jahre dauerte diese babylonische Gefangenschaft. Unsere Glaubensgenossen mußten verstohlener Weise den Gottesdienst in Modern besuchen, weil die nächsten Städte Bösing, St. Georgen dasselbe Schicksal getroffen hatte wie Limbach. Die Taufen, Trauungen und Begräbnisse verrichtete natürlich der Grünauer Pfarrer, weil sie ja einen Teil seiner Einkünfte bildeten. Die Herren Pfaffen wußten ja ihre Einnahmen gleich Hamstern zu verteidigen. Eine Schule war in Limbach auch nicht zu finden. Wohl ist in dem Gemeindehaus (welches sich später die Papisten als Schulhaus widerrechtlich zueigneten) ein Schulzimmer eingerichtet worden, damit die Notäre, die damals wohl immer Katholiken waren, die Kinder unterrichten konnten, aber diese gaben sich mit dem Unterrichte gar nicht ab. Es war ja bei den Katholiken nicht Sitte, die Kinder in die Schule zu schicken. Und die Evangelischen unterrichteten ihre Kinder lieber selber, als sie zu solchen Menschen zu schicken, So konnten auch die Kinder jener traurigsten Periode lesen und viele auch selber schreiben. Was kann nun gottgefälliges daran sein, eine Gemeinde, wie Limbach zu Müllers Zeiten gewesen ist, so zuzurichten? Nachdem das Toleranzedikt von Joseph II. 1781 erlassen wurde, und Bösing sich bereits zu einer selbständigen Gemeinde konstituiert hatte, sammelte sich auch unsere Gemeinde und berief auch einen Lehrer namens Fajnor. Der erste Schulunterricht wurde in einem Privathaus erteilt. Erst Anfang der 9Oiger Jahre erbaute man die jetzige Schule, eine armselige, mit Stroh bedeckte Hütte, die nur aus einem Wohnzimmer ohne Fußboden, einer Küche, dem Schulzimmer, und einer Speisekammer bestand. Der Nachfolger des Lehrers Fajnor war Michael Lanyi. Von ihm soll überliefert geblieben sein, daß die Gemeinde mit ihm sehr unzufrieden war und er nicht bloß die Nachlässigkeit im Schulunterricht, sondern auch ein ungeregeltes Leben sich zuschulden kommen ließ. Er wurde 1798 entlassen und er soll als Kohlenbrenner gestorben sein. So wählte sich die Gemeinde 1798 einen zwanzigjährigen Jüngling, der bei dem Entenfänger Schöpflin in Szkopcesan als Erzieher angestellt war, zum Lehrer. Es war Samuel Kutcsera, 1777 in Bösing geboren. Er hatte nur das damalige Gymnasium in Modern absolviert. Seine genaue Besoldung betrug jährlich 80 Gulden in bar, 1 Kreutzer Schulgeld von kleineren Kindern, 3 Kreuzer von größeren Kindern wöchentlich, 3 Opfer an den hohen Festtagen, und 4 Klafter Holz jährlich, und der ‘Hoffnung‘, zur Zeit der Weinlese gewisse Mengen an Wein von den Leuten zu bekommen. Diese Menge war bei den damals vernachlässigten Weinbau sehr wenig, da die Bauern selbst zur Bestreitung der Kirchenausgaben nur jährlich 6 Halbe beitrugen. Außerdem durfte der Lehrer die zum Kirchenhause gehörenden zwei Gärtchen und den Acker, der nur zur Hälfte bebaubar war, benutzen. Kutcsera war als Lehrer auch verpflichtet, den öffentlichen Gottesdienst, und zwar zunächst in der Schule zu versehen. Auch hielt er, wenn man den Bösinger Pfarrer nicht rufen wollte, die Beerdigungen ab. Aber das Schulzimmer war auf die Dauer zu klein, um die ganze Gemeinde, die damals über ca. 400 Einwohner verfügte, fassen zu können. So erbaute man 1802 die jetzige Kirche. Eingeweiht wurde sie am 4. Adventssonntag 1802 durch Daniel Orudy, Superintendent diesseits der Donau und Pfarrer in Preßburg. Jedoch feiert die Gemeinde ihr jährliches Kirchweihfest am 2. Pfingstfeiertage, wahrscheinlich ist an diesem Tag die ältere Kirche eingeweiht worden. Von nun an hielt Kutcsera den Gottesdienst in der Kirche, sonntäglich predigte er um 8 Uhr früh und nachmittags um 2 Uhr nochmals. Von Michaeli bis Georgi wurden auch um 7 Uhr früh die Frühgebete gehalten. Die Kinder besuchten die Schule nur im Winter von der Weinlese bis Ostern. Im Sommer blieben sie alle aus. Die Kirche beschreibt Kutscera wie folgt: Die Kirche in der Mitte des Ortes, der Schule gegenüber gelegen, ist ein Steingebäude, länglich, mit Ziegeln bedeckt und gepflastert, 8 Klafter 4 Fuß lang, 4 Klafter 4 Fuß breit, 3 Klafter 4 Fuß hoch (ohne Dach). Auf dem Dache erhebt sich ein hölzernes Türmchen mit einem Kreuze versehen, wie auch das andere Ende der Kirche. In der Kirche selbst ist die Kanzel, auf deren zwei Posaunen, die Gesetzestafel und eine Fahne, dies alles von Holz, zu sehen ist. Der Altar besteht aus drei Bildern, deren höchstes den dreieinigen, mittleres die Jünger nach Emaus pilgernd, unteres das Heilige Abendmahl vorstellt. Der Altar ist mit einem hölzernen Gitter umgeben, welches Andreas Schüssler verfertigte. Rings an den Wänden ist die Emporkirche angebracht. Die Kirche besitzt einen silbernen Kelch, von Michael Schay geschenkt, mit einer silbernen Patene (Hostienteller) von Andreas Förster verehrt. Eine schwarze und eine weiße Altar- und Kanzeldecke, samt entsprechenden kleineren Tüchern. Ein Kruzifix, 3 hölzerne Leuchter und zwar 2 für den Altar, einen für die Kanzel. Den Taufstein haben Samuel Böhm, Michael Kreutz und Johann Sandtner verzinktkupferne Wasserquelle desselben machen lassen. Johann Fürholzer hat den kupfernen Hängeleuchter gekauft.«

 

 

Als 1802 die Kirche in Limbach gebaut wurde, hatte es in Europa schon große Umwälzungen gegeben. Die französische Revolution 1789 lehrte den europäischen Königen und Fürsten das Fürchten. Das revolutionäre Frankreich führte Krieg gegen Osterreich und dieses wurde unter dem General Napoleon Bonaparte mehrmals besiegt. Napoleon ließ sich schließlich auf der Höhe seines Erfolges als Kaiser der Franzosen krönen. Der österreichische Kaiser Franz II. (1792-1835) legte auf ein Ultimatum hin die römisch-deutsche Kaiserwürde nieder, was das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bedeutete. 1813 tritt Österreich dem Bündnis Rußlands, Preußens und Englands bei, um Napoleon aufzuhalten, der schließlich 1814 geschlagen und verbannt wurde. Ein Jahr später landete Napoleon erneut in Frankreich; er wurde aber endgültig in Verbannung geschickt. Im Wiener Kongress 1814-15 wurde über die Zukunft Europas entschieden und Metternich gelang es, Österreich auf den Gipfel seiner Macht zu führen. Österreich hatte sich vom Rhein zurückgezogen und sein Schwergewicht nach Italien und in den Südosten verlagert. Franz II. kehrte vollends zu einer reaktionären Politik zurück und für Ungarn begann eine Epoche scheinbarer Ruhe und Erstarrung. Jedoch traf dies nicht auf die geistig- literarische Entwicklung zu. Als erschreckend betrachteten es die Ungarn, daß sie in ihrem eigenen Land in der Minderheit waren. Durch das Aufgreifen von Ideen der französischen Revolution wollten sie, wie die anderen Länder Italien und Deutschland, einen Nationalstaat, der aber nur durch die Assimilierung der Nichtmagyaren entstehen konnte.

 

Das 19. Jahrhundert war die Zeit der Nationalstaatsbildung. Der Begriff ‘Nation‘ bedeutete ursprünglich im Mittelalter keineswegs, Menschen einer Sprache und aus einem Volksstamm. In einer Nation schlossen sich Studenten einer Fakultät zur Absicherung ihrer wirtschaftlichen und rechtlichen Stellung zusammen. Sie bestand jedoch aus verschiedenen Völkern. Ab 1600 wurde der Begriff Nation vorwiegend für Stand verwendet, d.h. z.B. bei Luther, wenn er von der ‘deutschen Nation‘ sprach, daß er damit keineswegs alle Deutschen meinte, sondern nur den Stand der Bischöfe und Fürsten. Erst die französische Revolution prägte den Begriff der ‘Nation‘ in unserem heutigen Verständnis und die deutsche Romantik war es, die die Volkssprache zum Wesen der Nationalität zählte und erst dadurch die Minderheitenfrage schuf. Eine extreme Folge der Nationalstaatsidee waren die totalitären Regimes wie Hitler‘s, die es sich zum Ziel machten, ethnisch homogene Nationalstaaten zu schaffen, notfalls mit Zwangsumsiedelungen. England und Frankreich waren schon seit langem Nationalstaaten, Deutschland und Italien strebten ebenfalls danach. Wie schwierig eine Nationalstaatsbildung in einem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn sein würde, ist leicht zu erkennen. Gelingen konnte es erst nach dem 1. Weltkrieg, als die Habsburger-Monarchie auseinanderbrach. 1844 wurde Ungarisch anstelle von Latein zur Amtsprache des Königreichs, ausgenommen in Kroatien. Wenig Gegenliebe rief die erste Magyarisierungspolitik bei den Deutschen hervor. Man versuchte sogar in dieser Zeit eine Union der reformierten und lutherischen Kirche herzustellen, um die Magyarisierung der Slowaken und Deutschen rascher zu erhalten.

 

Das 19. Jahrhundert war aber auch das Zeitalter der Industrialisierung. Das Dampfschiff und die elektrischen Telegraphen verbanden weit entfernte Länder miteinander und ermöglichten zum erstenmal eine schnelle Kommunikation. Nicht vergessen sollten wir die Erfindung der Eisenbahn, der eigentliche Motor der Industrialisierung in Deutschland. Zum ersten Mal kam es auch zu Wirtschaftskrisen, deren Mechanismen noch völlig unbekannt waren. Es ist auch die Zeit der Entstehung der Arbeiterbewegung und der Verelendigung ganzer Massen und der daraus entstehenden Umwälzungen. Ungarn selbst blieb jedoch hauptsächlich ein Agrarland. Die Landflucht in die Städte nahm zu sowie die Zahl der Auswanderer in die USA. In der Slowakei entstand aus deutsch-romantischen Anregungen der Begriff des ‘Panslawismus‘ als der sprachlich-kulturellen Gemeinsamkeit aller Slawen. 1848 erschütterten Revolutionen Deutschland, Frankreich, Österreich, Ungarn und Italien. Es kam zu Aufständen in Wien. In Prag beschloß der Slawenkongress ein Manifest, das die Umformung des österreichischen Kaiserreiches in einen Bund gleichberechtigter Völker wünschte. Es gärte im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn und die Nationalitätenkonflikte sollten bis zum I. Weltkrieg, ja sogar bis heute, andauern. Kaiser Ferdinand I. dankte ab und sein Neffe Franz Joseph I. (1848-1918) folgte ihm. Die Revolution 1848 brachte Ungarn eine eigene Regierung und einen ungarischen Ministerpräsidenten. Der letzte Ständereichstag hob die Adelsprivilegien und die Leibeigenschaft der Bauern auf und erließ ein Wahlrechtsgesetz, in dem zusätzlich die wohlhabenden Bürger und die wohlhabenden Bauern das Wahlrecht erhielten. Die Unabhängigkeitsbestrebungen in Ungarn wurden schließlich brutal von Osterreich beendet. Ungarn wurde wie ein erobertes Land behandelt und die Führungsschicht völlig ausgeschaltet. Die Einführung der deutschen Amtsprache und der Versuch, sie als Unterrichtssprache durchzusetzen, stieß auf zähen Widerstand und nährte den Deutschenhaß. (Rhode S. 63) Nach der Niederwerfung der Revolution erneuerte Fürst Schwarzenberg den österreichischen Großmachtanspruch.

 

Nachdem der letzte Versuch, Deutschland unter osterreichischer Führung zu einigen, auf dem Frankfurter Fürstentag 1863 gescheitert war und 1866 der Krieg gegen Preußen verloren, verzichtete Osterreich auf die Mitwirkung bei der Bildung des deutschen Nationalstaates, der dann 1871 als kleindeutsche Lösung gegründet wurde. 1867 kam es zum Ausgleich mit Ungarn. Das Königreich Ungarn erhielt einen eigenen Reichstag und eine eigene Regierung und schloß ein Zoll- und Handelsbündnis mit Österreich. Die österreichisch-ungarische Monarchie hatte nur noch ein gemeinsames Heer, gemeinsame auswärtige Politik und Finanzen. Ungarn erließ zwar 1868 ein tolerantes Nationalitätengesetz, das das Recht auf den Gebrauch der Muttersprache einräumte, aber unter der Regierung Kalman Tisza (1875-90) wurde die konsequente Magyarisierungspolitik fortgesetzt, der auch die Slowaken zum Opfer fielen. (Rhode S. 64) Auch die Deutschen konnten sich nicht entziehen und oftmals konnten die Söhne Deutscher nur noch ungarisch. Unter der Industriearbeiterschaft befanden sich neben Magyaren sehr viele Deutsche und Slowaken. Die ersten Arbeiterorganisationen entstanden 1867 in Preßburg und Pest, wobei die deutschstämmigen Arbeiter die führenden gewesen sein sollen. Der Höhepunkt der Magyarisierungsbestrebungen war 1907 erreicht, als Ungarisch die alleinige Unterrichtssprache in allen Staatsschulen wurde. Orts- und Familiennamen wurden magyarisiert. Der Ausbruch des 1. Weltkriegs ließ die Gegensätze zunächst verstummen. Die Angehörigen aller Nationalitäten rückten widerstandslos zusammen ein.

 

Über Limbach kann uns Pfarrer Frecska nur noch bis 1864 berichten:

 

»Die ersten Kirchenväter der Gemeinde waren: Michael Hedecker, Georg Wissbaumer, Johann Roth und Johann Fürholzer. Obgleich Kutcsera die Theologie gar nicht behört hatte, ordiniert (einsetzen) ihn Superintendent Krudy dennoch 1810. So wurde nun Limbach 1810 eine selbständige Muttergemeinde und Kutcsera ihr Pfarrer, aber so, daß er zugleich Lehrer blieb. Jetzt wurde ihm auch sein Honorar erhöht. Zum Kantor wählte sich die Gemeinde ein Mitglied aus ihrer Mitte. Eingeführt wurde Kutcsera in sein Predigeramt den 23ten Oktober 1810 durch Andreas Jakob Richter, deutscher Pfarrer in Bösing und in Gegenwart des dortigen slawischen Pfarrers M. Szemian. Man wählte auch der Gemeinde einen Inspektor namens Daniel v. Pronay, einen Bösinger, der ohne Spur kam und ohne Spur verschwand. Mit ihm auch das Inspektorat auf etliche Jahre. Man gab der Gemeinde eine sonderbare Konstitution (Verfassung), war der jeweilige Richter evangelisch, so war er zugleich Vorsteher der Kirchengemeinde und hatte das Recht, mit dem Inspektor den Konvent zusammenzurufen. Der Pfarrer war Notar des Konvents. Der Richter war 1810 Michael Hedecker. Kirchenväter wurden 2, Konventsmitglieder 20 gewählt. Man hat beschlossen, daß an Sonntagen vormittags über die Perikopen gepredigt und nachmittags im Winter aus einem Erbauungsbuch gelesen, im Sommer aber katechisiert wurde. Superintendent wurde 1816 nach Krudy‘s Tod Michael Kovacs-Martiny, Senior in Modern. Senior an seiner statt wurde Andreas J. Richter, Pfarrer in Bösing. Im Jahre 1822 brach am 2. Juni inmitten des Dorfes auf der Grünauer Seite, bei dem Schmiedemeister Borckstaller, ein Feuer aus und viele Häuser unterhalb und oberhalb, darunter auch das Pfarrhaus und die Schule brannten ab. Jetzt wurde die Pfarrerwohnung einigermaßen repariert. Das einzige Wohnzimmer erhielt den ersten Fußboden, das Schulzimmer einen neuen Oberboden, die Kirche wurde eingewölbt, die Kammer und der Stall erweitert und dem allem ein Holzschuppen samt einem winzigen Studierstübchen hinzugefügt. Von dieser Feuersbrunst an feierte die Gemeinde am nächsten Sonntag zu Johanni ihren jährlichen Buß- und Bettag. Kämpfen mußte der Pfarrer auch immer wieder um die ihm versprochenen 10 Klafter Holz. Bald wurden diese von den einzelnen gekauft, bald von Haus zu Haus gesammelt. Endlich reichte man bei der Herrschaft eine Bittschrift ein und diese bewilligte nun jährlich 10 Klafter Holz zu 8 Fl., jedoch sollte das Holz auf Unkosten der Gemeinde gehackt und gefahren werden. Es entstanden auch Reibungen zwischen dem Pfarrer und den einzelnen Nachbarn, die ihm das jährlich zu gebende Korn verweigerten. Oft wollten sich die Kirchenväter miteinander nicht vertragen und es entstanden bittere Streitigkeiten zwischen ihnen und den Gemeindegliedern. Samuel Kutcsera starb am 5. September 1829 im Alter von 52 Jahren.«

 

Was zu dieser Zeit der Tod des Versorgers für die zurückbleibende Familie bedeutete. sieht man am Beispiel seines Todes. Seine Witwe erhielt seine Bezüge nur bis zum Jahresende. Danach kümmerte sich die Gemeinde nicht mehr um sie und die 5 Kinder blieben unversorgt zurück.

 

»Während der 19 Jahre des seelsorgerischen Amtierens Kutcseras, mußte die Gemeinde mindestens 500 Seelen zählen, viel während dieser Zeit. Die höchste Zahl der Getauften beträgt 28, die geringste 16, die höchste Zahl der Getrauten 9, die geringste 0, die höchste Zahl der Beerdigten 32, die geringste 8. Trotzdem, daß mehr geboren als gestorben sind, hat sich die Bevölkerung Limbachs schwerlich vermehrt, weil viele infolge des geringen Hotters (Hotter = Grenzflur) auswandern mußten. Die Zahl der Katholiken mochte 1829 beinahe 200 betragen haben. Nach Kutcseras Tode versah oder ließ einige Monate hindurch Senior Richter den Gottesdienst in Limbach versehen. Zur Besetzung der Predigerstelle wurden 3 Kandidaten der Theologie in Vorschlag gebracht. Es waren dies Tomak, Jarosch und Zauner. Letzterer wurde nun am 20. November 1829 zum Pfarrer gewählt und den 16. desselben Monats in Preßburg durch den damaligen, ungarischen Superintendenten, slawischen Predigers und Lyzealprofessors, Paul Billnitza, ordiniert. Eingeführt hatte ihn am 6. Dezember Johann Orissa, slawischer Pfarrer in Bösing. Mathias Zauner ist zu St. Georgen 1802 geboren. Seinen Unterricht erhielt er in der gemischten Schule in dem römisch-katholischen Gymnasium seiner Vaterstadt. Die Philosophie und Theologie absolvierte er am Lyzeum zu Preßburg. Eine ausländische Universität besuchte er nicht. Geraume Zeit war er Erzieher, bis er 1829 nach Limbach gewählt wurde. Er war ein geselliger, lebensfroher Mann, aber seine Ehe war ziemlich unglücklich, so daß er sowohl die Erziehung seiner Kinder, wie auch die der Schulkinder vernachlässigte und die Zeit außer seinem Hause und seiner Gemeinde zubrachte. Dadurch geriet er bei seinen Pfarrkindern in Mißkredit. Dazu kamen die materiellen Sorgen, wie dies in so armen Gemeinden auch nicht anders möglich war. Zauner verlangte, was ihm an Einkünften gebührte und wies auf die Leistungen unserer Gemeinden hin. Hingegen viele in der Gemeinde betrachteten die Gebühr, welche sie zu leisten schuldig waren, als bloßes Geschenk. In seiner Verzweiflung wollte Zauner katholisch werden. Selbst vor seiner Gemeinde äußerte er sich dahin, daß falls er römisch-katholisch wäre, hätte er schon längst Domherr sein können. Seine andere leichtsinnige Redensart war, daß er seine Predigten fertig mache, während er sich die Stiefel anziehe. Er hat sich auch schwerlich auf seine Predigten vorbereitet. Er hatte stehende Gedanken, so daß seine Predigten stereotyp waren. Dazu der ohrenzerreißende hohe Gesang der Gemeinde. Ohne Orgel war es kaum möglich, die Predigt erbaulich vorzubereiten. Ohne Orgel ist auch die Liturgie armselig. Zauner war ebenfalls Pfarrer und Lehrer. Seine Einkünfte betrugen: 132 Florint CM; 10 Preßburger Metzen Korn, 6 Eimer Wein, 10 Klafter hartes Brennholz. Für eine Taufe bekam er 30 Kreuzer, für Vorsegnung 15 Kreutzer, für eine Trauung 1 Fl., für ein einfaches Begräbnis 36 Kreutzer, mit Leichenrede 1 Fl. und als wöchentliches Schulgeld von jedem Kinde 3 Kreutzer. Zauner verrichtete sein Amt mit Seufzen und Unlust. Jedoch er hatte viel zu leiden. Wer wollte den ersten Stein auf ihn werfen? Er starb am 18. September 1863. Er ruht neben seinem Vorgänger Samuel Kutcsera. Es betrauerte ihn die Witwe mit fünf Töchtern, sie erhielt ihr Salär bis 1. Jänner 1864. Im Jahre 1832 ließ Andreas Schießler, Kantor, den bisher noch roh dastehenden Altar auf eigene Kosten bemalen. Auch wurde das Pfarrhaus erweitert, indem man aus dem bisherigen Schulzimmer ein Wohnzimmer machte, und das Schulzimmer ganz hinten, wo früher der Stall, der Holzschuppen samt dem Studierstübchen stand, errichtete. 1837 hat man einen Steinriegel vom Pfarracker weggeräumt und daraus eine Schuppen erbaut. 1854 wurde aus der vorderen offenen Küche eine Sparherdküche, da sich beim Schulzimmer ohnehin eine offene Küche befand. Endlich hat man auch den Hof geschlossen und ließ ein Hoftor machen. Im Jahre 1832 dankt Senior Richter ab, sein Nachfolger als Senior wurde Dionisius Doleschal in Modern. 1835 nach Billnitzas Tode, hat man Franz Samuel Stromsky, Pfarrer in Preßburg, zum Superintendenten gewählt. Auch gründeten die Pfarrer und Lehrer des Seniorates einen Witwen- und Waisen-Pensionsverein, zu welchem Zwecke die Gemeinde das Opfer und Klingelbeutelgeld vom Erntedankfest bewilligte. 1837 drohte die Kirche einzustürzen. So hat man nun das schwere Ziegeldach samt dem Türmchen abgenommen, ein Schindeldach verfertigt und die beiden Seitenmauern durch das Gewölbe mittels Eisenstangen zusammengezogen. Das alles kostete 500 Fl. WW. Vom Jahre 1838 an, wurde jedes Haus verpflichtet, zur Bestreitung der kirchlichen Ausgaben jährlich in der Weinlese ein Viertel Most zu geben. 1855 verpflichtete sich die Gemeinde, daß jedes Haus auch dem Pfarrer, außer seinen 6 Eimern, jährlich ein Viertel Most zu geben haben. 1854 hat der Pädagoge Andreas Lautschek, von Bösing gebürtig, sein ziemlich großes Vermögen zu wohltätigen Zwecken vermacht und so auch unserer Gemeinde 1000 Fl. CM. gespendet. Weil aber die Erbsteuer 80 Fl. betrug, so blieben unserer Gemeinde nur 920 Fl. CM. oder 966 El. OW. Diese Summe verwaltete die Bösinger Gemeinde und zahlte 5% Zinsen.

Als 1863 hiesiger Mitnachbar Andreas Steberl der Gemeinde 100 OW. vermachte, betrug die Erbsteuer bereits 10 Fl. 67 Kreutzer OW. Im Jahre 1859 schaffte sich die Gemeinde um 500 Fl. eine Orgel mit 8 Registern an, welche bereits gebraucht war. Dieselbe wurde am 7. Juni 1860 auch eingeweiht. Der Kantor Jakob Draxler schenkt der Gemeinde einen gläsernen Hängeleuchter, ließ Altar und Kanzel ausmalen und die Emporkirche ausstreichen. Kantoren waren seit 1810-1860: Michael Spatzek, Andreas Schiessler und Jakob Draxler. Im Jahre 1848 hat die Gemeinde das Pfarrhaus vom Lehramt getrennt und einen gewissen Krkoss zum Lehrer berufen, mit dem die Gemeinde zufrieden war. Weil diese aber ihren Pfarrer keine Entschädigung geben wollte, da er doch die Schuleinnahmen verloren hatte, so mußten sie schon nach einem Jahr den Lehrer entlassen. Zauner aber behielt die Schule bis 1860. 1860 wählte die Gemeinde den gewesenen Gymnasialschüler Stefan Lenhardt zum Schullehrer. Der Pfarrer erhielt 60 Fl. jährlich als Entschädigung. Lenhardt wurde 1840 in Preßburg geboren, heiratete 1863 und starb 1866. Er soll ein guter Organist gewesen sein, weniger ein guter Lehrer, da er offensichtlich keinerlei Schulseminar besucht hatte. Sein Gehalt in bar betrug 100 Fl. OW., an Korn von jedem Haus 1/8, vom Wein eine freiwillige Gabe, ¼ gewöhnlich, 3 Kreutzer wöchentliches Schulgeld von jedem Kinde, samt ein Scheitel Holz täglich, usw. Seine Witwe, die mit Waisen zurückblieb, bezog das Gehalt bis 1. Juli 1860. Das berüchtigte K. Patent vom 1. September 1859 brachte einige Bewegung in unsere Gemeinden. Es wurde auch in Limbach angenommen, jedoch kehrte die Gemeinde im Juni 1860 zur Autonomie zurück. Von da an zahlte sie an die Distriktualkasse außer den 2 F1. 52 Kreutzer Interessen, noch einen jährlichen Betrag von 8 Fl. 22 Kreutzer. Senior war damals Karl Hollerung, deutscher Pfarrer in Modern. Der 1849 von der Regierung abgesetzte Superintendent Stromsky erhielt sein Amt wieder von seiner Diözese zurück. Jedoch er dankte bald ab. Und am 22. August 1861 wurde Ludwig Geduly, deutscher Pfarrer zu Preßburg als Superintendent eingesetzt. Das Reformationsfest beging die Gemeinde erst seit 1838 an zu feiern. Bis 1845 hat man bei uns das alte, gläubige Preßburger Gesangbuch gebraucht. Im letztgenannten Jahre führte man in Preßburg das neueste und vollständige (?) Preßburger Gesangbuch ein. Die Zahl der unehelichen Kinder blieb verhältnismäßig gering, aber an Übertritten zur katholischen Kirche fehlte es nicht, obgleich auch Übertritte zu unserer Kirche vorkamen. Auch die Herrschaft demoralisierte die Gemeinde, indem sie die 8 Fuhren Brennholz und 4 Fuhren Bauholz, welche jedem Hause zukamen, auf 6 Fuhren Brennholz reduzierte und den gemeinschaftlichen Wald, als nur den Grafen gehörig betrachtete. (Anm. Eine Auswirkung der Bauernbefreiung) Den Schaden, den das Wild in den Weingärten machte, nicht ersetzte und so die Gemeinde zwang, auf andere Weise zu entschädigen. Zu Zauners Zeiten betrug die höchste Zahl der Getauften 29, die niedrigste 14; die höchste Zahl der Getrauten 14, die niedrigste 0; die höchste Zahl der Beerdigten in normalen Verhältnissen 40, im Cholerajahr 1831 40; 1849 waren es 38, die niedrigste 9. So muß die Seelenzahl zwischen 500-530 geschwankt haben. Anfang Jänner 1864 befanden sich in Limbach 525 evang. A.B., 125 röm. kath. und 8 Juden, zusammen 658 Seelen; die röm.kath. waren 1848 ungefähr 160 Seelen. Es waren auch selten mehr Wohlhabende zu finden. Inleute, Waldförster, Jäger, Mühljungen, Knechte, Zigeuner usw. Im Jahre 1864 gehörte außer dem Schulhause, 13 Hausnummern kath. Eheleuten an und 2 gemischten Paaren. 1816-1837 war Nebesar zugleich Notar, Lehrer und Glöckner. Sein Nachfolger Jankovitsch war nur Notar. Jedoch schon zu seiner Zeit ist Kliment als Lehrer angestellt worden. Dieser wurde später bis 1850 zugleich Notar. Zur Zeit der Bachschen Bürokratie waren Bezirksnotare angestellt. 1861 zur Zeit des Landtages ist der evang. Lehrer Lenhardt Notar gewesen, hat aber bald abgedankt. Seit der Zeit ist kein selbständiger Notar angestellt. Nach 1848 hätte der röm. kath. Gottesdienst beinahe aufgehört, der Grünauer Pfarrer war verpflichtet, 4 mal im Jahre in Limbach die Messe zu lesen, hierfür erhielt er von seinen Pfarrkindern 27 Fl. CM. Familiengeld jährlich. Da er aber nicht imstande war, diese Summe von den Einzelnen einzutreiben, bewog er den damaligen röm. kath. Richter Josef Sandtner, einem Sprößling gemischter Ehe, daß er ihm diese Summe aus der Gemeindekasse auszahle. Dieses ungerechte Vorhaben unterstützte auch der bigotte (scheinheilige) Stuhlrichter Scherz 1856. Zauner hat wohl dagegen protestiert, aber dem Streite wurde dadurch ein Ende gemacht, daß der evang. Pfarrer auch jährlich 27 Fl. CM. aus der Gemeindekasse erhält, obgleich die Evangelischen mindestens 10 mal soviel an Steuern zahlten, als die Katholischen. Vor 1848 soll die Armut in Limbach groß gewesen sein. Bei der herrschaftlichen Robot (dem Zehent), den Abgaben usw. konnte aus dem Weinbau kein großer Nutzen gezogen werden. Nach 1848, befreit von dem lästigen Drucke ihrer Grafen, hob sich die Gemeinde trotz der großen und verschiedenen Steuern. Der Weinbau wurde nun pünktlich betrieben.«

 

Hier endet der Bericht von Pfarrer Frecska. Wer seinen Bericht über Limbach fortsetzte, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls wurde noch nachschriftlich berichtet:

 

»Schon vor seinem Amtsantritt hatte die Kirchengemeinde mit opferwilliger Selbstbesteuerung das hiesige grundherrische Graf Pallfische Schankregalrecht, nebst dem dazugehörigen Wirtshaus, um den Kaufpreis von 5500 Gulden angekauft und trat am 1. Jänner 1864 in dessen Besitz und Genuß. Das Wirtshaus wurde zum Pfarrhaus umgebaut, das Schankrecht in dem Gemeindehaus Nr. 84 fortan in der Weise ausgeübt, daß es von 3 zu 3 Jahren verpachtet, den Grund zur materiellen Besserstellung der Verhältnisse der Kirchengemeinde legte. Fast alljährlich konnten infolge dessen notwendige Veränderungen an den Kirchengebäuden vorgenommen werden, wie auch die Besoldungen des Pfarrers und Lehrers günstiger gestaltet wurden. So wurde außer dem Umbau des Wirtshauses zum Pfarrhaus im Jahre 1867 das Schulzimmer repariert, erhielt 1868 die Kirche ein ganz neues Ziegeldach, 1869 das Pfarrhaus. Ebenfalls wurde 1870 die Kammer des Schulhauses gewölbt, das Schulzimmer vergrößert und erhöht. 1874 wurde ein neues Schulzimmer hinten angebaut und das Ganze mit Schieferdach bedeckt. Das Pfarramt war bereits 1860 vom Lehreramt getrennt worden, ein besonderer Lehrer in der Person des Stefan Lenhardts gewählt worden, welcher jedoch nach 6 jähriger Wirksamkeit am 18. Feber 1866 starb. Zur Wohnung war ihm ein Zimmer im Gemeindehaus Nr. 84 angewiesen worden. Bis nach Ankauf und Umbau des Wirtshauses übersiedelte der Pfarrer dorthin, worauf das ehemalige Pfarrhaus zum Schulhause wurde. Als Nachfolger Lenhardts wirkte vom 1. Mai 1866 - Ende 1870 Mathias Rehling, früher Hilfslehrer an der Realschule in Oberschützen, welcher von hier dann durch die deutsch evang. Gemeinde in Modern berufen war. Nach ihm wurde 1871 Samuel Frühwirt, Lehrer in Rechnitz, zum Lehrer unserer Gemeinde gewählt, folgte aber schon am 1. September des selbigen Jahres einem Ruf der evang. Gemeinde zu Preßburg, wo er bis heute sehr beliebt zum Direktor der evang. Volksschule emporgestiegen ist. Sein Nachfolger hier wird Johann Bruckner, früher Lehrer in Schleining, der jedoch 1873 wieder dorthin zurückging. Erst nach beinahe fünfmonatlicher Vakanz, wegen Mangel an Lehramtkandidaten, ist zu seinem Nachfolger Karl Wowy, Lehrer in Schütt-Somerein gewählt worden, welcher bis zum Jahre 14.2.1896 allhier wirkte und dann mit dem Tode abging. Nachher wurde Karl Böhm, Lehrer in Röden, hierhergewählt, welcher seitdem hier segensreich wirkt. Das Amt eines Inspektors bekleidete 1864-68 Herr Ernst von Andrä, Gutsbesitzer in Tirling. Wann aber und warum er demselbigen entsagte, ist nirgends ersichtlich. Im Jahre 1892 erwählte die Gemeinde Herrn Karl Lenhardt, Direktor der königlichen, ungarischen Staatslehrerpreparandie, den Bruder des einstmaligen Lehrers, zum Kircheninspektor, welcher am 30. November in feierlichem Gottesdienst und dernach abgehaltenen Konvente in sein Ehrenamt eingeführt wurde. Er wurde 1897 zum Senioratsinspektor des evang. Preßburger Komitat Seniorat einstimmig gewählt. Zu Frecskas Nachfolger im Pfarramte wurde am 21. Januar 1877 Hermann Scharbert, Kaplan der evang. deutschen Gemeinde Masso Bereny, erwählt. 1879 wurden an Stelle der alten 2, neue Altarbilder angeschafft. 1881 wurde allhier die Waldkommersation durchgeführt, wodurch das Pfarramt zum Genusse von einer Session Wald, der Lehrer einer halben Session gelangte. Bei der Feldkommersation im Herbst vorher, erhielt das Pfarramt 3 Joch, das Lehramt 1½ Joch Ackerfeld zugewiesen. 1883 den 10. und 11. November wurde der 400. Jahrestag der Geburt Luthers gefeiert und zum bleibenden Andenken daran, ein Turmbaufond gegründet, welcher nun bis August 1900 soweit gewachsen ist, daß der Bau nächste Woche begonnen werden soll. Im Jahre 1889 verlor die Kirchengemeinde infolge der im ganzen Lande durchgeführten Regalienablösung (Anm.: Regalien sind Hoheitsrechte, die seit fränkischer Zeit der königlichen Gewalt zustanden, z.B. Gerichtsgelder, Zölle, Steuern, Fischereirechte, Bergregal etc.) auch ihr 1564 angekauftes Schankrecht, erhielt jedoch als Entschädigung hierfür eine vom Staate garantierte Regalentschädigungsobligation lautend über die Summe von 9.000 Gulden, deren 4½% Zinsen 427 Fl. 50 Kreutzer in halbjährigen Raten durch das königliche Steueramt in Preßburg ausbezahlt wird. So kam es dazu, daß die Gemeinde durch den Verlust des Schankrechts keinen Schaden an ihren Einnahmen erlitt. Im Jahre 1895 beschloß die Gemeinde, um das Wachstum des Turmbaus zu sichern und mittels desselbigen den fehlenden Turm bis zu dem hundertsten Jahrestag des Bestandes der Gemeinde hinzuzubauen zu können, sich selbst zu besteuern. Es wurde dazu eine Kommission gewählt, welche sämtliche Gemeindemitglieder nach dem Verhältnis ihres Vermögens in vier Klassen einteilte, deren erste 25 Fl., zweite 20 Fl., dritte 15 Fl., vierte 10 Fl. durch vier Jahre in den Turmbaufond einzuzahlen hatten. Diese Klassen wurden späterhin noch mit zweien ergänzt, die fünfte 5 Fl., die sechste 3 Fl. festgesetzt, womit sich die hierzu zusammengerufenen und hiervon kenntnisnehmenden Gemeindemitglieder zum allergrößten Teil freudig bereit erklärten.«

 

Hier enden die schriftlichen Berichte über Limbach und von nun an muß ich mich auf die Aussagen der Limbacher selbst verlassen, sowie auf die Literatur, die ich zu dem jeweiligen Zeitraum verwendete.

 

6.    6. 1918 - 1945

 

Der 1. Weltkrieg mit seinen Verlusten brachte große Umwälzungen mit sich. Die Auflösung des österreich-ungarischen Reiches war eine Bedingung Wilsons für den Waffenstillstand. Ungarn erhielt eine selbständige Regierung. Der österreichische Kaiser dankte ab und ging ins Exil. Auch das Deutsche Reich wurde zum ersten Mal eine Demokratie. 1919 wurde der Friedensvertrag zwischen Deutsch-Österreich und den Ententestaaten unterzeichnet, der zur Folge hatte, daß Ungarn nun endgültig von Österreich getrennte wurde. Südtirol fiel an Italien; Italien vergrößerte sich um Triest, Istrien, Teile von Kärnten, Dalmatien und die dalmatinischenl Inseln; die selbständigen Staaten Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und Jugoslawien wurden anerkannt. Dem neuen Bundesstaat Österreich wurde der Anschluß an das Deutsche Reich untersagt. Im Friedensvertrag von Trianon trat Ungarn die Slowakei an die Tschechoslowakei ab, Westungarn (Burgenland) an Österreich, Kroatien-Slawonienl an Jugoslawien, das Banat an Jugoslawien und Rumänien, Siebenbürgen an Rumänien. Das ganze österreich­ungarische Kaiserreich zerfiel in viele neue Staaten.

Die Gesamtzahl der im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten betrug rund 10 Millionen, die Zahl der Verwundeten ca. 20 Millionen. Auch aus Limbach waren Soldaten im Krieg gefallen; die Namen der Gefallenen sind hier aufgelistet:

 

Gefallen:

 

Johann Schay

Johann Kreutz

Daniel Böhm

Stefan Haker

Josef Strba

Franz Malatschek

Friedrich Böhm

Johann Kreutz

Ludwig Kreutz

Karl Kreutz

Wilhelm Scharbert

Daniel Nerad

Johann Kreutz

Andreas Förster

Andreas Schüssler

Karl Weißmann

Johann Böhm

Karl Reichbauer

Josef Malatschek

Stefan Wiszbandtner

Samuel Nerad

Friedrich Schüssler

 

Zu Hause gestorben:

 

Leopold Schüssler

Stefan Mitterholzer

Johann Mitterholzer

Johann Schmidt

Moritz Scharbert

Michael Malatschek

Ludwig Hanusek

Paul Hedeker

Johann Strba

 

Da die Männer eingezogen waren, mußten die alten Männer die fehlenden Lehrer ersetzen.

 

Es war sehr schwierig, Literatur neueren Datums für diesen Zeitraum zu finden. So mußte ich mich auf verschiedene Publikationen aus der Vorkriegszeit verlassen. Im Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums fand ich folgende Statistik über die Fläche und Einwohnerzahl Limbachs:

 

Fläche in Kat.Joch: 2671 (für 1910 u. 1920, 1 Kat.Joch = 0,575465 ha)

 

 

1880

Erwachsene insgesamt 746, davon dt. Muttersprache 645

1910

Erwachsene insgesamt 910, davon dt. Muttersprache 867

1920

Erwachsene insgesamt 906, davon dt. Nationalität     791

 

1930

Erwachsene insgesamt 949, davon dt. Nationalität     916

 

Eine neuere und meiner Meinung nach objektivere Darstellung dieses Zeitraums fand ich bei Egbert K. Jahn. Er stellt u.a. fest, daß die Slowakeideutschen nicht in einem geschlossenen Siedlungsgebiet, sondern verstreut, kaum ohne Beziehungen, in Inseln lebten. In Preßburg und Umgebung sollen zu diesem Zeitpunkt ca. 50.000 Deutsche gelebt haben. Er schreibt auch, daß das Nationalbewußtsein der Deutschen untereinander vor dem 1. Weltkrieg nicht existierte, vielmehr fühlten sich die Deutschen dem ungarischen Staat in einer Weise verbunden, wie sie sich dem tschechoslowakischen Staat nie zugehörig fühlten. Der Mitverlierer des 1. Weltkriegs Qsterreich-Unlgarn mußte den Zusammenbruch seines Vielvölkerstaates hinnehmen. Der Exilpräsident Benes erhielt von den Entente-Mächten die Zustimmung zur Erweiterung der CSR bis an die Donau und tschechische Legionäre besetzten Preßburg. Preßburg wurde 1919 zur Hauptstadt der Slowakei und erhielt den Namen ‘Bratislawa‘. Der Abschluß des Friedensvertrages von Trianon am 4. Juli 1920 sicherte endgültig den Staat CSR einschließlich der Slowakei. Nicht nur die Deutschen, sondern auch die Madjaren, Ruthenen, Polen wurden so zu Minderheiten in der CSF und waren von der Slowakisierung betroffen. In der CSR gab es somit 46% Tschechen, 13% Slowaken, 28% Deutsche, 8% Magyaren, 3% Ukrainer und Polen. Die danach stattgefunden Volkszählungen z.B. die von 1921 sieht der Autor als nicht verläßlich an, da die Zahl der Minderheiten wohl zu gering angegeben wurde. Allerdings durften trotz Slowakisierungsbestrebungen 65,6% der Slowakeideutschen ihre Muttersprache bei den staatlichen Behörden verwenden. Nach 1918 lösten sich die evangelischen Kirchengemeinden in der Slowakei von der evangelischen Kirche Ungarns. Die vor 1918 national gemischten Seniorate Preßburgs wurden nun neu aufgeteilt, in ein deutsches Seniorat und in ein madjarisch/sIowakisches Seniorat. Ab März 1920 erschien in Preßburg das ‘Evangelische Gemeindeblatt‘ als Organ der Evangelischen Kirche. Die katholische Kirche blieb weiterhin national gemischt. Schließlich dürfen wir die Juden nicht vergessen, die schon immer in der Slowakei gelebt hatten. 1921 waren es 130.343 Juden und 1930 136.737 Juden.

 

Zur Wirtschaft sei zu vermerken, daß die Industrialisierung in der Slowakei erst sehr spät eingesetzt hatte. In Preßburg gab es folgende Firmen: Patronenfabrik, Hamburger Dynamit-AG, Kabelfabrik, Ölraffinerie, Stahlwerk-AG, Siemens EAG, Gummifabrik ‘Matador‘ und Textil- und Lebensmittelfabriken. In dem Zeitraum bis 1930 fand auch ein Rückgang der Schwerindustrie gegenüber der Leichtindustrie statt. Wichtigster Wirtschaftsfaktor blieb aber nach wie vor die Landwirtschaft. Der Weinbau lag vorwiegend in deutschen Händen.

Das Wahlrecht in der CSR war ein Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel für kleine Parteien. Die Parteien, die von den Slowakeideutschen gewählt wurden, waren:

 

- Zipser Deutsche Partei (ZDP)

-           - Sudetendeutsche Parteien: die einflußreichste sudetendeutsche Partei in Preßburg und Umgebung wurde   die Deutsche Nationalpartei (DNP)

-           - Madjarisch-deutsche Parteien

-           - Kommunistische Parteien

-           - Bund der Landwirte (BdL): hatte einigen Erfolg in den Dörfern der deutschen Weinbauern und den          Dörfern in der Schütt und in der Oberzips.

 

Seit den 20iger Jahren entstand auch ein Vereinswesen der Deutschen. Größte Bedeutung für die Entstehung des Nationalbewußtseins der Slowakei-Deutschen hatte der Deutsche Kulturverband (DKV), der Ortsgruppen in Preßburg und in der Nachbarschaft unterhielt. 1927 hatte dieser Verband bereits 270.000 Mitglieder. Mitbegründer war Samuel Frühwirth, der auch an der Gründung fast aller deutsch-völkischen Organisationen der Westslowakei beteiligt war. Die Aufhebung vieler deutscher Schulen in den Sudetenländern führte zur Abwanderung vieler Lehrer in die Karpathenländer; sie brachten auch das sudetendeutsche Gedankengut mit. Die ersten Gemeindewahlen in der Slowakei ergaben Wahlsiege für die ‘Vereinigten deutschen Parteien‘ (DNP, BdL, DDFP (Anm.: Deutsch- demokratische Freiheitspartei, (Jahn S. 115)); in Preßburg selbst erhielten sie nur 3 Mandate, in den Gemeinden um Preßburg 93 Mandate. Selbst die kommunistische Partei (KPC) hatte eine große Anhängerschaft unter den Deutschen. Allerdings entfiel der größte Teil der deutschen Stimmen immer noch auf die madjarisch-deutschen Parteien. 1929 kandidierten erstmals deutsche Parteien in allen 7 Wahlkreisen. Die Stimmverteilung in Limbach änderte sich mehrmals; 1920 als noch keine deutschen Parteien zur Wahl standen, erhielten die tschechoslowakischen Volksparteien ca. 88% der Stimmen; 1923 erhielten die Vereinigten Deutschen Parteien 80% der Stimmen; 1925 der BdL 69% der Stimmen und die restlichen Stimmen gingen an die tschechoslowakischen Agrarparteien. Jahn kam bei dem Wahlverhalten der Deutschen zu dem Schluß: »Die durch den Weinbau bestimmte ökonomische und soziale Situation der Gemeinden war also offensichtlich der für alle Wahlen maßgebliche Faktor der Stimmabgabe, nicht so sehr die Nationalität.« (Jahn S. 131) Allerdings muß man beachten, daß diese Aussage nur für den Zeitraum bis 1929 gilt. Der Grund, warum Limbach trotz allgemeiner Zuwanderung von Tschechen und Slowaken so rein deutsch blieb, sieht Jahn darin, daß das ‘wohlhabende‘ Weinbauerndorf etwas abseits der Hauptstraße von Preßburg liegt. Auch sei es nicht vom Verstädterungsprozeß der Zwischenkriegszeit erfaßt worden und bewahrte so seine alte Bevölkerungsstruktur.

 

1938 entschied das Münchner Abkommen über die CSR. Sie sollte die deutsch besiedelten Randgebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens räumen und an Deutschland abtreten. Es erfolgte auch die Annexion der sudetendeutsehen Gebiete durch Hitler. Aber das war nur ein Vorwand; 1939 schließlich zerschlug er die CSR ganz und deutsche Truppen marschierten ein. Die Slowakei erhielt die Autonomie unter dem Ministerpräsidenten Dr. Tiso. Am 23.3.1939 wurde ein Schutzvertrag zwischen der Slowakischen Republik und dem Großdeutschen Reich abgeschlossen. Vertreter der Karpatendeutschen im slowakischen Parlament waren Franz Karmasin und Pfarrer Josef Steinhübl. Ab 1939 begann die Ausschaltung der Juden im öffentlichen Leben; jüdische Geschäfte, Fabriken etc. wurden in ‘arische Hände überführt‘, ein verschönertes Wort für Beschlagnahme. Im Juni 1941 kamen 516 Juden der Slowakei, im September 1941 bereits 5000 Juden in Arbeitslager. Im Deutschen Reich wurde die Umsiedelung der Juden in der Slowakei nach Polen beschlossen; die slowakischen Behörden gaben zuerst nach, aber nach heftigen Protesten aus dem Vatikan und von protestantischen Bischöfen wurde die Umsiedelung eingestellt; 58.000 von ihnen waren aber bereits deportiert worden.

In der Slowakei wurden 5 Konzentrationslager errichtet:

 

-  Preßburg Patronenfabrik         - Deutschendorf

-  Sillein                                     - Novaky

-  Sered

 

Nach dem Partisanenaufstand übernahmen die Reichsdeutschen die grausame ‘Endlösung‘ der Juden. Von den 58.000 deportierten Juden kehrten nur noch 242 zurück. Der Gesamtverlust unter den Juden betrug ca. 90.000.

 

Nach der Autonomieerklärung der Slowakei wurde die ‘Deutsche Partei (DP)‘ als Vertretung der Karpathendeutschen gegründet. Ihr Abzeichen in der Fahne war das Hakenkreuz. An die Spitze wurde ein Volksgruppenführer auf Lebenszeit gewählt. Der Partei unterstanden auch die Deutsche Jugend (DJ), die Freiwillige Schutzstaffel (FS) und alle Vereine. Die DP übernahm nicht nur Vermögen sondern auch die Organisation aller ehemaligen deutschen Parteien und Verbände. Alle Zeitungen und Zeitschriften wurden gleichgeschaltet. Die ‘Volksstimme‘, ‘Neue Preßburger Zeitung‘, ‘Karpathenpost‘ stellten unter Druck ihr Erscheinen ein. Es verblieben als Zeitungen der ‘Grenzbote‘, und ‘Deutsche Stimmen‘. 1940 wurde die Hauptleitung der DP nach Preßburg verlegt.

 

Herr Ferko berichtet uns über diese Zwischenkriegszeit

 

»Den Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen erlebte Limbach in seiner traditionellen Weise. Diese tausend Deutschen hatten es schon unter österreichisch-ungarischer Herrschaft verstanden, nicht den starken Magyarisierungsbestrebungen zu unterliegen, und nach der Eingliederung in die CSR der Assimilierung der slowakischen Umgebung zu widerstehen. Das Dorf kapselte sich ab, Trauungen wurden meist nur unter deutschen Familien geschlossen, oder sie suchten sich ihre Partner in den Nachbardörfern Grünau, Bösing und St. Georgen. Auch die Bewohner slawischer Abstammung paßten sich an, was die slawischen Namen, die häufig in Limbach zu finden waren, wie z.B. Oharek, Okaty, Wawrinski bezeugen.

Die Verschlossenheit der Gemeinde lag aber auch in der wirtschaftlichen Unabhängigkeit begründet. Sie waren völlig autark, konnten fast alles allein herstellen. Ein weiterer Grund der Kompaktheit der Limbacher Gemeinde war der Mangel an Grundstücken, unter welchem die Gemeinde litt. Umschlossen von drei Seiten von den Karpathen spürte Limbach einen Überschuß von Arbeitskräften und sie mußten Grundstücke in Grünau und Bösing, auch in Cajla, suchen. Was waren das für Menschen? Im Weingarten sind sie geboren, wuchsen dort auf und starben oft auch dort.

Der Weingarten war ihre erste und letzte Liebe und sorgfältig wurde er bearbeitet. Berühmt war vor allem der ‘Zierfandler Wein‘, und am berühmtesten der Jahrgang 1917, der wie ‘Öl‘ gewesen sein soll. In der Wirtschaftskrise 1930 hatten auch die Limbacher große Schwierigkeiten, ihren Wein zu verkaufen und die Fässer blieben voll. 1928 kam ein neuer Pfarrer ins Dorf, Arthur Hrivnak. Er half den Weinbauern, Werbung für ihr Produkt in der Sudetendeutschen Lehrerzeitung zu machen, und bald kamen aus dieser Gegend Bestellungen. Der Vorgänger des Pfarrers Hrivnak, war Hans Mollner, der knapp vor dem ersten Weltkrieg einen Weingärtnerverein Limbach gründete, eine Selbsthilfegenossenschaft‘ die den Bauern half, Weingartengeräte, Chemikalien, Schwefel u.a. zu kaufen. Gleich nach dem 1. Weltkrieg wurde dann eine richtige Raiffeisengenossenschaft in Limbach gegründet, welche den Wein direkt bei den Bauern ohne Zwischenhändler aufkaufte. Im Verlauf der Jahre kaufte die Genossenschaft schließlich die alte Mühle der Draxler Brüder und so war der Grundstein für den heutigen Limbacher Keller und Ausschank gelegt. Am Anfang des 2. Weltkriegs interessierte sich das reichsdeutsche Kapital für den Limbacher Wein, und in Limbach, Ratzersdoff und St. Georgen entstand eine deutsche Winzergenossenschaft, welche der reichsdeutsche Dr. Rohr führte. Limbach bekam aus Deutschland eine unwiderbringliche Anleihe in Höhe von 2½ Millionen slowakischer Kronen. Die alte Draxler Mühle wurde abgerissen und die Preßburger Firma Termostav baute auf ihrem Platz umfangreiche Keller, hydraulische Pressen, die einen Druck von 300 Atü hatten. Der Wein wurde in der Zeit des 2. Weltkriegs nach Deutschland geliefert. In jedem Kriegsjahr führte Limbach zwei Züge je 50 Waggon (10.00 Hektoliter) aus.«

 

Trotz des Weinbaus waren die Arbeitsmöglichkeiten in Limbach knapp und so gingen auch viele Limbacher nach Deutschland zum Arbeiten.

 

Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg, der riesige Verluste forderte. 1941 trat die Slowakei in den Kampf gegen Sowjetrußland ein. Im September 1941 forderte die tschechische Exilregierung in London die Westgrenze vor dem Münchner Abkommen und die Vertreibung der Sudetendeutschen. Die USA und die UDSSR stimmten zu.

7.   

       7. Das Kriegsende und die Vertreibung

 

Das Buch ‘Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa‘ (siehe Literaturliste) beschreibt sehr bewegend dieses schlimme Kapitel der Geschichte. Ab Juni 1944 änderte sich das bis dahin recht normal verlaufende Leben in der Slowakei. Die amerikanischen Bomber bombardierten zum ersten Mal die Stadt Preßburg und die ganze Westslowakei wurde in Angst und Schrecken versetzt. Rußland setzte nächtlich, geschulte und ortskundige Tschechen und Slowaken als Partisanen ab, denen sich Unzufriedene anschlossen, das Land infiltrierten und plünderten, Deutsche verschleppten und ermordeten. Es kam zu Greueltaten in der Slowakei an den Deutschen. Die deutschen Führer in Preßburg nahmen die Lage aber nicht ernst. Sogar die nahe Preßburg gelegenen Garnisonen, Tyrnau und Neutra, drohten zu den Partisanen überzulaufen, was auch teilweise geschah. In einer Rundfunkansprache ermahnte der Präsident die Slovaken zur Besinnung. Deutsche SS-Einheiten schlugen den Partisanenaufstand nieder und verhafteten viele davon. Der Hauptteil der Partisanen aber tauchte unter und erschien mit den Sowjetrussen 5 Monate später wieder. In der Mittelslowakei hatten sie fürchterliche Verwüstungen angerichtet. Im Gegensatz zu den Tschechen sei der Anteil der slowakischen Bevölkerung, der an der Deutschenjagd teilgenommen hatte, nie sehr groß gewesen. Die plündernden und mordenden Elemente entstammten meist der entwurzelten Bevölkerung aus den industriellen Städten. “Von einem nationalen Haß der breiten slowakischen Bevölkerung“, schreibt Dipl Ing. H.F. aus Preßburg in der ‘Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa‘ (Nr. 129, S. 732) “habe ich nie etwas zu spüren bekommen. Selbst die besitzlose slowakische Bevölkerung von Preßburg und Umgebung war nicht so weit gegen die Deutschen aufhetzbar, daß sie nach der Vertreibung der Deutschen ihre Besitzungen übernommen hätten. Sonst wäre es nicht notwendig gewesen, in die Preßburger Sprachinsel die ärmsten Slowaken aus der Magura und der Orawa zu befördern.“ Wegen der Partisanen und dem Heranrücken der Russen wurden schließlich Frauen und Kinder und alte Leute im Januar 1945 in das Sudetenland evakuiert. Die älteren Männer wurden zum Heimatschutz beordert, der den Schutz der Heimatgebiete übernehmen sollte. Am 17. März 1945 erklärte Benes in Moskau die CSSR zu einem Nationalstaat ohne Minderheitenrechte. Am 1. April waren russische Einheiten bereits bis nach Grünau und Bösing vorgedrungen und die Leute, die noch im Dorf waren, spannten ihre Pferde ein und gingen zu Fuß bis in die Wachau, um vor den Russen zu flüchten. Am 5. April waren die russischen Armeen bereits in Preßburg angekommen. Am 7./8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht. Am 19. Mai 1945 erließ Benes ein Dekret über die Beschlagnahmung des gesamten deutschen Eigentums in der CSSR. Am 2. August 1945 wurde den Sudetendeutschen die tschechische Staatsbürgerschaft aberkannt. Die Potsdamer Konferenz der 3 Großmächte wollte eine humane Ausweisung der deutschen Bevölkerung aus Polen, CSSR und Ungarn, die aber nicht so verlief. Im Februar 1946 kehrten die Familien, die ins Sudetenland evakuiert worden waren, nach Limbach zurück. Im Mai 1946 wurden sie ins Lager gesteckt, die Limbacher kamen in die Lager Engerau, Patronenfabrik und Kuhheide. Die ‘Dokumentation der Vertreibung‘ enthält auch eine Beschreibung des Lagers Limbach (S. 809).

Viele Deutsche versuchten, sich der Aussiedlung zu entziehen; sie glaubten, daß sich die Verhältnisse wieder beruhigen würden. Manche kehrten sogar heimlich wieder zurück, wie zwei Limbacher Weinbauern, die zurückgingen, ihren Besitz verteilt vorfanden und nach einigen Tagen Haft wieder über die Grenze abgeschoben wurden.

 

 

Hier endet die Geschichte des Dorfes Limbach für die deutschen Bewohner. Sie leben mittlerweile in ganz Deutschland verstreut, einige sogar in den USA, ein paar verblieben in Limbach.

 

 

veröffentlicht von Herta Brydon, den 5. November 1991

 

Home page Norbert Gschweng              

© 2000 by Norbert Gschweng, Domstraße 63, D-17489 Greifswald, e-mail: Norbert@Gschweng.de