Nachfolgend ein Auszug aus der gedruckten Veröffentlichung von Herta Brydon:
Limbach
Geschichte und Brauchtum
eines deutschsprachigen Dorfes
in der Slowakei bis 1945

Ich beschränke mich auf die Abschrift des Abschnittes über die Ortsgeschichte.
Die im Text vorkommenden Namen habe ich farblich hervorgehoben.
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eine zweite Auflage des Buches ist erhältlich:
Preis für 1 Buch Limbach: € 35,-
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Geschichte des
Dorfes
1.
1.
Vorgeschichte
Die
heutige Slowakei, zu deren Gebiet das Dorf Limbach gehört, war seit der jüngeren
Altsteinzeit besiedelt. Die Wälder und Flüsse der Karpatenhänge zogen immer
wieder Siedler an, Fundorte an verschiedenen Stellen der nahen Umgebung bezeugen
dies. Die ältesten Zeugen stammen aus dem Zeitraum ungefähr vor 60.000 Jahren;
sie wurden in der Grotte “Djerava Skala“ (Lochfelsen) auf der anderen Seite
der Karpaten, in einer nicht großen Grotte auf dem linken Abhang Zarorinka
gefunden. Sogar unweit von Limbach fand Franz Slavik, Oberförster, eine kleine
Steinhacke aus grünlichem Jaspis. Bei Ausgrabungen in der Grotte entdeckten
Forscher vier kulturelle Schichten, Andenken aus Keramik, Ahle aus Bein, Schüsseln,
Bütten, Messer aus Wildschweinzähnen und Obsidian, auch ein Kindergrab. Das
Skelett war mit einem Stück Kupferblech zugedeckt. Die reichen Erzvorkommen des
Landes ermöglichten einen raschen Wechsel zur Bronzezeit (ca. 2000 - 1000 v.
Chr.).
Um
500 v. Chr. wurde dieses Gebiet ebenfalls von Kelten besiedelt. Mit dem 2.
Jahrhundert v. Chr. setzte die germanische Völkerwanderung ein und um Christi
Geburt wurde auch das Gebiet der heutigen Slowakei von ihnen eingenommen. In
Westeuropa wurde das fränkisch-merovingische Reich im 6. Jahrhundert n. Chr.
errichtet, während die Slawen von Osten weiter nach Westen vordrangen. Die
Tschechen und Slowaken, die sich auf ihren Zügen mit älteren Völkerschaften
vermischten, ließen sich in der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts im Herzen Böhmens
nieder. (Higournet 5. 30) Sie waren damals noch den Angriffen der plündernden
Awaren ausgesetzt. Diese kamen aus der Steppe Zentralasiens; den Chinesen waren
sie in der Mitte des 4. Jahrhunderts unter dem Namen Yuan-Yuan bekannt. Unter
dem Druck der Awaren geschah es, daß die tschechischen Stämme sich unter Samo
verbündeten und die Slawen bis an die Donau und in die Alpen vordrangen. Der südliche
Zweig dieser Slawen reichte sogar bis nach Westkärnten und in die Steiermark.
In relativ kurzer Zeit hatten die Slawen einen Raum besetzt, der wesentlich größer
war als ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet. Trotz alledem muß man sich im
klaren sein, daß auch danach die mitteleuropäischen Länder östlich der Elbe,
Saale und Donau nur spärlich besiedelt waren, jedoch nicht ‘leer‘, wie der
Historiker Charles Higournet schreibt. Der langsame Zerfall des Awarenreiches
ermöglichte den Slawenstämmen unter dem König Samo das Großmährische Reich
aufzubauen. Als die rebellischen Bayern bei den letzten Awaren um Hilfe suchten,
führte Karl der Große und sein Sohn Pippin Feldzüge gegen sie und zerschlug
ihre Festungen (791-797).
Die
restlichen Awaren gingen in der ansässigen Bevölkerung auf. Karl dem Großen
gelang es vorübergehend auch, daß die slawischen Völker die Grenzen seines
Reiches achteten. Die Siege über die Awaren erlaubten es ihm und seinem
Nachfolger, Ludwig dem Frommen, weiter nach Südosten vorzustoßen, bis in die
Pannonische Ebene (heutiges Ungarn). Das Weltreich des Karolingers Karl der Große
war ohne Zweifel ein durch Kriege erkämpftes Reich, die Habsburger später
schafften es, ihr Reich hauptsächlich durch das friedlichere Mittel der
Heiratspolitik auszudehnen. Aber die Zeit vor 1000 n. Chr. war vor allem eine
Zeit der Wanderungen, der Eroberungen und Festigung der Reiche.
Um 896 drangen die Ungarn in die Donau/Theiß-Ebene ein. Sie nannten sich selbst ‘Magyar‘ (Plural Magyarok), waren finnisch-ugrischer Herkunft - aus dem Raum zwischen Don und Donau - und verbreiteten überall Schrecken durch ihre Kampfesweise. Bereits 10 Jahre später schlugen sie die Mährer und die Bayern am 4. Juli 907 bei Preßburg, dessen Name hier zum ersten Mal als “Prezalausburg‘ erscheint, vernichtend und führten den Untergang des Großmährischen Reiches herbei. (Rhode 5. 38) Ein halbes Jahrhundert lang war das Reitervolk der Schrecken der westlichen Nachbarn und wurde erst 955 in der berühmten Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg entscheidend geschlagen. Für die Ungarn selbst bedeutete dies das Ende der Raubzüge und den Beginn der Seßhaftigkeit in dem Raum des heutigen Ungarns sowie die Christianisierung. (Rhode, Die Ungarn, ihr Königreich und das Dt. Reich) Im Jahre 1001 wurde Ungarn unter Stephan I. (997-1038) vereint und zum Königreich gemacht. Von Bedeutung für unsere Geschichte ist auch die Tatsache, daß Stephan kurz vor seinem Regierungsantritt die Schwester des Bayernherzogs und späteren König und Kaisers Heinrich II. heiratete, denn mit ihr kamen zum ersten Mal deutsche Ritter ins Land. Aus der Zeit Stephan I. stammte nicht nur die Kirchenorganisation, sondern auch die Verwaltungsorganisation, d.h. die Einteilung des Landes in Komitate mit den Gespanen als Oberhäupter. Nach Stephans Tod durchlebte Ungarn eine Reihe von Bürgerkriegen, die oft zu ausländischen Interventionen führten. Unter Ladislaus I. (1077-1095) wurde das Reich nach Südwesten ausgedehnt und Slawonien und Kroatien angeschlossen. Aus den vielen Arpadenkönigen ist erst wieder König Andreas II. (1204-1235) zu erwähnen, der den ungarischen Adligen große Freiheiten zugestand und den Siebenbürger Sachsen 1224 einen Freibrief gewährte, der ihre Rechten und Freiheiten aufzählte; sie wurden also eindeutig bevorzugt. Sein Nachfolger Bela IV. (1235- 1270) mußte sich mit den Mongolen auseinandersetzen, die große Landstriche ausplünderten, unter denen auch die Siedler sehr leiden mußten.
2.
2.
Erste deutsche Siedlerströme im 12. und 13. Jahrhundert
Das
12. und 13. Jahrhundert war eine Zeit der Wanderbewegung und die Gründe, warum
sich Deutsche, Flamen, und auch Holländer in diesem Jahrhundert aufmachten und
nach Südosten zogen, sind vielfältig. Zum einen kamen sie durch die
Eroberungen der deutschen Könige und Feudalherren in diese Länder, auch begünstigt
durch die Ausbreitung des Christentums, andererseits lagen die Gründe in einer
Bevölkerungsexplosion Westeuropas. (Higournet, S. 85) Unter dem Druck der plötzlich
schnell anwachsenden Bevölkerung wurde der Boden immer mehr aufgeteilt und die
Größe der Höfe schrumpfte. Auch waren die Belastungen der Bauern durch
Abgaben so groß, daß sie oft ihr Erbe verkaufen mußten und in fremde Länder
ziehen, wo Boden noch in Hülle und Fülle vorhanden war. Es ist sicher sehr
schwer festzustellen, warum gerade zu dieser Zeit die Bevölkerung so stark
zunahm. Andererseits darf man nicht vergessen, daß die Methoden des
landwirtschaftlichen Anbaus sehr einfach waren; die Erträge waren so gering, daß
man z.B. von einer Ähre höchstens 2-4 Körner ernten konnte. Also war sehr
viel bebaubares Land notwendig, um keine Hungersnöte aufkommen zu lassen.
Bauern aus dem Deutschen Reich suchten im Osten neuen Boden. Die Slawen hatten
bis zu einem gewissen Grad die deutschen Siedler auf ihren wenig besetzten und
bewirtschafteten Territorien willkommen geheißen. (Higournet S. 86) Meistens
verlief es so, daß zuerst die kriegerische Bewegung von den Fürsten ausging,
danach kam der friedliche Zug der Bauern und Handwerker, so wie es sich in der
Geschichte noch oft wiederholt hat. Große Wälder und riesige unbebaute
Landstriche fanden sie vor. Die allgemeine Besiedelungsdichte war so gering, daß
sich die ansässige Bevölkerung und die einströmenden Siedler nicht
behinderten. Der Einfall der Mongolen 1234 war so verheerend gewesen, daß
einige Landstriche buchstäblich entvölkert wurden, so daß die östlichen
Feudalherren, die Markgrafen, kirchlichen Würdenträger, Abteien, also deutsche
wie slawische Adlige, die Neubesiedelung vorantrieben. (Higournet S. 88) Zum
einen sicherten die Grundherren so ihre Stellungen in den eroberten Gebieten und
die Grenzen und gleichzeitig wurde Boden in gewinnbringendes Kapital verwandelt.
Nur bebaut brachte er dem Besitzer Geld - im Gegensatz zu heute. Gerade die
Bischöfe riefen nach Siedlern und die Abteien besaßen genügend Land und
hatten zuwenig Leute, dieses Land urbar zu machen. Auch den slawischen Fürsten
war es nicht entgangen, daß es sich lohnte, deutsche Siedler ins Land zu holen.
In Ungarn zogen die Arpadier (Könige von Stephan I. bis zu Andreas III.)
deutsche Bauern und Bergleute ins Land und noch in der Mitte des 12.
Jahrhunderts schickte der ungarische König Bela IV. Werber nach Deutschland.
Die Siedler aus der Mitte Deutschlands, die Franken und Thüringer, wanderten
nach Südosten, Böhmen, und die Bayern in das Becken der oberen Donau und in
die Alpenländer. Die Siedler erreichten ihr Ziel jedoch nicht in einer großen,
ununterbrochenen Wanderung, wie wir uns das gerne vorstellen, sondern die
Wanderbewegung zog sich bis ins 14. Jahrhundert hin, die allerdings dann zum
Stillstand kam. Man hat errechnet, daß ungefähr 200.000 deutsche Bauern im 12.
Jahrhundert nach Osten gezogen waren, das sind ca. 7% der Bevölkerung. (Higournet
S. 94) Ich schildere diese Gründe deshalb so ausführlich, weil Limbach bereits
in dieser Zeit gegründet wurde und, obwohl nicht bekannt ist, wer diese Leute
waren, ob Deutsche oder Slawen, so könnte gut sein, daß bereits zu diesem
Zeitpunkt Deutsche zugezogen sind. Außerdem war dies der Beginn einer sich über
800 Jahre hinziehenden Wanderbewegung, die mal stärker, mal schwacher
vonstatten ging. Auch blieben die Gründe für die Siedlungsbewegung im 16. und
17. Jahrhundert oft die gleichen, nur kam dann die religiöse Verfolgung dazu.
3.
3.
Vom 13.- 16. Jahrhundert
Das
ungarische Königreich, zu dem das Dorf Limbach gehörte, umfaßte zeitweise
nicht nur die Pannonische Tiefebene, sondern den ganzen inneren Karpatenbogen
mit der heutigen Slowakei bis zum Plateau von Siebenbürgen, Slawonien und
Kroatien. Die deutschen Einwanderer unterstützten die Ungarn bei der
Verteidigung ihrer Grenzen und trieben die wirtschaftliche Entwicklung des
Landes voran. Im 13. Jahrhundert, nach dem Abzug der Mongolen, setzte sich der
Landesausbau fort.
Ich
möchte hier - mit kleinen Änderungen - die Berichte über die Geschichte
Limbachs selbst sprechen lassen. Soweit es mir möglich war, habe ich versucht,
die Angaben zu überprüfen, aber im Großen und Ganzen muß ich den Berichten
von Herrn Vladimir Ferko und Pfarrer Frecska Glauben schenken.
Lassen
wir zuerst Herrn Ferko sprechen:
»In
dieser Zeit, im Jahre 1208, wurde auch das Bösinger Gemeindegebiet vermessen
und abgesteckt, die Eintragung wurde aufrechterhalten. Für die Limbacher ist es
deshalb wichtig, da in dieser Zeit die erste Erwähnung einer Siedlung und einem
Bach ist. Im Jahre 1216 erwähnte man es wie Hylyunie, 40 Jahre später als
Hylinik und im Jahre 1343 bekam es die Benennung Hilini. Es wuchs, wie die
Bewohnerzunahme, bis es ein Reihendorf bildete. Wie das 13. Jahrhundert für
Limbach endete, weiß man nicht. Es war das Jahrhundert des
tatarisch-mongolischen Einbruchs. Da es bekannt ist, daß bei der Schlacht mit
den Asiaten am Fluß Slama (11.4.1241) die Horden in 3 Richtungen nach Ungarn
durchdrangen, daß in der Westslowakei das Gefolge der Häuptlinge Ord und
Pejdar plünderten und wüsteten, und daß diesem grausamen Schicksal das Dorf
nicht entkam, können wir nur vermuten. Im Sommer 1242 starb der große Chan der
Tataren Ogotaj, und weil dem tatarischen Invasionskommandanten Bata mehr der
tatarische Thron interessierte als Ungarn, so zog er unerwartet ab. Zurück
blieben nur Brandstätten, Gräber und Tränen über die Ermordeten und die in
die Gefangenschaft verschleppten.«
Daß
das Dorf Limbach schon so früh gegründet worden sein kann, habe ich in
mehreren Darstellungen bestätigt gefunden. Dr. Hans Kaser beschreibt in seinem
Buch “Der Volks- und Kulturboden des Slowakeideutschtums“ ebenfalls, daß
die erste Einwanderungswelle bereits vor 1000 n. Chr. stattgefunden hatte, denn
die älteste, nachweisbare deutsche Sprachlandschaft war Preßburg, das 907 als
“Brezalauspurc“ erwähnt wird. Auch Hr. Neunteufl gibt eine deutsche
Besiedlung der Weindörfer der Kleinen Karpaten für den Zeitraum 1150-1300/1350
an. Die Einwanderer seien über die Preßburger Pforte vorgedrungen. Die
Herkunft der Siedler ist nicht mehr feststellbar. Laut Herrn Neunteufl seien sie
hauptsächlich aus dem Mittelbayerischen gekommen. Ins Waldgebiet der Kleinen
Karpaten seien auch Holzfäller aus dem südlichen Niederösterreich und aus der
Obersteiermark eingewandert. Von Bösing und St. Georgen (Preßburger
Weinbauernland) sei urkundlich bezeugt, daß sie bereits 1208 im Besitz eines
deutschen Grafengeschlechts waren, das allmählich die ganze Gegend erwarb.
Damit soll bereits vor der Tatarenzeit in fast allen späteren deutschen
Sprachgebieten der Slowakei sich das Deutschtum festgesetzt haben. Das Buch
“Preßburger Land und Leute“ gibt auch vielfältige Herkunftsorte der
deutschen Siedler an, die von Ober- und Niederösterreich, Salzburg, Böhmen,
Mähren, Schlesien, Steiermark, Bayern, Württemberg, Sachsen, Preußen,
Schleswig bis zur Schweiz reichen. Auch dort wird bestätigt, daß deutsche
Bauern sich Ende des 12. Jahrhunderts in der Gegend von Modern ansiedelten; die
deutsche Besiedlung soll aber erst nach dem Tatarensturm stark angestiegen sein.
Die ältesten Städteniederlassungen außer Preßburg waren St. Georgen, Bösing,
Modern, Thyrnau. Oberhalb von Bösing soll sogar nach Aussagen des Buches
“Preßburger Land und Leute“ vorübergehend Goldbergbau betrieben worden
sein.
In
dem erwähnten Jahrhundert hatten die Siedler aus dem Westen auch neue Techniken
wie die Dreifelderwirtschaft eingeführt. Wälder wurden gerodet und ausgebrannt
und so urbar gemacht. Man vermutet, daß durch das Vorrücken der Kolonisation
ungefähr 7,5% der Gesamtfläche neu erschlossen wurden. Nach den tatarischen
Verwüstungen sank die Zahl der Einwohner der Dörfer, auch Limbachs, wieder.
Bela IV. und seine Nachfolger riefen nach der Zerstörung wieder deutsche
Siedler ins Land. Ihnen wurde das Recht zugestanden, nach den Gesetzen ihrer
Heimat in der Fremde zu leben. In dem Jahrhundert nach dem Mongoleneinfall
entstanden in der Slowakei eine ganze Reihe von deutschen Siedlungen.
Ich
möchte an dieser Stelle einmal die Situation der Siedler beschreiben. Sie
erhielten ein Stück Land zur Erschließung und dafür mußten sie dem
Grundherrn jährlich oder halbjährlich Pachtzins zahlen (census, pensis,
tributum), der festgelegt, aber noch niedrig war. (Higournet S. 253) In den
ersten Jahren jedoch nach der Urbarmachung waren die Siedler von Abgaben befreit
und zwar je länger, je dichter der Wald und je unfruchtbarer die Erde war. Die
Siedler mußten jedoch den Kirchenzehnt bezahlen. Der größte Vorteil für die
Siedler war es aber, daß sie ‘frei‘ waren, d.h. sie hatten ein Höchstmaß
an Freiheiten und Rechten für die damalige Zeit und verglichen mit ihrer alten
Heimat. Dies führte zu einer besonderen Stellung der deutschen Zuwanderer
gegenüber der eingeborenen, slawischen Bevö1kerung, die von diesem ‘jus
teutonicum‘ nicht profitierte.
Im
14. und 15. Jahrhundert, kaum waren die letzten deutschen Siedler zugewandert,
zeichnete sich ein wirtschaftlicher Niedergang im Osten ab. Die Pest im 14.
Jahrhundert mit ihrem Massensterben führte dazu, daß sich ganze Dörfer
leerten, sie wurden als ‘Wüstungen‘ bezeichnet. Im Wiener Becken stellte
man für das 14. bis 16. Jahrhundert einen Schwund der bewohnten Orte um 40%
fest. (Higournet S. 271) Die Folge dieser Katastrophe war, daß diese leeren
Fluren wieder an den Grundherrn zurückfielen. Auch im Deutschen Reich machte
sich der Bevölkerungsschwund nach der Pest bemerkbar und konnte keine Siedler
mehr für die Abwanderung in den Osten entbehren. Während die deutschen
Siedlungen im Südosten allmählich verschwanden, erlebte die slawische
Bevölkerung einen Aufschwung. Auch hatte der deutsche Zustrom in dieser Zeit
ein Ende, denn durch das Erstarken der slawischen Fürstenhäuser unterbanden
sie den Zustrom der deutschen Siedler.
Die
Geschichte des Donau-Karpatenraums ist bis nach dem 1. Weltkrieg die Geschichte
des Königreichs Ungarn. In den 80 Jahren der Herrschaft der Anjou-Dynastie
festigte sich das Königtum Ungarn und wurde zu einer Wahlmonarchie. Der
Luxemburger König Sigismund (1387-1437) erreichte in seiner Amtszeit, Ungarn,
Böhmen und das Deutsche Reich unter seiner Herrschaft zu vereinen. Diese
riesige Aufgabe ließ ihn Ungarn vernachlässigen und er verlor endgültig
Dalmatien an Venedig.
Im
14. Jahrhundert wuchs die Türkengefahr für Europa immer mehr an und bedrohte
auch Ungarn. Ein kühner Vorstoß brachte den Sultan Bayezid I. 1395 bis an die
ungarische Grenze. Nach der Atempause durch den Sieg über Sultan Bayezid I.
(1402) hatte Sultan Murad II. 1421 die Expansion wieder aufgenommen. Nach dem
Fall von Konstantinopel 1453 zog Mehmed II. gegen Ungarn, das jedoch unter dem
Heerführer Johann Hunyadi noch einmal verteidigt werden konnte. 1457 zerbrach
die böhmischungarische Union und der ungarische Reichstag trat zusammen, um
über den Nachfolger zu entscheiden. Die Wahl fiel auf den Sohn des legendären
Türkenbekämpfers, auf Mathias Hunyadi (1458-1490). 1483 schloß Hunyadi mit
dem Sultan Bayezid II. einen Waffenstillstand und erreichte so eine längere
Ruhepause für sein Land. Hunyadis Errungenschaften lagen jedoch weniger im
politischen Bereich als in der Kultur. Er gründete unter anderem auch die
Universität in Preßburg. Unter Wladislaw II. von Böhmen (1490-1516) war die
böhmisch-ungarische Union wieder hergestellt. Durch die Heirat des Thronfolgers
und seiner Schwester mit den Enkelkindern des Habsburger Kaisers Maximilian I.
(1493-1519) und den Vereinbarungen auf dem Preßburger oder Wiener Kongress 1515
war Ungarn von 1505 an mit dem Habsburger Imperium für lange Zeit verbunden.
Die türkische Gefahr war jedoch größer denn je. In der berühmten Schlacht
bei Mohacs wurde Ungarn am 29.8.1526 vollständig und vernichtend geschlagen.
Fast alle hohen geistlichen und weltlichen Würdenträger, sowie der noch
blutjunge König Ludwig II. (15 16-1526) wurden getötet. Diese Schlacht bildete
das Ende des selbständigen und einheitlichen ungarischen Reiches für 200
Jahre.
Wir
wissen von Limbach aus dieser Zeit nur, daß es eine Kirche gab, die im oberen
Teil des Dorfes stand (beim heutigen Friedhof) und das erste Dorf sich um diese
Kirche gruppierte. Dr. Kaser schreibt, daß Limbach im Mittelalter
deutschsprachig und in deutschem Besitz geblieben sein soll. Bestimmt wurde das
Dorf in diesen Jahrhunderten wiederholt von den Seuchen und Türken heimgesucht
und von ihnen verwüstet. Da die Kirchenbücher erst ab 1811 geführt wurden,
ist uns über diese Zeit nichts sicheres bekannt.
4.
4.
Zweite Hälfte des 16.
Jahrhundert bis 1699
Es
ist mir nicht gelungen, absolut sichere Angaben über die Gründung des Dorfes
Limbach zu bekommen. Der Bericht von Herrn Ferko gibt die Gründung für das
Jahr 1208 an, wie ich bereits schilderte. In den Kirchenbüchern von Limbach
fand sich jedoch ein altes Dokument, das ich im Anhang abgedruckt habe und das
die Gründung auf die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts festsetzt. Vielleicht
bezeichnet dieses spätere Datum den Wiederaufbau oder die Wiederbesiedelung. Im
Bericht des Pfarrers Frecska heißt es aber auch nachschriftlich:
»Limbach
existierte schon 1507. Herr Hergotics in St. Georgen besitzt eine Urkunde vom
‘Capitulum kollegiale poloniense‘, datum seria sexta, proxima postfestum
beate Maria Magdalene, anno domini milesimo quigendesimo septimo (1507), laut
welcher Valentin Edler von Hideghedgy, seinen Grünauer Weingarten Neuperig/Neuberg
um 48 Florint dem Wolfgang Fassang in Lymba verkauft.«
Pfarrer
Frecska schildert eindrucksvoll Limbach in dieser Zeit:
»Die
Urbevölkerung der Gemeinde Limbach bestand meistens aus armen Emigranten, die
ihres Glaubens wegen aus Bayern und den österreichischen Erblanden vertrieben
worden sind. Im Laufe der Zeit schlossen sich ihnen noch etliche Familien aus
Württemberg an. Die Grafen Illeshazy, welchen die Bösinger Herrschaft
gehörte, erlaubte ihnen, sich in den am tiefsten, ins Gebirge einschneidenden
Talkessel, zwischen Bösing und Grünau anzusiedeln, welcher damals noch eine
vollständige Wildnis war. Da hieß es nun die Bäume auf den Hügeln zu roden,
Weinreben zu pflanzen und in den Tälern den Boden urbar zu machen. Wann dies
geschah und wie lange die Emigration dauerte und welche Zeit zur Gründung und
Regelung des Dörfchens erforderlich war, kann man nicht bestimmen. Dies geschah
wohl in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Soviel ist gewiß, die
Gemeinde wurde von dem Grafen Illeshazy beschützt, welcher sich der armen
Holzhauer annahm. Mutmaßlich halfen sie ihnen im Jahre
1583
die Kirche zu bauen, wie sie ihnen auch erlaubten, auf der Stelle zweier
ausgerodeter Waldstücke, zwei Kirchenweingärten auszusetzen. Jedoch stand das
Dorf nicht auf dem Orte, wo es jetzt steht, sondern weiter oben, um die jetzige
katholische Kirche und den Friedhof herum. So waren die Weingärten Machergüter
genannt, gewiß Hofgründe und wo jetzt die dazugehörigen Wiesen liegen, stand
damals die eine Häuserreihe und wo jetzt die Wiese liegt, die zu jenem freien
Machergut gehörte, welches noch heute der Kirchenweingarten genannt wird, stand
wahrscheinlich das Pfarrhaus. Wann Limbach eine selbständige Gemeinde wurde
und einen eigenen Prediger erhielt, wissen wir nicht. Auch der Name des ersten
oder der ersten Geistlichen ist uns unbekannt. Soviel ist gewiß, daß sich
Limbach schon im 16. Jahrhundert zu einer selbständigen Gemeinde konstituierte.
Jedoch unter der Regierung Ferdinands II. verlor sie ihre Kirche und
wahrscheinlich auch ihren Prediger.«
Sie
sehen also, liebe Leser, wie widersprüchlich doch die Angaben über die
Gründung des Dorfes Limbach sind. Woher Pfarrer Frecska oder Herr Ferko ihre
Angaben bezogen, ist mir auch nicht bekannt. Pfarrer Frecska faßte seinen
Bericht im Jahre 1867, den 20.-30. Januar, als Pfarrer in Limbach ab. Er starb
am 2. Dezember 1876.
Wie
sah nun die politische und wirtschaftliche Situation im 16. Jahrhundert in
Europa und speziell im österreich-ungarischen Kaiserreich aus? Der Beginn des
16. Jahrhunderts war von der Reformation Luthers und den darauffolgenden
religiösen Auseinandersetzungen in Europa gekennzeichnet. Auch Ungarn wurde
von der Reformation entscheidend beeinflußt. Bis 1564 gab es bereits starke
Gemeinden des Luthertums in dem Gebiet der heutigen Slowakei, unterstützt vom
Adel. In allen deutschen Städten, außer in Preßburg, bekannte sich der
Magistrat mit seinen freien Bürgern zur Reformation. Das Land war also schon
den Lutheranern freundlich gesinnt, die später noch ins Land kommen sollten.
Auch Wiedertäufer sollen sich laut Dr. Kaser zwischen 1540-1640 im Marchland
und in einigen Gemeinden des Weinbauernlandes angesiedelt haben.
Der
Augsburger Religionsfriede 1555 führte schließlich zu einer vorübergehenden
Ruhe zwischen beiden Parteien. Die Religionsfreiheit des Einzelnen war nicht
garantiert, sondern der Landesfürst bestimmte die Religion seiner Untertanen,
was dazu führte, daß viele Protestanten in katholischen Ländern eine neue
Heimat im Osten suchen mußten. Sicher waren auch Deutsche dabei, die so nach
Limbach kamen, besonders aus dem katholischen Bayern und Osterreich. Das
Königreich Ungarn, zu dem Limbach gehörte, war durch die geschickte
Heiratspolitik fest mit dem Habsburger Kaiserreich verbunden, das auch seine
Geschicke bestimmte. Die Habsburger Kaiser waren gleichzeitig auch Könige von
Ungarn und wurden in Preßburg gekrönt, da der frühere Krönungssitz in dem
Teil Ungarns lag, den die Türken über 200 Jahre lang besetzt hielten.
Nach
der Mitte des 16. Jahrhunderts fand eine Wiederbelebung des Katholizismus statt,
die besonders Bayern betraf. Die Protestanten, die sich nicht bekehren wollten,
mußten wiederum
ihre Heimat verlassen. Laut dem “Verzeichnis der historischen Denkmäler und
Archiven“ und dem Bericht von Pfarrer Frecska ging auch das Dorf Limbach in
dieser Zeit der Gegenreformation unter. Ferdinand II. (1619-1637) war deutscher
Kaiser und gleichzeitig Kaiser von Österreich und König von Ungarn und Böhmen
geworden. Er war eigentlich ein sehr großzügiger und gutmütiger Mensch, aber
ein überzeugter und stahlharter Katholik, von Jesuiten erzogen. Zusammen mit
dem Herzog von Bayern besiegte er in der Schlacht am Weißen Berg die
böhmischen Protestanten und ließ die böhmischen Rebellen hinrichten. In Ober-
und Niederösterreich, in der Steiermark und in Kärnten hatten die Protestanten
unter seiner Herrschaft zwischen 1622-1628 alle ihre Rechte verloren. 1629
erließ Ferdinand das Restitutionsedikt, das zu einer vollständigen Annulierung
des Augsburger Religionsfriedens führte. In Augsburg z.B. wurde die
protestantische Religion verboten und 8000 Bürger mußten in die Verbannung
gehen.
Zwischen
1618 und 1648 wütete der Dreißigjährige Krieg in ganz Europa. Söldnerheere
der katholischen Liga und der protestantischen Union mit den Schweden durchzogen
die Länder und hinterließen verwüstete und menschenleere Landstriche. Der
Westfälische Frieden 1648 setzte dem Morden ein Ende und dem Recht des
Fürsten, die Religion seiner Untertanen zu bestimmen. Sie durften nur noch die
Religionsausübung in ihren Ländern regeln. Die individuelle Freiheit der
Religionsausübung war zum ersten Mal festgeschrieben.
1617
soll Limbach laut Herrn Ferko aus 40 Häusern bestanden haben, aus 10
bäuerlichen und 28 eisenhüttlerischen Ansiedlungen. St. Georgen und Bösing
kauften sich im Jahre 1613 vom Grafen Pallfy um 81.000 Florint (1 Fl. = 1
Gulden) los, zu königlichen Freistädten wurden sie 1648 erhoben.
Wir
nehmen den Bericht von Pfarrer Frecska wieder auf:
»Im
Jahre 1648 war in Limbach Johann Christian Müller Pfarrer. Eine Zeitlang
fungierte er ohne Kirche in einem Privathause oder in der Schule. Erst Anfang
März wurde das Gotteshaus in Limbach infolge des Linzer Friedens vom Jahre 1645
und des darauffolgenden Reichstages zu Preßburg den Protestanten restituiert.
Das erste Kind, das in der restituierten Kirche getauft wurde, war der Sohn
Georg des Ehepaares Johann Thumer und Maria
Söhnlein. Seine Taufpaten waren
Ruprecht Gschwandner und seine Frau Susanna von Grünau. Die evangelische
Gemeinde zu Limbach bestand aus Limbach, Grünau und Neudörfel bei der
Glashütte. Vor der Zerstörung durch die Tataren 1648 - 1663 betrug die
höchste Zahl der Getauften 38 und die geringste Zahl 15. Die höchste Zahl der
Verstorbenen war in normalen Verhältnissen 32 (im Cholerajahr 1656 betrug die
Zahl der Toten 44, da allein 21 an der Cholera starben) und die geringste Zahl
7. Da unter den getauften Kindern durchschnittlich 2 katholische Kinder waren,
drei nach Grünau und 1 nach Neudörfel gehörte, kann die Zahl der Einwohner
Limbachs ungefähr so ausgesehen haben:
Limbach
400 Evangelische 50 Katholische
Grünau
50 Evangelische 30 Katholische
Neudörfel
30 Evangelische 0 Katholische
In
der Gemeinde gab es somit 480 evangelische und 80 katholische Einwohner,
zusammen also 560.
So
mag Grünau ein recht kleines Dörfchen gewesen sein, hatte aber doch einen
Bäcker, einen Fleischhacker und einen Bierbrauer, wahrscheinlich weil es an der
Straße lag. So mag Grünau auch eine Kapelle gehabt haben, nämlich das kleine
Schiff der jetzigen Katholischen Kirche, welches aus dem 15. Jahrhundert stammen
kann, die anderen Teile der Kirche sind spätere Pfuschereien. Von Neudörfel
blieben Spuren wie Hügel, die grasbewachsene Hausruinen sind, und eine Heide,
die nichts anderes sein kann, als grasbewachsene Äcker. Dies alles kann man auf
der Hälfte des Weges zwischen Limbach und Apfelsbach, welcher Ort noch immer
Glashütte heißt, sehen. Die einstige Glashütte nennt Müller fürstlich. In
Limbach gab es viele Familiennamen, die dort heute gar nicht mehr oder nur
noch in Bösing, Modern und Preßburg vorkommen. Es wohnten damals wohl auch
mehr Slowaken im Dorf. Auch der Name eines evangelischen Schullehrers namens
Johann Szeaplicius dieser Zeit ist erhalten. Gemischte Ehen, also zwischen
Katholischen und Evangelischen, gab es aber nur 2 - 4. Der Weinbau soll nur in
geringem Maße betrieben worden sein. Die Gemeinde hatte jedoch immer einen
Bergmeister, 1649 war es Mathias Berger. Als Handwerker waren in Limbach
verzeichnet: Müller, Schlosser, Bierbrauer, Fleischhacker, Drexler, Maurer,
Bäcker, Faßbinder, Zimmermann, Kalkbrenner, Leinweber, Tuchmacher, Binder,
Glasmacher, Schuhmacher und Schneider, auch Waldförster. Mühlen wurden
folgende erwähnt: Neumühl, Reisemühl, Illeshaszysche Mühle (wahrscheinlich
Hedeckerische), Zellchitzsche (Steppermühle), Veherpatakaysche, Petröszische
Mühle.«
Auch
über das ‘moralische Leben‘ Limbachs berichtet uns Pfarrer Frecska:
»Was
das moralische Leben in der Gemeinde anlangt, sind in 22 Jahren 5 uneheliche
Kinder getauft worden. Das erste Kind gehörte einer Grünauerin, die von
Räubern bezwungen wurde. Das zweite stammte von einem Ratzersdorfer Witwer,
namens Hiasberger. Das dritte gehörte der Ehefrau des Herrn
Zellschik, einer
geborenen Tutzenthaler und war von einem St. Georgener Herrn. Das vierte gebar
eine Magd aus Modern gebürtig, von einem Modreiner jungem Manne. Das fünfte
gebar ebenfalls ein Frauenzimmer von Modern von einem jungen
Tuchmachergesellen, der aus der Steiermark gebürtig war. Die Mutter eines
unehelichen Kindes wurde enthauptet. Und weil ein gewisser Michael Jordan (der
spätere Kleinrichter) mit seinem Weibe Barbara das erste Kind vor der Ehe
gezeugt hatte, mußten die beiden öffentlich Kirchenbuße tun. Im Jahre 1670
hat ein
Bezeugt
ist auch laut ‘Preßburger Land und Leute‘ der Bericht des Herrn Ferko über
die Türken. Limbach soll 1666 durch die Türken zerstört und dann durch neue
Siedler wieder aufgebaut worden sein.
Lassen
wir dazu Herrn Ferko berichten:
»In
dieser Zeit endete der abgeschlossene Frieden vom Jahre 1606. Die türkischen
Eroberer hatten ihn ständig verletzt, suchten und organisierten verschiedene
Vorwände und Provokationen im fremden Land mit anderen Sitten und anderem
Glauben, nur daß sie im Plündern und Unterdrückungen nach eigenen
asiatischen Vorstellungen fortsetzen konnten. Das Jahr 1656 ist ein schwarzes
Jahr der Cholera. Im Jahre 1663 ist ein neuer Krieg ausgebrochen, Habsburg
erklärte ihn dem Großwesir Mehmed Köprüli. Unter den Fahnen des Halbmondes
drangen die Türken in der Zeit der Richterei Michael
Conrads nach Limbach ein.
Wütend, daß ihnen nicht gelungen ist, die Bösinger Mauern zu durchdringen und
die Verteidiger zu überwältigen, rächten sie sich an den anliegenden
Ansiedlungen, auch an Limbach. Fünf Kinder und Greise wurden getötet,
unmittelbar im Dorf. Die Bewohner sind zum Teil auseinandergerannt, zum Teil
versteckten sie sich in den Karpathen. Wieviel Tragödien sich in diesen Tagen
abspielten, weiß man nicht. Die Annalen verschweigen die Ururenkel der
Dorfväter; die sich an die traurigen Ereignisse erinnern hätten können, sind
ausgestorben. Man weiß nur, daß seit dem Eindringen der Nomadenungarn und
Tataren kein schrecklicheres Unheil die slowakischen Gegenden mehr traf. Dort wo
Limbach stand, blieb nur eine Brandstätte.«
Die
Einwohnerzahl hatte durch die Tatarenüberfälle oder Türkenüberfälle stark
gelitten.
Die
höchste Zahl der Getauften betrug nur noch 14 und die geringste Zahl 3, die der
Herr
Ferko berichtet weiter:
»Das
Dorf, welches früher um die Kirche herum gebaut war, wurde nun weiter unten im
Tal aufgebaut, so daß oben nur die Kirche blieb und das Pfarrhaus mit der
Schule den unteren Ort bildete. Am 11. Juli 1666 suchte die Gemeinde ein
Großbrand heim. Es verbrannten 21 Häuser, Pfarre und Schule. In dieser Zeit
war Besitzer der Bösinger Burg und Siedlung von St. Georgen bis Roten Stein der
Stamm Pallfy. Ihm gehörte auch das Dorf Limbach. Durch Sammlungen kam genug
Geld zusammen, um die Kirche wieder aufzubauen und eine kleine Orgel zu kaufen.
Im Jahre 1669 brach wieder ein Feuer aus ‚ das 5 Häuser zerstörte. Wir
erwähnten, daß im
Pfarrer
Frecska gibt uns auch die Namen der Lehrer, Richter und Kirchenväter für diese
Zeit an:
»Lehrer:
1648 Christian Conrad, prov. übrigens seines Handwerkes ein Schneider, er war
zugleich Mitnachbar, später Kirchenvater und Geschworener. 1649-1651 Lorenz
Heindl, verheiratet. 1651-1658 Veith Martini, verheiratet. 1658-1670
Michael Conrad, verheiratet. 1670-1674 Mathias
Wolffius. Sonst wissen wir von diesen
Lehrern nichts mehr.
Richter
waren: 1648 Johann Barisch, 1649 Mathias
Mitterholzer, ein Müllermeister,
1651-1654 Joachim Koller, 1656 Georg Mayr und
Johann Hochleitner. 1657-1658 Paul
Barisch, 1659 Johann Hedecker, 1660 Blasius
Kraitz, 1662 Paul Auer, 1663 Johann
Haarleitner, 1664 Mathias Wendel, 1666 Mathias
Steberl, 1668 Blasius Kraitz,
1669 Mathias Stöberl, 1670 Paul
Barisch.
Kirchenväter
waren: 1648-1650 Paul Lange, 1651 Johann
Wendel, 1652 Johann Hedecker, 1653
Georg Ptaschnik, 1654 Christian Conrad, 1655-1656
Michael Kochwasser, 1657 Paul
Lange, 1658 Johann Hedecker, 1659 Simon
Klauser, 1660-1661 Paul Barisch, 1662
Mathias Wendel,1663-1664 Oswald Reutter, 1665
Johann Hedecker, 1666 Paul
Barisch, 1670 Mathias Wendel.
Deutsche
Pfarrer in Bösing: Bartholomäus Riser, Clemens Amomäus und
Michael Höher
(dieser später in Modern).
Slawische
Pfarrer in Bösing: M. Jak. Faschko mit dem Kantor
Math. Leninger.
Deutsche
Pfarrer in St. Georgen: M. Christophorus Stephani 1666,
M. Melchior Hüber und
böhmischer Pfarrer: Andreas Galli, Pfarrer in
Kittsee: Joh. Plankenauer, in
Ragendorf: M. Andreas Richter.«
Wie
hart und entbehrungsreich das Leben damals war, schildert Herr Ferko:
»Untertanen
hatten bewilligt bekommen, Schweineweiden in Eichenwälder
Gemäß
dem Bericht des Herrn Ferko soll 30 Jahre vor dem türkischen Einbruch Stefan
Nach
1648 hatten die Menschen unter den Zerstörungen durch den Dreißigjährigen
Krieg zu leiden. Die Bevölkerungszahl war überall in Europa drastisch
gesunken. Die Höfe waren zerstört, die Felder von Unkraut überwuchert und in
jedem Bereich taten sich umwälzende Veränderungen. Der Westfälische Friede
von 1648 hatte die Verbindung zwischen den beiden Habsburgermächten Spanien
und Osterreich zerbrochen. In Osterreich gelang es dem Kaiser, die politische
Macht der Stände vollständig abzuschaffen und als absolutistischer Herrscher
zu regieren. Die größte zentralisierende Einrichtung im Habsburger Reich war
das stehende Heer, das seinen Ursprung im Heer Wallensteins hatte. Frankreich
baute seine Vormachtstellung mit Hilfe eines riesigen Heeres aus und versuchte,
sich die spanischen Niederlande einzuverleiben, was schließlich zum
Holländischen Krieg 1672-78 führte, in dem das österreichische Reich
verwickelt wurde. In Ungarn kam es zu Aufständen und vom Balkan drohte erneut
die Türkengefahr. Seit 1645 waren sie wieder auf dem Vormarsch. Der Kaiser
hatte sich 1664 für 200.000 Taler einen Waffenstillstand von 20 Jahren erkauft
und hoffte, ihn wieder erneuern zu können. Aber 1683 rückten 250.000 Türken
unter dem Großwesir Kara Mustafa gegen Wien vor und belagerten die Stadt. Die
kaiserliche Armee war zu klein, um die gewaltige türkische Armee aufzuhalten
und sie bewegte sich unaufhaltsam durch Ungarn vor. Daß Limbach durch die Nähe
Wiens davon betroffen war, können wir sicher annehmen, denn die ganze Gegend
wurde von einzelnen Reitertrupps der Türken fortwährend unsicher gemacht.
Diese Reitertrupps drangen weit in den Westen vor und einmal sollen sie sogar
auf ihren Streifzügen bis nach Regensburg vorgedrungen sein. Daß Limbach
schließlich von den Türken 1666 zerstört wurde, habe ich bereits beschrieben. Wien wurde schließlich mit Hilfe der Nachbararmeen, der
sächsischen, bayerischen und deutschen Armee, befreit und die Türken
endgültig vertrieben. Österreich drang daraufhin in türkisches Gebiet vor
und eroberte ganz Ungarn zurück, sowie Siebenbürgen, den größten Teil
Slawoniens und Kroatien. Im Frieden von Karlowitz sicherte sich Osterreich die
Angliederung der eroberten Gebiete. Dies war der eigentliche Beginn der
Großmacht Österreich-Ungarn, die 2 Jahrhunderte überdauern sollte. Ungarn
hatte eine absolutistische Verfassung bekommen und die magyarischen Stände
»Bemerkenswert
ist, daß als 1657 den 10. März die Frau Eusebia Sabinia Podazkin, geborene
Gräfin Kaunitz, dem hiesigen Gottesdienste beiwohnte, sie des hiesigen
Schuhmachermeisters Knotzers Töchterlein Eva
aus der Taufe hob. Die 60iger
Jahre des XVII. Jahrhunderts haben die Gemeinde materiell sehr geschwächt.
Die 70iger Jahre sollten noch unglücklicher werden. Es erfolgte 1673 die
berüchtigte Preßburger Citation, der an unverschämter Bosheit nichts
gleichkommt. Auch unser Müller wurde vorgeladen. Man legte ihm vor, entweder im
Lande zu bleiben, sich jedoch jeglicher geistlicher Funktion zu enthalten, oder
auszuwandern. Müller als Ausländer erwählte für sich die Auswanderung. So
blieb die Gemeinde 1674 ohne Seelenhirten. Wie viel unsere Evangelischen bei der
ersten Wegnahme ihres Gotteshauses leiden mußten, ist entweder nicht angemerkt worden oder auf unsere Zeiten nicht gekommen. Die Papisten waren ja
sehr eifrig in Verbrennen von Papieren, auf denen die Schandtaten geschrieben
standen. Auch die Matrikel Müllers, welcher die meisten Daten entlehnt sind,
war in katholischen Händen, die sie mit rohen, gemeinen, frechen und
unverschämten Randglossen besudelten. Sie war eine Perle, vor die Säue
geworfen. Im Jahre 1674 raubte man der Gemeinde zum zweiten Male die Kirche
samt Pfarrhaus, Schule und allem was dazu gehörte. Das röm. kath. Pfarramt
wurde in Grünau errichtet, Limbach gehörte als Filiale dazu. Aus dem Raube
lassen sich leicht Pfarrämter errichten, die aber dem Herrn gewiß nicht
gefallen. Die hiesige Kirche erhielten die Papisten nur notdürftig. Später
verhunzten sie das schöne Gotische desselben, mit geschmacklosen Rokoko-Änderungen. Das Pfarrhaus und die Schule rissen sie nieder. Das Pfarramt
war ja in Grünau und eine Schule brauchten sie nicht! Die Weingärten wurden
verkauft und das Geld kam ihnen wohl zu statten. Da kamen die Jesuiten in die
Gemeinde. Sie wollten die Einzelnen durch disputieren in den Schafstall des
Papstes treiben. Jedoch erhielten sie von etlichen Nachbarn, die im Evangelium
bewandert waren, treffende und schlagende Antworten. Mit Spott und Schande
mußten sie weichen. Daß sich die Jesuitentücke dafür rächte, ist
selbstverständlich. Doch Limbach blieb dem Evangelium treu. Die Gespräche
zwischen den Jesuiten und unseren Limbachern hat der Verfasser dieser Zeilen
1859 in der Lyzealbibliothek zu Preßburg gelesen, wie sie ein Preßburger
Bürger (sein Name ist mir längst entfallen) in seinem Tagebuche (Manuskript)
aufbewahrt hatte. So entbehrten nun die Evangelischen Limbachs vollständig
des evangelischen Gottesdienstes und ihre Kinder des Schulunterrichtes. Aber die
Hausväter wurden selbst zu Lehrern und Priestern. Keine einzige Seele ist
röm. kath. geworden, kein einziges
Kind war zu finden, daß von seinen Eltern nicht lesen, singen und beten gelernt
hätte. Da ergriff Fürst Franz Rakocsy II. die Waffen zur Wahrung der Rechte
des Landes und der Kirche. Infolge der Beschlüsse des Szecsenyer Landtages ist
auch unserer Gemeinde die Kirche 1706 restituiert worden. Die Kirche und das
Pfarrhaus wurden zurückgegeben, die Schule nicht. Jedoch war die Gemeinde, die
die Grafen Pallfy von den Grafen Illeshazy geerbt hatten, sehr arm.«
Mit
der Preßburger Citation sind bestimmt die Preßburger Prozesse 1672 gemeint. In
der Zeit der Gegenreformation in Ungarn wurden evangelische Kirchen und Schulen
geschlossen, evangelische Pfarrer und Schulmeister vertrieben. Bei den
Preßburger Prozessen wurden an die 300 Pfarrer abgeurteilt, schließlich wurden
sie unter der Bedingung begnadigt, daß sie dem geistlichen Amt entsagten. Wer
sich weigerte, wurde des Landes verwiesen, 41 Geistliche sogar auf die Galeeren
geschickt. 1691 erhielten dann die Evangelischen in Ungarn endgültig die
religiöse Freiheit.
5. 5. 1700 - 1918
Auch
wenn die Bewohner des kleinen Dörfchens am Rande der Weltgeschichte wenig oder
nichts von der großen Politik spürten, so waren sie doch wie alle Bewohner
Europas von allen Entscheidungen ihrer Fürsten betroffen. In Europa kämpften
nämlich wieder einmal die Armeen im Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714. Die
Gründe lagen daran, daß infolge der Kinderlosigkeit des letzten spanischen
Habsburgers Karl II. der Kampf zwischen französischen und österreichischen
Erbansprüchen entbrannte. Frankreich fürchtete, von Habsburg umklammert zu
werden, wenn diese den spanischen Thron innehielten der österreichische Kaiser
fürchtete, alten habsburgischen Besitz zu verlieren. Armeen rückten aus und
schließlich wurde wieder Frieden geschlossen. 1713 im Frieden von Utrecht
erhielt Philipp V. (Enkel des französischen Königs Ludwig XIV.) den spanischen
Thron, verzichtete aber gleichzeitig auf alle Ansprüche auf den französischen Thron. Der österreichische Karl VI. erhielt die spanischen
Niederlande, Mailand, Neapel und der Herzog von Savoyen erhielt Sizilien.
England erhielt von Frankreich die kanadischen Kolonien und von Spanien
Gibraltar und Menorca. Im Sathmarner Frieden von 1711 wurde Ungarn endgültig in
die Habsburger Monarchie eingegliedert. Das Habsburger Reich bestand nun aus
drei Teilen: den deutschen und österreichischen Erbländern, den Ländern der
böhmischen Krone und Ungarn mit seinen Annexen, den italienischen Besitzungen
und den Niederlanden. Innerhalb des habsburgischen Reiches nahm Ungarn eine
Sonderstellung ein, denn hier gab es eine Mitregierung der Stände und
religiöse Duldung.
Als
Maria Theresia (1740-1780) die Regierung übernahm, mußte sie sich sofort
wieder mit
Kriegen befassen. 1740-48 fand der österreichische Erbfolgekrieg statt, der
durch den Einmarsch des Preußenkönigs Friedrich des Großen in Schlesien
ausgelöst wurde. Ohne die Hilfe des ungarischen Adels, der ihr hilfeflehend auf
dem Preßburger Reichstag von 1741 60.000 Mann versprach, hätte sie diesen
Krieg nicht durchstehen können. Maria Theresia führte in ihrem Reich Reformen
durch, die sich auf die Verwaltung, das Heer und die Finanzen bezogen. Sie war
auch für den Aufbau des Volksschulwesens verantwortlich. Der Staat übernahm
die Aufsicht über das von den Kirchen unterhaltene Schulwesen, entwarf Lehrpläne und förderte den Gebrauch der Muttersprache. Die 1634 gegründete
Universität in Tyrnau wurde 1777 nach Ofen verlegt. Auf den evangelischen
Lyzeen wurde neben dem Lateinischen auch die deutsche Sprache gelehrt, da viele
Schüler später auf deutsche Universitäten gingen. Deutsch war auch die
Sprache in den Städten, da die Bevölkerung der meisten Städte mehrheitlich
deutsch war. Durch die deutsche Sprache kamen auch die Ideen des Westens nach
Ungarn. So war die erste regelmäßige Zeitung in Ungarn die ‘Preßburger
Zeitung‘, die von 1764-1928 erschien. Maria Theresia sorgte auch für die
innere Kolonisation, als sie den Banat mit südwest- deutschen Siedlern
bevölkerte. Ihre Schwierigkeiten blieben jedoch die hohen Defizite im
Finanzwesen und die Nationalitätenfrage, denn die Mehrheit ihrer Staatsbürger
waren Nichtdeutsche. Maria Theresia konnte in Ungarn keine Besteuerung des Adels
durchsetzen, aber sie erreichte 1767 eine Besserung der Lage der Leibeigenen.
Alle Grundstücke und ihre Besitzer wurden registriert, auch die leibeigenen
Bauern und deren Abgaben und Leistungen an Grundherren und Kirche wurden
festgelegt. Die Abgaben waren in der Regel auf 1/9 der Erträge festgesetzt;
eine Vollbauernstelle mußte im Jahr 52 Spanndienste oder 104 Tage Handdienste
leisten. (Rhode S. 54) Auch Häusler und sogenannte Hofleute waren zu
Handdiensten von 12-18 Tagen verpflichtet. Abgaben konnten durch Hand- und
Spanndienste abgegolten, diese wiederum durch Abgaben bzw. Geldzahlungen
abgelöst werden. Mit diesem theresianischen Urbar konnten die Bauern nicht mehr
so willkürlich ausgebeutet werden und gleichzeitig konnte man die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes feststellen. Die Folge war ein
Aufblühen der Landwirtschaft. Der Getreideexport stieg von 1748-82 auf das
fünffache an. Diese Einrichtung des theresianischen Urbarialkatasters bestand
bis 1918.
Ihr
Sohn Joseph II. (1765-1790) schuf zum ersten Mal einen Einheitsstaat unter
Einbeziehung von Ungarn und Belgien. Eine Zählung 1785 ergab für Ungarn,
daß nur 29% ihrer Bewohner Magyaren waren. (Rhode S. 55) Die Sonderstellung
Ungarns versuchte Joseph II. abzuschaffen; er ließ sich nicht zum ungarischen
König krönen und brachte 1785 die ungarischen Throninsignien nach Wien. Er hob
die Komitatseinteilung auf und teilte Ungarn neu in 10 Distrikte ein. 1784 wurde
Deutsch als alleinige Amtssprache im Reich eingeführt und alle Schulen in
Böhmen und Ungarn mit deutschen Lehrern besetzt, was zum Widerstand in Ungarn
führte. Unter Joseph II. wurde auch die Kolonisierung fortgesetzt, mit dem
Ziel, Kräfte zu erhalten, auf die sich der Kaiser in Ungarn verlassen konnte.
Wichtig ist auch zu erwähnen, daß unter seiner Regierung die
Säkularisationsmaßnahmen durchgeführt wurden. 1781 erließ er das
Toleranzpatent, das auch für Limbach eine Bedeutung haben sollte. Es
beinhaltete, daß alle Nichtkatholiken volle Staatsbürgerrechte
erhielten, sowie das Recht auf private Religionsausübung. Ihre
Versammlungshäuser
durften jedoch keine Türme und Glocken haben, wohl der Grund, warum die
Limbacher Kirche erst 1901 zum ersten Mal einen Glockenturm bekam.
Volle
religiöse Gleichberechtigung erhielten die Protestanten erst 1861. Er versuchte
ebenfalls die Situation der Bauern zu verbessern. Letzte Verpflichtungen der
Bauern, z.B. daß der Bauer das Land nicht nach Belieben verlassen oder heiraten
konnte, wurden abgeschafft. Der Bauer war nicht mehr Untertan des Gutsherrn,
sondern nur noch des Staates. Trotzdem war er noch nicht von Abgaben befreit
oder Eigentümer seines Landes. Er wurde zum Zinspächter und der Staat setzte
seine Pacht und Abgaben auf etwa 30% seines Einkommens fest. Auf den
öffentlichen Domänen wurde der Landerwerb der Bauern beträchtlich
erleichtert. Die adligen Grundbesitzer betrachteten diese Reformen mit
Widerstand, letztendlich waren sie es, die davon am meisten profitierten. Ein
Teil der Reformen wurden nach dem Tod Joseph II. wieder abgeschafft, was blieb,
war die Abschaffung des letzten Restes der Leibeigenschaft.
In
Limbach soll es laut Dr. Kaser 1790/92 zu einer erneuten und letzten
Einwandererwelle gekommen sein, von angeblich steirisch-alpenländischen
Siedlern (Kohlebrenner). Diese hätten jedoch bereits eine ältere, deutsche
Bauernschicht dort vorgefunden.
Lassen
wir doch wieder zu dieser Zeit Herrn Ferko selbst sprechen:
»Die
erste Hälfte des 18. Jahrhunderts ist eigentlich die Epoche der Rekonstruktion nach dem stürmischen 17. Jahrhundert, wenn Untertanen am
meisten Hafer anbauen mußten. Kriege, Krankheiten, Hunger vernichtete eine
Anzahl von Bewohnern, nur an Cholera im Jahre 1710-1712 starb jeder 10.
Einwohner der Slowakei. Volkszähler in der Slowakei stellten so fest, daß in
ungefähr 3800 Gemeinden und Siedlungen in der ganzen Slowakei nicht mehr als
700.000 Bewohner hatten. Preßburg, die größte Stadt Ungarns, hatte in dieser
Zeit 10.000 Einwohner, Limbach, welches vor 100 Jahren 40 Anwesen hatte, hatte
im Jahre 1728 nur noch 23. Es gehörte damals dem Baron Ruttkay; der Wert des
ganzen Dorfes wurde auf 2353 Gulden festgesetzt. Das urbarische Verzeichnis vom
Jahre 1752 erwähnt die Namen Krajeoric, Malacek, Napravcik, Beno, Spacek,
Klaus, Long, Drachsler, Hanusek, Blazko, Jelenek, Lamazansky. Die Erneuerung der
durch den türkischen Einbruch zerstörten Landschaft wurde erfolgreich
fortgesetzt. Auch in Limbach. Am Ortsende stand eine kuriale Mühle mit zwei
Rädern und vier Steinen und hinter ihr, das werden die heutigen Einwohner nur
schwer glauben, Bierbräu und Brennerei. Ob ein schwarzes, helles oder
Hefebier erzeugt wurde, ob aus Roggen oder aus Gerste, wissen wir nicht. Wir
kennen nur die Höhe der Jahresmiete, nämlich 150 Gulden.
Zur
Limbacher Kurie gehörten:
1 1. Wiese in Richtung zum Mühltor beim Bach
2. Unter der neuen Bösunger Mühle die Wiese von zehn Wagen Heu
3. Obstgarten beim Fischteich
Im
18. Jahrhundert waren im Dorf bis zu vier Mühlen. Die Limbacher dachten auch an
das Heil ihrer Seelen und bauten nicht nur Mühlen und Häuser, sondern fanden
Zeit und Mittel auch für Kirchen. Die ursprünglich gotische katholische
Kirche des Heiligen Theobald, erbaut im 15. Jahrhundert, am Anfang des 17.
Jahrhunderts umgebaut und im Jahre 1802 erweitert. Die letzten Umbauten
erfolgten im Jahre 1901. Wir erwähnten, daß nach dem türkischen Einbruch
nach Limbach deutsche Kolonisten kamen (evangelisch). Die ursprünglich
katholische Kirche, welche erneuert wurde, war gegen ihre Reformation, aber es
wurde ihnen erlaubt, ein Bethaus außer der Gemeinde zu bauen. Sie bauten es im
klassischen Stil im Jahre 1802. Im Jahre 1830 war sie wieder hergerichtet und
hatte eine neue Fassade. Der Turm wurde als letztes dazugebaut. Dies im Jahre
1901. Aus dem 19. Jahrhundert sind die alten gemauerten dreiräumigen
Weingärtner Häuser mit erhöhten Hinterzimmern über dem Keller. Sie machten Walmdächer und Satteldächer mit Gipfeln und
bedeckten sie mit harter
Deckung. Offene Herde waren unter dem Kamin im Vorhaus. Landwirtschaftsbauten
wurden am Hofende hinter dem Wohnteil dazugebaut. Die Scheune bauten sie im
Hinterhof.«
Leopold
II. (1790-92) führte die Provinzialstände, die jedoch schon lange keine
wirkliche
Was
sagt Pfarrer Frecska zu diesen Jahren?
»Wieviele
Jahre unsere Evangelischen nach der ersten Wegnahme der Kirche ohne Gottesdienst
sein mußten, ist uns unbekannt. Nach der zweiten Wegnahme seit der
Preßburger Citation entbehrten sie 32 Jahre des öffentlichen Gottesdienstes.
Und vollends nach der dritten Wegnahme, seit 1716, erfolgte das traurigste
Zeitalter für unsere Gemeinde. Bis zum Jahre 1786,
also volle 70 Jahre dauerte diese babylonische Gefangenschaft. Unsere
Glaubensgenossen mußten verstohlener Weise den Gottesdienst in Modern besuchen,
weil die nächsten Städte Bösing, St. Georgen dasselbe Schicksal getroffen
hatte wie Limbach. Die Taufen, Trauungen und Begräbnisse verrichtete
natürlich der Grünauer Pfarrer, weil sie ja einen Teil seiner Einkünfte
bildeten. Die Herren Pfaffen wußten ja ihre Einnahmen gleich Hamstern zu
verteidigen. Eine Schule war in Limbach auch nicht zu finden. Wohl ist in dem
Gemeindehaus (welches sich später die Papisten als Schulhaus widerrechtlich
zueigneten) ein Schulzimmer eingerichtet worden, damit die Notäre, die damals
wohl immer Katholiken waren, die Kinder unterrichten konnten, aber diese gaben
sich mit dem Unterrichte gar nicht ab. Es war ja bei den Katholiken nicht Sitte,
die Kinder in die Schule zu schicken. Und die Evangelischen unterrichteten ihre
Kinder lieber selber, als sie zu solchen Menschen zu schicken, So konnten auch die Kinder
jener traurigsten Periode lesen und viele auch selber schreiben. Was kann nun
gottgefälliges daran sein, eine Gemeinde, wie Limbach zu Müllers Zeiten
gewesen ist, so zuzurichten? Nachdem das Toleranzedikt von Joseph II. 1781
erlassen wurde, und Bösing sich bereits zu einer selbständigen Gemeinde
konstituiert hatte, sammelte sich auch unsere Gemeinde und berief auch einen
Lehrer namens Fajnor. Der erste Schulunterricht wurde in einem Privathaus
erteilt. Erst Anfang der 9Oiger Jahre erbaute man die jetzige Schule, eine
armselige, mit Stroh bedeckte Hütte, die nur aus einem Wohnzimmer ohne
Fußboden, einer Küche, dem Schulzimmer, und einer Speisekammer bestand. Der
Nachfolger des Lehrers Fajnor war Michael
Lanyi. Von ihm soll überliefert
geblieben sein, daß die Gemeinde mit ihm sehr unzufrieden war und er nicht
bloß die Nachlässigkeit im Schulunterricht, sondern auch ein ungeregeltes
Leben sich zuschulden kommen ließ. Er wurde 1798 entlassen und er soll als
Kohlenbrenner gestorben sein. So wählte sich die Gemeinde 1798 einen
zwanzigjährigen Jüngling, der bei dem Entenfänger Schöpflin in Szkopcesan
als Erzieher angestellt war, zum Lehrer. Es war Samuel
Kutcsera, 1777 in Bösing
geboren. Er hatte nur das damalige Gymnasium in Modern absolviert. Seine genaue
Besoldung betrug jährlich 80 Gulden in bar, 1 Kreutzer Schulgeld von kleineren
Kindern, 3 Kreuzer von größeren Kindern wöchentlich, 3 Opfer an den hohen
Festtagen, und 4 Klafter Holz jährlich, und der ‘Hoffnung‘, zur Zeit der
Weinlese gewisse Mengen an Wein von den Leuten zu bekommen. Diese Menge war bei
den damals vernachlässigten Weinbau sehr wenig, da die Bauern selbst zur
Bestreitung der Kirchenausgaben nur jährlich 6 Halbe beitrugen. Außerdem
durfte der Lehrer die zum Kirchenhause gehörenden zwei Gärtchen und den Acker,
der nur zur Hälfte bebaubar war, benutzen. Kutcsera war als Lehrer auch
verpflichtet, den öffentlichen Gottesdienst, und zwar zunächst in der Schule
zu versehen. Auch hielt er, wenn man den Bösinger Pfarrer nicht rufen wollte,
die Beerdigungen ab. Aber das Schulzimmer war auf die Dauer zu klein, um die
ganze Gemeinde, die damals über ca. 400 Einwohner verfügte, fassen zu
können. So erbaute man 1802 die jetzige Kirche. Eingeweiht wurde sie am 4.
Adventssonntag 1802 durch Daniel Orudy, Superintendent diesseits der Donau und
Pfarrer in Preßburg. Jedoch feiert die Gemeinde ihr jährliches Kirchweihfest
am 2. Pfingstfeiertage, wahrscheinlich ist an diesem Tag die ältere Kirche
eingeweiht worden. Von nun an hielt Kutcsera den Gottesdienst in der Kirche,
sonntäglich predigte er um 8 Uhr früh und nachmittags um 2 Uhr nochmals. Von
Michaeli bis Georgi wurden auch um 7 Uhr früh die Frühgebete gehalten. Die
Kinder besuchten die Schule nur im Winter von der Weinlese bis Ostern. Im Sommer
blieben sie alle aus. Die Kirche beschreibt Kutscera wie folgt: Die Kirche in
der Mitte des Ortes, der Schule gegenüber gelegen, ist ein Steingebäude,
länglich, mit Ziegeln bedeckt und gepflastert, 8 Klafter 4 Fuß lang, 4 Klafter
4 Fuß breit, 3 Klafter 4 Fuß hoch (ohne Dach). Auf dem Dache erhebt sich ein
hölzernes Türmchen mit einem Kreuze versehen, wie auch das andere Ende der
Kirche. In der
Als
1802 die Kirche in Limbach gebaut wurde, hatte es in Europa schon große
Umwälzungen gegeben. Die französische Revolution 1789 lehrte den
europäischen Königen und Fürsten das Fürchten. Das revolutionäre Frankreich
führte Krieg gegen Osterreich und dieses wurde unter dem General Napoleon
Bonaparte mehrmals besiegt. Napoleon ließ sich schließlich auf der Höhe
seines Erfolges als Kaiser der Franzosen krönen. Der österreichische Kaiser
Franz II. (1792-1835) legte auf ein Ultimatum hin die römisch-deutsche
Kaiserwürde nieder, was das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher
Nation bedeutete. 1813 tritt Österreich dem Bündnis Rußlands, Preußens und
Englands bei, um Napoleon aufzuhalten, der schließlich 1814 geschlagen und
verbannt wurde. Ein Jahr später landete Napoleon erneut in Frankreich; er wurde
aber endgültig in Verbannung geschickt. Im Wiener Kongress 1814-15 wurde
über die Zukunft Europas entschieden und Metternich gelang es, Österreich auf
den Gipfel seiner Macht zu führen. Österreich hatte sich vom Rhein
zurückgezogen und sein Schwergewicht nach Italien und in den Südosten
verlagert. Franz II. kehrte vollends zu einer reaktionären Politik zurück und
für Ungarn begann eine Epoche scheinbarer Ruhe und Erstarrung. Jedoch traf dies
nicht auf die geistig- literarische Entwicklung zu. Als erschreckend betrachteten
es die Ungarn, daß sie in ihrem eigenen Land in der Minderheit waren. Durch das
Aufgreifen von Ideen der französischen Revolution wollten sie, wie die anderen
Länder Italien und Deutschland, einen Nationalstaat, der aber nur durch die
Assimilierung der Nichtmagyaren entstehen konnte.
Das
19. Jahrhundert war die Zeit der Nationalstaatsbildung. Der Begriff ‘Nation‘
bedeutete ursprünglich im Mittelalter keineswegs, Menschen einer Sprache und
aus einem Volksstamm. In einer Nation schlossen sich Studenten einer Fakultät
zur Absicherung ihrer wirtschaftlichen und rechtlichen Stellung zusammen. Sie
bestand jedoch aus verschiedenen Völkern. Ab 1600 wurde der Begriff Nation
vorwiegend für Stand verwendet, d.h. z.B. bei Luther, wenn er von der
‘deutschen Nation‘ sprach, daß er damit keineswegs alle Deutschen meinte,
sondern nur den Stand der Bischöfe und Fürsten. Erst die französische
Revolution prägte den Begriff der ‘Nation‘ in unserem heutigen Verständnis
und die deutsche Romantik war es, die die Volkssprache zum Wesen der
Nationalität zählte und erst dadurch die Minderheitenfrage schuf. Eine extreme
Folge der Nationalstaatsidee waren die totalitären Regimes wie Hitler‘s, die
es sich zum Ziel machten, ethnisch homogene Nationalstaaten zu schaffen,
notfalls mit Zwangsumsiedelungen. England und Frankreich waren schon seit
langem Nationalstaaten, Deutschland und Italien strebten ebenfalls danach. Wie
schwierig eine Nationalstaatsbildung in einem Vielvölkerstaat
Österreich-Ungarn sein würde, ist leicht zu erkennen. Gelingen konnte es erst
nach dem 1. Weltkrieg, als die Habsburger-Monarchie auseinanderbrach. 1844 wurde
Ungarisch anstelle von Latein zur Amtsprache des Königreichs, ausgenommen in
Kroatien. Wenig Gegenliebe rief die erste Magyarisierungspolitik bei den
Deutschen hervor. Man versuchte sogar in dieser Zeit eine Union der reformierten
und lutherischen Kirche herzustellen, um die Magyarisierung der Slowaken und
Deutschen rascher zu erhalten.
Das
19. Jahrhundert war aber auch das Zeitalter der Industrialisierung. Das
Dampfschiff und die elektrischen Telegraphen verbanden weit entfernte Länder
miteinander und ermöglichten zum erstenmal eine schnelle Kommunikation. Nicht
vergessen sollten wir die Erfindung der Eisenbahn, der eigentliche Motor der
Industrialisierung in Deutschland. Zum ersten Mal kam es auch zu
Wirtschaftskrisen, deren Mechanismen noch völlig unbekannt waren. Es ist auch
die Zeit der Entstehung der Arbeiterbewegung und der Verelendigung ganzer Massen
und der daraus entstehenden Umwälzungen. Ungarn selbst blieb jedoch
hauptsächlich ein Agrarland. Die Landflucht in die Städte nahm zu sowie die
Zahl der Auswanderer in die USA. In der Slowakei entstand aus
deutsch-romantischen Anregungen der Begriff des ‘Panslawismus‘ als der
sprachlich-kulturellen Gemeinsamkeit aller Slawen. 1848 erschütterten
Revolutionen Deutschland, Frankreich, Österreich, Ungarn und Italien. Es kam zu
Aufständen in Wien. In Prag beschloß der Slawenkongress ein Manifest, das die
Umformung des österreichischen Kaiserreiches in einen Bund gleichberechtigter
Völker wünschte. Es gärte im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn und die
Nationalitätenkonflikte sollten bis zum I. Weltkrieg, ja sogar bis heute,
andauern. Kaiser Ferdinand I. dankte ab und sein Neffe Franz Joseph I.
(1848-1918) folgte ihm. Die Revolution 1848 brachte Ungarn eine eigene Regierung
und einen ungarischen Ministerpräsidenten. Der letzte Ständereichstag hob die
Adelsprivilegien und die Leibeigenschaft der Bauern auf und erließ ein
Wahlrechtsgesetz, in dem zusätzlich die wohlhabenden Bürger und die
wohlhabenden Bauern das Wahlrecht erhielten. Die Unabhängigkeitsbestrebungen in
Ungarn wurden schließlich brutal von Osterreich beendet. Ungarn wurde wie ein
erobertes Land behandelt und die Führungsschicht völlig ausgeschaltet. Die
Einführung der deutschen Amtsprache und der Versuch, sie als Unterrichtssprache
durchzusetzen, stieß auf zähen Widerstand und nährte den Deutschenhaß.
(Rhode S. 63) Nach der Niederwerfung der Revolution erneuerte Fürst
Schwarzenberg den österreichischen Großmachtanspruch.
Nachdem
der letzte Versuch, Deutschland unter osterreichischer Führung zu einigen, auf
dem Frankfurter Fürstentag 1863 gescheitert war und 1866 der Krieg gegen
Preußen
Über
Limbach kann uns Pfarrer Frecska nur noch bis 1864 berichten:
»Die
ersten Kirchenväter der Gemeinde waren: Michael Hedecker, Georg Wissbaumer,
Johann Roth und Johann Fürholzer. Obgleich
Kutcsera die Theologie gar nicht
behört hatte, ordiniert (einsetzen) ihn Superintendent Krudy dennoch 1810. So
wurde nun Limbach 1810 eine selbständige Muttergemeinde und Kutcsera ihr
Pfarrer, aber so, daß er zugleich Lehrer blieb. Jetzt wurde ihm auch sein
Honorar erhöht. Zum Kantor wählte sich die Gemeinde ein Mitglied aus ihrer
Mitte. Eingeführt wurde Kutcsera in sein Predigeramt den 23ten Oktober 1810
durch Andreas Jakob Richter, deutscher Pfarrer in Bösing und in Gegenwart des
dortigen slawischen Pfarrers M. Szemian. Man wählte auch der Gemeinde einen
Inspektor namens Daniel v. Pronay, einen Bösinger, der ohne Spur kam und ohne
Spur verschwand. Mit ihm auch das Inspektorat auf etliche Jahre. Man gab der
Gemeinde eine sonderbare Konstitution (Verfassung), war der jeweilige Richter
evangelisch, so war er zugleich Vorsteher der Kirchengemeinde und hatte das
Recht, mit dem Inspektor den Konvent zusammenzurufen. Der Pfarrer war Notar des
Konvents. Der Richter war 1810 Michael Hedecker. Kirchenväter wurden 2,
Konventsmitglieder 20 gewählt. Man hat beschlossen, daß an Sonntagen
vormittags über die Perikopen gepredigt und nachmittags im Winter aus einem
Erbauungsbuch gelesen, im Sommer aber katechisiert wurde. Superintendent wurde
1816 nach Krudy‘s Tod Michael
Kovacs-Martiny, Senior in Modern. Senior an
seiner statt wurde Andreas J. Richter, Pfarrer in Bösing. Im Jahre 1822 brach
am 2. Juni inmitten des Dorfes auf der Grünauer Seite, bei dem Schmiedemeister Borckstaller, ein Feuer aus und viele Häuser unterhalb und
oberhalb,
Was
zu dieser Zeit der Tod des Versorgers für die zurückbleibende Familie
bedeutete. sieht man am Beispiel seines Todes. Seine Witwe erhielt seine Bezüge
nur bis zum Jahresende. Danach kümmerte sich die Gemeinde nicht mehr um sie und
die 5 Kinder blieben unversorgt zurück.
»Während
der 19 Jahre des seelsorgerischen Amtierens Kutcseras, mußte die Gemeinde
mindestens 500 Seelen zählen, viel während dieser Zeit. Die höchste Zahl der
Getauften beträgt 28, die geringste 16, die höchste Zahl der Getrauten 9, die
geringste 0, die höchste Zahl der Beerdigten 32, die geringste 8. Trotzdem,
daß mehr geboren als gestorben sind, hat sich die Bevölkerung Limbachs
schwerlich vermehrt, weil viele infolge des geringen Hotters (Hotter =
Grenzflur) auswandern mußten. Die Zahl der Katholiken mochte 1829 beinahe 200
betragen haben. Nach Kutcseras Tode versah oder ließ einige Monate hindurch
Senior Richter den Gottesdienst in Limbach versehen. Zur Besetzung der
Predigerstelle wurden 3 Kandidaten der Theologie in Vorschlag gebracht. Es
waren dies Tomak, Jarosch und
Zauner. Letzterer wurde nun am 20. November 1829
zum Pfarrer gewählt und den 16. desselben Monats in Preßburg durch den
damaligen, ungarischen Superintendenten, slawischen Predigers und Lyzealprofessors,
Paul Billnitza, ordiniert. Eingeführt hatte ihn am 6.
Dezember Johann Orissa, slawischer Pfarrer in Bösing.
Mathias Zauner ist zu St.
Georgen 1802 geboren. Seinen Unterricht erhielt er in der gemischten Schule in
dem römisch-katholischen Gymnasium seiner Vaterstadt. Die Philosophie und
Theologie absolvierte er am Lyzeum zu Preßburg. Eine ausländische Universität
besuchte er nicht. Geraume Zeit war er Erzieher, bis er 1829 nach Limbach
gewählt wurde. Er war ein geselliger, lebensfroher Mann, aber seine Ehe war
ziemlich unglücklich, so daß er sowohl die Erziehung seiner Kinder, wie auch
die der Schulkinder vernachlässigte und die Zeit
Als
1863 hiesiger Mitnachbar Andreas Steberl der Gemeinde 100
OW. vermachte,
betrug die Erbsteuer bereits 10 Fl. 67 Kreutzer OW. Im Jahre 1859 schaffte
sich die Gemeinde um 500 Fl. eine Orgel mit 8 Registern an, welche bereits
gebraucht war. Dieselbe wurde am 7. Juni 1860 auch eingeweiht. Der Kantor
Jakob Draxler schenkt der Gemeinde einen gläsernen Hängeleuchter, ließ
Altar und Kanzel ausmalen und die Emporkirche ausstreichen. Kantoren waren seit
1810-1860: Michael Spatzek, Andreas Schiessler und
Jakob Draxler. Im Jahre 1848
hat die Gemeinde das Pfarrhaus vom Lehramt getrennt und einen gewissen Krkoss
zum Lehrer berufen, mit dem die Gemeinde zufrieden war. Weil diese aber ihren
Pfarrer keine Entschädigung geben wollte, da er doch die Schuleinnahmen
verloren hatte, so mußten sie schon nach einem Jahr den Lehrer entlassen.
Zauner aber behielt die Schule bis 1860. 1860 wählte die Gemeinde den gewesenen
Gymnasialschüler Stefan Lenhardt zum Schullehrer. Der
Pfarrer erhielt 60 Fl.
jährlich als Entschädigung. Lenhardt wurde 1840 in Preßburg geboren,
heiratete 1863 und starb 1866. Er soll ein guter Organist gewesen sein,
weniger ein guter Lehrer, da er offensichtlich keinerlei Schulseminar besucht
hatte. Sein Gehalt in bar betrug 100 Fl. OW., an Korn von jedem Haus 1/8, vom
Wein eine freiwillige Gabe, ¼ gewöhnlich, 3 Kreutzer wöchentliches Schulgeld
von jedem Kinde, samt ein Scheitel Holz täglich, usw. Seine Witwe, die mit
Waisen zurückblieb, bezog das Gehalt bis 1. Juli 1860. Das berüchtigte K.
Patent vom 1. September 1859 brachte einige Bewegung in unsere Gemeinden. Es
wurde auch in Limbach angenommen, jedoch kehrte die Gemeinde im Juni 1860 zur
Autonomie zurück. Von da an zahlte sie an die Distriktualkasse außer den 2
F1. 52 Kreutzer Interessen, noch einen jährlichen Betrag von 8 Fl. 22 Kreutzer. Senior war damals
Karl Hollerung, deutscher Pfarrer in Modern. Der
1849 von der Regierung abgesetzte Superintendent Stromsky erhielt sein Amt
wieder von seiner Diözese zurück. Jedoch er dankte bald ab. Und am 22. August
1861 wurde Ludwig Geduly, deutscher Pfarrer zu Preßburg als Superintendent
eingesetzt. Das Reformationsfest beging die Gemeinde erst seit 1838 an zu
feiern. Bis 1845 hat man bei uns das alte, gläubige Preßburger Gesangbuch
gebraucht. Im letztgenannten Jahre führte man in Preßburg das neueste und
vollständige (?) Preßburger Gesangbuch ein. Die Zahl der unehelichen Kinder
blieb verhältnismäßig gering, aber an Übertritten zur katholischen Kirche
fehlte es nicht, obgleich auch Übertritte zu unserer Kirche vorkamen. Auch die
Herrschaft demoralisierte die Gemeinde, indem sie die 8 Fuhren Brennholz und 4
Fuhren Bauholz, welche jedem Hause zukamen, auf 6 Fuhren Brennholz reduzierte
und den gemeinschaftlichen Wald, als nur den Grafen gehörig betrachtete. (Anm.
Eine Auswirkung der Bauernbefreiung) Den Schaden, den das Wild in den
Weingärten machte, nicht ersetzte und so die Gemeinde zwang, auf andere Weise
zu entschädigen. Zu Zauners Zeiten betrug die höchste Zahl der
Getauften
29, die niedrigste 14; die höchste Zahl der Getrauten 14, die niedrigste 0; die
höchste Zahl der Beerdigten in normalen Verhältnissen 40, im Cholerajahr 1831
40; 1849 waren es 38, die niedrigste 9. So muß die Seelenzahl zwischen 500-530
geschwankt haben. Anfang Jänner 1864 befanden sich in Limbach 525 evang. A.B.,
125 röm. kath. und 8 Juden, zusammen 658 Seelen; die röm.kath. waren 1848
ungefähr 160 Seelen. Es waren auch selten mehr Wohlhabende zu finden. Inleute,
Waldförster, Jäger, Mühljungen, Knechte, Zigeuner usw. Im Jahre 1864 gehörte
außer dem Schulhause, 13 Hausnummern kath. Eheleuten an und 2 gemischten
Paaren. 1816-1837 war Nebesar zugleich Notar, Lehrer und Glöckner. Sein
Nachfolger Jankovitsch war nur Notar. Jedoch schon zu seiner Zeit ist
Kliment
als Lehrer angestellt worden. Dieser wurde später bis 1850 zugleich Notar.
Zur Zeit der Bachschen Bürokratie waren Bezirksnotare angestellt. 1861 zur Zeit
des Landtages ist der evang. Lehrer Lenhardt Notar gewesen, hat aber bald
abgedankt. Seit der Zeit ist kein selbständiger Notar angestellt. Nach 1848
hätte der röm. kath. Gottesdienst beinahe aufgehört, der Grünauer Pfarrer
war verpflichtet, 4 mal im Jahre in Limbach die Messe zu lesen, hierfür erhielt
er von seinen Pfarrkindern 27 Fl. CM. Familiengeld jährlich. Da er aber nicht
imstande war, diese Summe von den Einzelnen einzutreiben, bewog er den
damaligen röm. kath. Richter Josef Sandtner, einem Sprößling gemischter Ehe,
daß er ihm diese Summe aus der Gemeindekasse auszahle. Dieses ungerechte
Vorhaben unterstützte auch der bigotte (scheinheilige) Stuhlrichter Scherz
1856. Zauner hat wohl dagegen protestiert, aber dem Streite wurde dadurch ein
Ende gemacht, daß der evang. Pfarrer auch jährlich 27 Fl. CM. aus der
Gemeindekasse erhält, obgleich die Evangelischen mindestens 10 mal soviel an
Steuern zahlten, als die Katholischen. Vor 1848 soll die Armut in Limbach groß
gewesen sein. Bei der herrschaftlichen Robot (dem Zehent), den Abgaben usw.
konnte aus dem Weinbau kein großer Nutzen gezogen werden. Nach 1848, befreit
von dem lästigen Drucke ihrer Grafen, hob sich die Gemeinde trotz der großen
und verschiedenen Steuern. Der Weinbau wurde nun pünktlich betrieben.«
Hier
endet der Bericht von Pfarrer Frecska. Wer seinen Bericht über Limbach
fortsetzte, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls wurde noch nachschriftlich
berichtet:
»Schon
vor seinem Amtsantritt hatte die Kirchengemeinde mit opferwilliger
Selbstbesteuerung das hiesige grundherrische Graf Pallfische Schankregalrecht,
nebst dem dazugehörigen Wirtshaus, um den Kaufpreis von 5500
Gulden angekauft und trat am 1. Jänner 1864 in dessen Besitz und Genuß. Das
Wirtshaus wurde zum Pfarrhaus umgebaut, das Schankrecht in dem Gemeindehaus Nr.
84 fortan in der Weise ausgeübt, daß es von 3 zu 3 Jahren verpachtet, den
Grund zur materiellen Besserstellung der Verhältnisse der Kirchengemeinde
legte. Fast alljährlich konnten infolge dessen notwendige Veränderungen an den
Kirchengebäuden vorgenommen werden, wie auch die Besoldungen des Pfarrers und
Lehrers günstiger gestaltet
wurden. So wurde außer dem Umbau des Wirtshauses zum Pfarrhaus im Jahre 1867 das
Hier
enden die schriftlichen Berichte über Limbach und von nun an muß ich mich auf
die Aussagen der Limbacher selbst verlassen, sowie auf die Literatur, die ich zu
dem jeweiligen Zeitraum verwendete.
6.
6.
1918 - 1945
Der
1. Weltkrieg mit seinen Verlusten brachte große Umwälzungen mit sich. Die
Auflösung des österreich-ungarischen Reiches war eine Bedingung Wilsons für
den Waffenstillstand. Ungarn erhielt eine selbständige Regierung. Der
österreichische Kaiser dankte ab und ging ins Exil. Auch das Deutsche Reich
wurde zum ersten Mal eine Demokratie. 1919 wurde der Friedensvertrag zwischen
Deutsch-Österreich und den Ententestaaten unterzeichnet, der zur Folge hatte,
daß Ungarn nun endgültig von Österreich getrennte wurde. Südtirol fiel an
Italien; Italien vergrößerte sich um Triest, Istrien, Teile von Kärnten,
Dalmatien und die dalmatinischenl Inseln; die selbständigen Staaten
Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und Jugoslawien wurden anerkannt. Dem neuen
Bundesstaat Österreich wurde der Anschluß an das Deutsche Reich untersagt. Im
Friedensvertrag von Trianon trat Ungarn die Slowakei an die Tschechoslowakei ab,
Westungarn (Burgenland) an Österreich, Kroatien-Slawonienl an Jugoslawien, das
Banat an Jugoslawien und Rumänien, Siebenbürgen an Rumänien. Das ganze
österreichungarische Kaiserreich zerfiel in viele neue Staaten.
Die Gesamtzahl der im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten betrug rund 10 Millionen, die Zahl der Verwundeten ca. 20 Millionen. Auch aus Limbach waren Soldaten im Krieg gefallen; die Namen der Gefallenen sind hier aufgelistet:
Gefallen:
Johann Schay
Johann
Kreutz
Daniel Böhm
Stefan Haker
Josef Strba
Franz Malatschek
Friedrich
Böhm
Johann
Kreutz
Ludwig Kreutz
Karl
Kreutz
Wilhelm
Scharbert
Daniel
Nerad
Johann Kreutz
Andreas Förster
Andreas Schüssler
Karl
Weißmann
Johann
Böhm
Karl
Reichbauer
Josef
Malatschek
Stefan
Wiszbandtner
Samuel
Nerad
Friedrich
Schüssler
Zu
Hause gestorben:
Leopold
Schüssler
Stefan
Mitterholzer
Johann
Mitterholzer
Johann
Schmidt
Moritz
Scharbert
Michael Malatschek
Ludwig
Hanusek
Paul
Hedeker
Johann
Strba
Da die Männer eingezogen waren, mußten die alten Männer die fehlenden Lehrer ersetzen.
Es
war sehr schwierig, Literatur neueren Datums für diesen Zeitraum zu finden. So
mußte ich mich auf verschiedene Publikationen aus der Vorkriegszeit verlassen.
Im Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums fand ich folgende
Statistik über die Fläche und Einwohnerzahl Limbachs:
Fläche
in Kat.Joch: 2671 (für
1910 u. 1920,
1
Kat.Joch = 0,575465 ha)
1880
Erwachsene insgesamt 746, davon dt. Muttersprache 645
1910
Erwachsene
insgesamt 910, davon dt. Muttersprache
1920
Erwachsene
insgesamt 906,
davon dt. Nationalität 791
1930
Erwachsene
insgesamt 949,
davon dt. Nationalität 916
Eine
neuere und meiner Meinung nach objektivere Darstellung dieses Zeitraums fand ich
bei Egbert K. Jahn. Er stellt u.a. fest, daß die Slowakeideutschen nicht in
einem geschlossenen Siedlungsgebiet, sondern verstreut, kaum ohne Beziehungen,
in Inseln lebten. In Preßburg und Umgebung sollen zu diesem Zeitpunkt ca.
50.000 Deutsche gelebt haben. Er schreibt auch, daß das Nationalbewußtsein der
Deutschen untereinander vor dem 1. Weltkrieg nicht existierte, vielmehr
fühlten sich die Deutschen dem ungarischen Staat in einer Weise verbunden, wie
sie sich dem tschechoslowakischen Staat nie zugehörig fühlten. Der
Mitverlierer des 1. Weltkriegs Qsterreich-Unlgarn mußte den Zusammenbruch
seines Vielvölkerstaates hinnehmen. Der Exilpräsident Benes erhielt von den
Entente-Mächten die Zustimmung zur Erweiterung der CSR bis an die Donau und
tschechische Legionäre besetzten Preßburg. Preßburg wurde 1919 zur Hauptstadt
der Slowakei und erhielt den Namen ‘Bratislawa‘. Der Abschluß des
Friedensvertrages von Trianon am 4. Juli 1920 sicherte endgültig den Staat
CSR einschließlich der Slowakei. Nicht nur die Deutschen, sondern auch die
Madjaren, Ruthenen, Polen wurden so zu Minderheiten in der CSF und waren von der
Slowakisierung betroffen. In der CSR gab es somit 46% Tschechen, 13% Slowaken,
28% Deutsche, 8% Magyaren, 3% Ukrainer und Polen. Die danach stattgefunden
Volkszählungen z.B. die von 1921 sieht der Autor als nicht verläßlich an, da
die Zahl der Minderheiten wohl zu gering angegeben wurde. Allerdings durften
trotz Slowakisierungsbestrebungen 65,6% der Slowakeideutschen ihre
Muttersprache bei den staatlichen Behörden verwenden. Nach 1918 lösten sich
die evangelischen Kirchengemeinden in der Slowakei von der evangelischen Kirche
Ungarns. Die vor 1918 national gemischten Seniorate Preßburgs wurden nun neu
aufgeteilt, in ein deutsches Seniorat und in ein madjarisch/sIowakisches
Seniorat. Ab März 1920 erschien in Preßburg das ‘Evangelische
Gemeindeblatt‘ als Organ der Evangelischen Kirche. Die katholische Kirche
blieb weiterhin national gemischt. Schließlich dürfen wir die Juden nicht
vergessen, die schon immer in der Slowakei gelebt hatten. 1921 waren es 130.343
Juden und 1930 136.737 Juden.
Zur
Wirtschaft sei zu vermerken, daß die Industrialisierung in der Slowakei erst
sehr spät eingesetzt hatte. In Preßburg gab es folgende Firmen:
Patronenfabrik, Hamburger Dynamit-AG, Kabelfabrik, Ölraffinerie, Stahlwerk-AG,
Siemens EAG, Gummifabrik ‘Matador‘ und Textil- und Lebensmittelfabriken. In
dem Zeitraum bis 1930 fand auch ein Rückgang der Schwerindustrie gegenüber der
Leichtindustrie statt. Wichtigster Wirtschaftsfaktor blieb aber nach wie vor
die Landwirtschaft. Der Weinbau lag vorwiegend in deutschen Händen.
Das
Wahlrecht in der CSR war ein Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel für kleine Parteien.
Die Parteien, die von den Slowakeideutschen gewählt wurden, waren:
-
Zipser
Deutsche Partei (ZDP)
- -
Sudetendeutsche Parteien: die einflußreichste sudetendeutsche Partei in
Preßburg und Umgebung wurde die Deutsche Nationalpartei (DNP)
- - Madjarisch-deutsche Parteien
- -
Kommunistische Parteien
- -
Bund der Landwirte (BdL): hatte einigen Erfolg in den Dörfern der
deutschen Weinbauern und den
Dörfern in der Schütt und in der Oberzips.
Seit
den 20iger Jahren entstand auch ein Vereinswesen der Deutschen. Größte
Bedeutung für die Entstehung des Nationalbewußtseins der Slowakei-Deutschen
hatte der Deutsche Kulturverband (DKV), der Ortsgruppen in Preßburg und in der
Nachbarschaft unterhielt. 1927 hatte dieser Verband bereits 270.000 Mitglieder.
Mitbegründer war Samuel Frühwirth, der auch an der Gründung fast aller
deutsch-völkischen Organisationen der Westslowakei beteiligt war. Die
Aufhebung vieler deutscher Schulen in den Sudetenländern führte zur
Abwanderung vieler Lehrer in die Karpathenländer; sie brachten auch das
sudetendeutsche Gedankengut mit. Die ersten Gemeindewahlen in der Slowakei
ergaben Wahlsiege für die ‘Vereinigten deutschen Parteien‘ (DNP, BdL, DDFP
(Anm.: Deutsch- demokratische Freiheitspartei, (Jahn S. 115)); in Preßburg
selbst erhielten sie nur 3 Mandate, in den Gemeinden um Preßburg 93 Mandate.
Selbst die kommunistische Partei (KPC) hatte eine große Anhängerschaft unter
den Deutschen. Allerdings entfiel der größte Teil der deutschen Stimmen immer
noch auf die madjarisch-deutschen Parteien. 1929 kandidierten erstmals
deutsche Parteien in allen 7 Wahlkreisen. Die Stimmverteilung in Limbach
änderte sich mehrmals; 1920 als noch keine deutschen Parteien zur Wahl standen,
erhielten die tschechoslowakischen Volksparteien ca. 88% der Stimmen; 1923
erhielten die Vereinigten Deutschen Parteien 80% der Stimmen; 1925 der BdL 69%
der Stimmen und die restlichen Stimmen gingen an die tschechoslowakischen
Agrarparteien. Jahn kam bei dem Wahlverhalten der Deutschen zu dem Schluß:
»Die durch den Weinbau bestimmte ökonomische und soziale Situation der
Gemeinden war also offensichtlich der für alle Wahlen maßgebliche Faktor der
Stimmabgabe, nicht so sehr die Nationalität.« (Jahn S. 131) Allerdings muß
man beachten, daß diese Aussage nur für den Zeitraum bis 1929 gilt. Der
Grund, warum Limbach trotz allgemeiner Zuwanderung von Tschechen und Slowaken so
rein deutsch blieb, sieht Jahn darin, daß das ‘wohlhabende‘ Weinbauerndorf
etwas abseits der Hauptstraße von Preßburg liegt. Auch sei es nicht vom
Verstädterungsprozeß der Zwischenkriegszeit erfaßt worden und bewahrte so
seine alte Bevölkerungsstruktur.
1938
entschied das Münchner Abkommen über die CSR. Sie sollte die deutsch
besiedelten Randgebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens räumen und an
Deutschland abtreten. Es erfolgte auch die Annexion der sudetendeutsehen
Gebiete durch Hitler. Aber das war nur ein Vorwand; 1939 schließlich zerschlug
er die CSR ganz und deutsche
In
der Slowakei wurden 5 Konzentrationslager errichtet:
- Preßburg Patronenfabrik - Deutschendorf
- Sillein
- Novaky
- Sered
Nach
dem Partisanenaufstand übernahmen die Reichsdeutschen die grausame
‘Endlösung‘ der Juden. Von den 58.000 deportierten Juden kehrten nur noch
242 zurück. Der Gesamtverlust unter den Juden betrug ca. 90.000.
Nach
der Autonomieerklärung der Slowakei wurde die ‘Deutsche Partei (DP)‘ als
Vertretung der Karpathendeutschen gegründet. Ihr Abzeichen in der Fahne war das
Hakenkreuz. An die Spitze wurde ein Volksgruppenführer auf Lebenszeit gewählt.
Der Partei unterstanden auch die Deutsche Jugend (DJ), die Freiwillige
Schutzstaffel (FS) und alle Vereine. Die DP übernahm nicht nur Vermögen
sondern auch die Organisation aller ehemaligen deutschen Parteien und Verbände.
Alle Zeitungen und Zeitschriften wurden gleichgeschaltet. Die ‘Volksstimme‘,
‘Neue Preßburger Zeitung‘, ‘Karpathenpost‘ stellten unter Druck ihr
Erscheinen ein. Es verblieben als Zeitungen der ‘Grenzbote‘, und ‘Deutsche
Stimmen‘. 1940 wurde die Hauptleitung der DP nach Preßburg verlegt.
Herr
Ferko berichtet uns über diese Zwischenkriegszeit
»Den
Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen erlebte Limbach in seiner
traditionellen Weise. Diese tausend Deutschen hatten es schon unter
österreichisch-ungarischer Herrschaft verstanden, nicht den starken
Magyarisierungsbestrebungen zu unterliegen, und nach der Eingliederung in die
CSR der Assimilierung der slowakischen Umgebung zu widerstehen. Das Dorf
kapselte sich ab, Trauungen wurden meist nur unter deutschen Familien
geschlossen, oder sie suchten sich ihre Partner in den Nachbardörfern
Grünau, Bösing und St. Georgen. Auch die Bewohner slawischer Abstammung
paßten sich an, was die slawischen Namen, die häufig in Limbach zu finden
waren, wie z.B. Oharek, Okaty, Wawrinski bezeugen.
Die
Verschlossenheit der Gemeinde lag aber auch in der wirtschaftlichen
Unabhängigkeit begründet. Sie waren völlig autark, konnten fast alles allein
herstellen. Ein weiterer Grund der Kompaktheit der Limbacher Gemeinde war der
Mangel an Grundstücken, unter welchem die Gemeinde litt. Umschlossen von drei
Seiten von den Karpathen spürte Limbach
Der
Weingarten war ihre erste und letzte Liebe und sorgfältig wurde er bearbeitet.
Berühmt war vor allem der ‘Zierfandler Wein‘, und am berühmtesten der
Jahrgang 1917, der wie ‘Öl‘ gewesen sein soll. In der Wirtschaftskrise 1930
hatten auch die Limbacher große Schwierigkeiten, ihren Wein zu verkaufen und
die Fässer blieben voll. 1928 kam ein neuer Pfarrer ins Dorf, Arthur
Hrivnak.
Er half den Weinbauern, Werbung für ihr Produkt in der Sudetendeutschen
Lehrerzeitung zu machen, und bald kamen aus dieser Gegend Bestellungen. Der
Vorgänger des Pfarrers Hrivnak, war Hans
Mollner, der knapp vor dem ersten
Weltkrieg einen Weingärtnerverein Limbach gründete, eine Selbsthilfegenossenschaft‘ die den Bauern half, Weingartengeräte,
Chemikalien, Schwefel u.a. zu kaufen. Gleich nach dem 1. Weltkrieg wurde dann
eine richtige Raiffeisengenossenschaft in Limbach gegründet, welche den Wein
direkt bei den Bauern ohne Zwischenhändler aufkaufte. Im Verlauf der Jahre
kaufte die Genossenschaft schließlich die alte Mühle der Draxler Brüder und
so war der Grundstein für den heutigen Limbacher Keller und Ausschank gelegt.
Am Anfang des 2. Weltkriegs interessierte sich das reichsdeutsche Kapital für
den Limbacher Wein, und in Limbach, Ratzersdoff und St. Georgen entstand eine
deutsche Winzergenossenschaft, welche der reichsdeutsche Dr. Rohr führte.
Limbach bekam aus Deutschland eine unwiderbringliche Anleihe in Höhe von 2½
Millionen slowakischer Kronen. Die alte Draxler Mühle wurde abgerissen und die
Preßburger Firma Termostav baute auf ihrem Platz umfangreiche Keller,
hydraulische Pressen, die einen Druck von 300 Atü hatten. Der Wein wurde in der
Zeit des 2. Weltkriegs nach Deutschland geliefert. In jedem Kriegsjahr führte
Limbach zwei Züge je 50 Waggon (10.00 Hektoliter) aus.«
Trotz
des Weinbaus waren die Arbeitsmöglichkeiten in Limbach knapp und so gingen auch
viele Limbacher nach Deutschland zum Arbeiten.
Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg, der riesige Verluste forderte. 1941 trat die Slowakei in den Kampf gegen Sowjetrußland ein. Im September 1941 forderte die tschechische Exilregierung in London die Westgrenze vor dem Münchner Abkommen und die Vertreibung der Sudetendeutschen. Die USA und die UDSSR stimmten zu.
7.
7. Das Kriegsende und die Vertreibung
Das
Buch ‘Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa‘
(siehe Literaturliste) beschreibt sehr bewegend dieses schlimme Kapitel der
Geschichte. Ab
Juni 1944 änderte sich das bis dahin recht normal verlaufende
Leben in der Slowakei. Die amerikanischen Bomber bombardierten zum ersten Mal
die Stadt Preßburg und die ganze Westslowakei wurde in Angst und Schrecken versetzt.
Rußland setzte nächtlich, geschulte und ortskundige Tschechen und Slowaken als
Partisanen ab, denen sich Unzufriedene anschlossen, das Land infiltrierten und
plünderten, Deutsche verschleppten und ermordeten. Es kam zu Greueltaten in der
Slowakei an den Deutschen. Die deutschen Führer in Preßburg nahmen die Lage
aber nicht ernst. Sogar die nahe Preßburg gelegenen Garnisonen, Tyrnau und
Neutra, drohten zu den Partisanen überzulaufen, was auch teilweise geschah. In
einer Rundfunkansprache ermahnte der Präsident die Slovaken zur Besinnung.
Deutsche SS-Einheiten schlugen den Partisanenaufstand nieder und verhafteten
viele davon. Der Hauptteil der Partisanen aber tauchte unter und erschien mit
den Sowjetrussen 5 Monate später wieder. In der Mittelslowakei hatten sie
fürchterliche Verwüstungen angerichtet. Im Gegensatz zu den Tschechen sei
der Anteil der slowakischen Bevölkerung, der an der Deutschenjagd teilgenommen
hatte, nie sehr groß gewesen. Die plündernden und mordenden Elemente
entstammten meist der entwurzelten Bevölkerung aus den industriellen
Städten. “Von einem nationalen Haß der breiten slowakischen Bevölkerung“,
schreibt Dipl Ing. H.F. aus Preßburg in der ‘Dokumentation der Vertreibung
der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa‘ (Nr. 129, S. 732) “habe ich nie
etwas zu spüren bekommen. Selbst die besitzlose slowakische Bevölkerung von
Preßburg und Umgebung war nicht so weit gegen die Deutschen aufhetzbar, daß
sie nach der Vertreibung der Deutschen ihre Besitzungen übernommen hätten.
Sonst wäre es nicht notwendig gewesen, in die Preßburger Sprachinsel die
ärmsten Slowaken aus der Magura und der Orawa zu befördern.“ Wegen der
Partisanen und dem Heranrücken der Russen wurden schließlich Frauen und Kinder
und alte Leute im Januar 1945 in das Sudetenland evakuiert. Die älteren Männer
wurden zum Heimatschutz beordert, der den Schutz der Heimatgebiete übernehmen
sollte. Am 17. März 1945 erklärte Benes in Moskau die CSSR zu einem
Nationalstaat ohne Minderheitenrechte. Am 1. April waren russische Einheiten
bereits bis nach Grünau und Bösing vorgedrungen und die Leute, die noch im
Dorf waren, spannten ihre Pferde ein und gingen zu Fuß bis in die Wachau, um
vor den Russen zu flüchten. Am 5. April waren die russischen Armeen bereits in
Preßburg angekommen. Am 7./8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht.
Am 19. Mai 1945 erließ Benes ein Dekret über die Beschlagnahmung des gesamten
deutschen Eigentums in der CSSR. Am 2. August 1945 wurde den Sudetendeutschen
die tschechische Staatsbürgerschaft aberkannt. Die Potsdamer Konferenz der 3
Großmächte wollte eine humane Ausweisung der deutschen Bevölkerung aus Polen,
CSSR und Ungarn, die aber nicht so verlief. Im Februar 1946 kehrten die
Familien, die ins Sudetenland evakuiert worden waren, nach Limbach zurück.
Im Mai 1946 wurden sie ins Lager gesteckt, die Limbacher kamen in die Lager
Engerau, Patronenfabrik und Kuhheide. Die ‘Dokumentation
der Vertreibung‘ enthält auch eine Beschreibung des Lagers Limbach (S. 809).
Viele
Deutsche versuchten, sich der Aussiedlung zu entziehen; sie glaubten, daß sich
die Verhältnisse wieder beruhigen würden. Manche kehrten sogar heimlich wieder
zurück, wie zwei Limbacher Weinbauern, die zurückgingen, ihren Besitz verteilt
vorfanden und nach einigen Tagen Haft wieder über die Grenze abgeschoben
wurden.
Hier endet die Geschichte des Dorfes Limbach für die deutschen Bewohner. Sie leben mittlerweile in ganz Deutschland verstreut, einige sogar in den USA, ein paar verblieben in Limbach.
veröffentlicht von Herta Brydon, den 5. November 1991
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